Das schreiende Baby - Wege aus dem Schreialltag

Sonntag, September 06, 2015



Babys weinen. Oft. Koliken, Zahnschmerzen, Übermüdung, Reizüberflutung, Hunger, fehlende Nähe. Das sind nur einige Gründe, die Weinen auslösen können. Manchmal kann die Ursache schnell gefunden und ihr entgegengewirkt werden, andere Male hingegen kommt es zu einem Schreikreislauf bei dem sich das Baby kaum mehr beruhigen lässt, es nicht mehr zur Ruhe findet. Das ist nervenzehrend. Denn obwohl unsere Liebe gegenüber diesem kleinen Wesen grenzenlos ist, und wir unser bestes geben, sind auch wir nur Menschen, die immer wieder an ihre Grenzen stoßen. Schlafmangel, Erschöpfung begleitet durch die schrillen Schreie, treiben einen teilweise in den Wahnsinn. Über die Monate hinweg, haben auch wir diverse lange Nächte, Abende, Tage mit einem unruhigen, sich nicht mehr zu beruhigen wollenden Baby verbracht. Die Ursachen variierten mit zunehmenden Alter. Im folgenden möchte ich euch einige Wege aufweisen, die unserer Tochter geholfen haben, zu entspannen.

Bauchschmerzen

Die ersten drei Monate waren es vor allem die Koliken, die üble Stimmung verursachten. Im Grunde, kann man nur versuchen, dem Leiden entgegenzuwirken, in dem man als stillende Mutter auf die Ernährung achtet. Meine Hebamme sagte, ich solle alle Nahrungsmittel probieren und testen, nicht pauschal im Vorfeld verzichten. So kristallisierte sich heraus, dass Kohl und Paprika ganz schlecht für unsere Maus verträglich waren, Spargel und Zwiebeln hingegen wirkten sich wider Erwarten nicht auf ihre Verdauung aus. Bei eintretenden Schmerzen verzichteten wir auf Zäpchen und Tropfen, da der Darm des Babys reifen muss und dazu selbst "arbeiten" soll. Geholfen hat vor allem ein warmes Kirschkernkissen (für Babys aus dem Drogriemarkt) und die sogenannte Fliegerstellung, die dazu sorgte, dass die Luft im Bauch abgeführt werden konnte. Heute mit fast einem halben Jahr sind die Bauschmerzen passé, der Magen ist nun reif genug.

Nähe

In der vierten Woche begann meine Tochter extrem zu klammern. Sobald ich sie ablegen wollte, weinte sie, verzweifelte regelrecht. Ihr Bedürfnis nach meiner Körpernähe schien grenzenlos. Auch diese Zeit war schwierig, nicht nur weil viel liegen bleiben musste. Das alleine wäre nicht schlimm gewesen, seit sie auf der Welt ist, musste ich meine Ansprüche auf einen perfekten Haushalt herunterfahren. Mit Kind bleibt einfach viel liegen. Das ist Realität.
Diese Zeit des Klammerns dauerte ca. eine Woche und war sehr anstrengend, denn sie ständig zu tragen, ermüdet auf Dauer. Meine Lösung bestand darin, dass ich die Kleine in einer Babytrage auf die Brust schnallte. Das gab ihr die gewünschte Nähe und entlastete meinen Oberkörper. Überdies erlaubte es mir, einige Dinge zu erledigen, weil meine Hände frei waren. Ich habe ihr nie die Nähe verwehrt, denn es ist unglaublich wichtig, dass Babys die ganze Liebe und Zuneigung, die sie brauchen, auch erfahren.

Übermüdung/ Reizüberflutung

Das ist ein Thema, dass bis heute immer noch aktuell ist. Die ersten drei Monate genügte es mit ihr im Kinderwagen spazieren zu fahren. Innerhalb kürzester Zeit, schlummerte sie selig. Das Geruckel wirkte beruhigend. Das geht heutzutage schon nicht mehr so einfach. Sie ist immer aufmerksamer, beobachtet alles, findet schwerer in den Schlaf. 
Wenn sie nicht allzu aufgebracht ist, hilft Spazieren zwar immer noch, allerdings weniger zum Schlafen sondern eher zum Ablenken. 
Ansonsten hat uns die Federwiege schon herrausragende Dienste erwiesen. An einer Feder, die an die Decke befestigt ist, wird ein Netz gespannt, in dem ein Babykorb hineingelegt wird. Das Baby wippt und federt sanft und natürlich in den Schlaf. Das wirkte bei uns immer Wunder. Mittlerweile benutzen wir die Wippe nicht mehr, denn unsere Maus kann sich nun drehen und ich habe Angst, sie könnte hinausfallen.

Zum jetzigen Zeitpunkt haben wir fetsgestellt, dass feste Rituale sehr wichtig sind. Sie geben Sicherheit und einen vertrauten Rhythmus vor. Wenn der Tag besonders ereignisreich war, ist es für sie sehr schwer das neu Erlebte zu verarbeiten und der Einschlafprozess gestaltet sich sehr langwierig und schwierig. Ich versuche darauf zu achten, dass sie zumindest vormittags und nachmittags jeweils mindestens eine halbe Stunde schläft. Sonst übermüdet sie, das ist sehr, sehr kontraproduktiv am Abend. In der Regel ist um acht Schlafenszeit. Davor wird mit Mama gespielt, dann mache ich sie bettfertig, stille sie und lege sie dann in ihr Bettchen. Ich bleibe so lange bei ihr, bis sie eingeschlafen ist, das dauert in der Regel zwischen 10 und 20 Minuten. Sie vergräbt dabei gerne ihr Gesicht in ihr Schnuffeltuch. Zum Einschlafen braucht sie den Schnuller. Auch das wird ja oft kontrovers diskutiert, ich bin der Ansicht, dass es -solange es dem Kind Geborgenheit schenkt- nicht verkehrt ist. Eine Freundin von mir sagte dazu: Babys heißen nicht umsonst Säuglinge. Das unterschreibe ich blind. Das Saugen beruhigt, spendet Frieden. Auch bei meiner Tochter macht sich das bermerkbar, sobald ihr beim Einschlafen der Schnuller entgleitet, fängt sie an zu weinen. Dann gebe ich ihn ihr wieder bis sie die richtige Schlafposition gefunden hat und sie einschlummert. (Über Tag benutzt sie keinen Schnuller, sie braucht ihn lediglich, um am Abend in den Schlaf zu finden).  

Zahnschmerzen

Damit haben wir im Moment zu kämpfen. Auch hier habe ich festgestellt, dass Nähe und Ablenkung helfen. Ein Kamillengel für das Zahnfleisch lindert die Beschwerden, ansonsten ist es schön, dass sie sich recht schnell ablenken lässt, wenn man mit ihr spielt. Das wiederrum macht sie auch müde, sodass sie dann eben auch schlafen kann. Der Beißring ist überdies während des Tages unerlässlich. Er hilft, den Druck vom Zahnfleisch zu nehmen.

Im Grunde gibt es aber wie bei Vielem auch bei einem schreienden Baby kein Patentrezept. Wichtig ist, dass die Ursache schnell ermittelt ist. Dabei muss jeder den richtigen Weg für sich im Umgang mit seinem Kind finden, der beiden gut tut.
Es gibt kein richtig oder falsch. Vieles lernt man nur durch Erfahrung, auch in die Mutterrolle wächst man rein, von Tag zu Tag immer ein bisschen mehr. Man muss sich auf sein Kind einlassen, versuchen es zu verstehen. Weinen ist für Babys das einzige Ventil, um Misstände zum Ausdruck zubringen. Liebe, Nähe und Behutsamkeit sind im Umgang mit unseren Kindern essentiell. Sie sind der Dünger für eine glückliche Kindheit und für unsere Beziehung zueinander. Auch wenn wir müde und ausgelaugt sind, dürfen wir das niemals vergessen. Manchmal hilft mir eine Tasse Kaffee, um mich wieder zu mobilisieren und manchmal auch eine Packung Oropax :-). Das Wichtigste ist aber, das Kind mit seiner Not nicht alleine zu lassen, damit es wieder schnellstmöglich seinen Frieden findet.

Alles Liebe
Anna

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