Zeit

Montag, Oktober 02, 2017


Du wirst groß, mein Kind. Mit jedem Tag ein kleines Stückchen mehr. Ich liebe Dich. So wie du bist. Weil du bist, so wie du bist. Weil Du lachst und strahlst und wenn Du mich manchmal zur Weißglut bringst, kann ich Dir nie lange böse sein. 

Kinder sollen nicht der Sinn des Lebens sein, sagen sie. Vielleicht sollten sie das nicht. Doch du bist es für mich, denn du treibst mich an, gibst mir Kraft und Mut, den ich manchmal eigentlich gar nicht habe.  Dein Wohlergehen ist für mich das wichtigste auf Erden. 

Blut ist dicker als Wasser, sagen sie. So ist es, mein Schatz. Du bist ein Teil von mir und ich ein Teil von Dir. So verschieden und so viele Gemeinsamkeiten. 
Du bist stark, willenstark. Launisch. Gönnerhaft. Du bist anhänglich, einnehmend, fordernd. Du bist noch so klein und du wirst jeden Tag ein Stückchen größer, ein kleines bisschen selbständiger. Du willst so vieles nun alleine machen, so vieles ausprobieren.

Metamorphosen

Dienstag, September 19, 2017

Sind wir die Summe unserer Gedanken? Unserer Gefühle? Unserer Taten?

Sind wir intellektuell oder bourgeois?

Dürfen wir nur lieben oder auch abgrundtief hassen?

Dürfen wir Fehler machen, anecken, mit dem Strom schwimmen, uns treiben lassen oder müssen wir kämpfen?

Sind wir nur gut, wenn andere uns das attestieren?

Müssen wir die Welt retten oder uns selbst?

Können wir fliegen oder wollen wir tanzen?

Ertränken wir den Kummer oder stärken wir unser Selbstbewusstsein?

Müssen wir Lächeln oder dürfen wir auch Weinen?

Vielleicht müssen wir einfach nur Sein.

Mit Aussicht auf Klarheit. Mit Hoffnung auf Erlösung. 

Das Jetzt lebt vom Sein.

Ich bin.



Throwback: Ein Tag in der Vergangenheit

Dienstag, September 12, 2017



2001: Ich, 21 Jahre alt. Drittes Semester Kunstgeschichte, Heidelberg, absolviere gerade ein sechswöchiges Praktikum am Deutschen Filmmuseum in Frankfurt. Das Praktikum ist nett, aber nicht sonderlich herausfordernd. Die laufende Ausstellung befasst sich mit Audrey Hepburns Kleidern und Schuhen. Alles ist vom Modezaren Ferragamo aus den 50ern gelabelt. Irgendwie ist das ganze nicht rund. Aber ich bin ja nur eine kleine Studentin. 
Manchmal darf ich auch Anfragen von Besuchern beantworten. Emailverkehr ist damals noch nicht so etabliert. Das Publikum ist eher analog, schreiblustig und telefonfaul. Die Post trägt täglich tausende Briefe aus. Echte Briefe. Handgeschriebene, getippte. 

Mein Vorgesetzter ist super locker. Ein echt cooler Typ. Alternativ. Ich mag unkomplizierte Menschen.

Die Sache mit dem Schicksal

Dienstag, September 05, 2017


© Gemälde und Foto Roberto Pagnani

Wir alle denken, das passiert uns nicht, das trifft nur die anderen. Wenn wir dann von traurigen Schicksalschlägen und ergreifenden Geschichten hören, dann fühlen wir uns betroffen und vielleicht auch etwas erleichtert, dass wir nicht diejenigen sind, die... 
Schicksalsschläge können ganz schön hart sein. Sie können uns ins Wanken bringen, uns straucheln lassen, uns in die Knie zwingen oder uns gar zu Boden werfen. 

Ich habe in den letzten Jahren viel nachgedacht, warum uns einige Dinge widerfahren sind, auch so manches, was hier auf dem Blog keine Bühne geboten werden soll. 
Gahadert habe ich mit unserem Schicksal. Die schwere Krankheit meiner Mutter, die komplizierte Geburt unserer Tochter, der plötzliche Tod meiner Mama: Mit einem Schlag hatte ich keine Mutter mehr und meine Tochter keine Oma. Das sitzt tief, das verändert die Sicht auf die Dinge. Die Floskel: Anderen geht es viel schlechter als uns oder dir, war mir nie ein Trost. Warum sollte es denn auch sein, ich wünsche niemanden Schlechtes. Ich habe lange getrauert und immer wieder kommt der Schmerz hoch. Manchmal ganz suptil, wie ein Stich einer dünnen Klinge, manchmal taub und dumpf. 

Doch in den letzten Wochen da hat sich in mir irgendwie ein Schalter umgelegt. So als hätte ich plötzlich wieder klare Sicht, den Blick frei für das was ist. Mir wurde klar, dass ich eigentlich kein Recht habe mich hinter der Trauer zu verschanzen. Natürlich ist das alles nicht schön, natürlich werde ich meine Mama immer vermissen und im Herzen tragen und ja, die Krankheit, der Tod, das war alles kein Spaziergang und hinterlässt Bitterkeit. 
Aber mir ist bewusst geworden, dass dieser Teil meiner Geschichte nicht die Überhand über mein Leben gewinnen darf. 

Lifestyle should be more life than style: Warum weniger oft mehr ist

Dienstag, August 08, 2017

 Bild: Pixabay

Seit einer Woche verbringen wir sehr ruhige und entspannte Tage an der Nordsee. Es ist ein bisschen wie ausgeklingt sein von der Welt. Wir folgen keinen Regeln, leben in den Tag hinein. Wir entscheiden spontan, ob wir ans Meer, in die Stadt fahren oder zuhause bleiben. Keine Pläne, sich treiben lassen. Neugierig sein, was der Tag so bringen mag. Das ist schön. Es ist entspannend. Es ist erholsam.

Ist Freizeit wirklich freie Zeit?

Obwohl ich mir mal wieder viele Bücher eingepackt und sogar hippe Magazine gekauft habe, stelle ich fest, dass ich diese Zeit für mich, für uns brauche, Zeit, die nicht voll ist mit irgendwas, mit Ablenkungen und Nebensächlichkeiten. Zeit, in der man sich den Reizimpulsen entzieht. 

Freizeit bedeutet doch im Grunde FREIE Zeit; Stunden, die nicht befüllt sind. Die gefüttert werden mit Geist, mit Nahrung für die Seele, nicht mit schrillen, bunten Bildern. Nicht mit dem Overload und auch nicht mit dem Overkill. 

Immer wieder stelle ich fest, dass Freizeit gar keine freie Zeit mehr ist, dass sie vollgepackt ist mit allen möglichen Aktivitäten. Ist das gesund? Wie wäre es denn einfach mal in der Sonne zu liegen oder ein Nickerchen zu machen, statt zum Sport zu hetzen oder den Flimmerkasten zu daten?