#ProjektMamaStillt

Samstag, Oktober 03, 2015


© Dennis Stebner 2015. Alle Bildrechte liegen beim Fotografen. Die Vervielfätigung, Verbreitung und öffentliche Wiedergabe ist ohne die Zustimmung des Urhebers nicht erlaubt. 
Stillen ist in unserer Gesellschaft leider nicht salonfähig. Erst kürzlich entfachte erneut die Debatte um das Stillen in der Öffentlichkeit, weil eine Mutter gebeten wurde, ein Boadrestaurant der Deutschen Bahn zu verlassen: Die Passagiere fühlten sich durch das Füttern ihres Babys an der Brust belästigt. Auf der einen Seite wird das Stillen zum Glück wieder hochgehalten, denn Muttermilch ist nun das Beste für das Kind, auf der anderen Seite soll man dies aber gefälligst im stillen Kämmerlein tun.

Argumente wie: "Stille doch bevor du das Haus verlässt" oder "gib doch in der Öffentlichkeit die Flasche" zeigen, dass solche Aussagen nur von Menschen kommen können, die von Säuglingen keine Ahnung haben.  Das Baby verlangt nach der Brust, wenn es Hunger hat und richtet sich dabei nicht nach unserem Tagesablauf. Wollte man sich nur nach dem Rhythmus eines Säuglings orientieren, dürfte man das Haus gar nicht mehr verlassen. Denn bis sich alles eingependelt hat, bedarf es Geduld, Zuversicht und vor allem Zeit. 

Auch das Argument mit der Flasche ist absurd: Manche Babys wollen keine Fertigmilch, mal ganz abgesehen davon, dass man als Mutter solche vielleicht gar nicht verfüttern will.  Das muss doch jede Frau für sich entscheiden, was das Beste für sie und ihr Kind ist. 

Auch Abpumpen ist nicht immer unproblematisch. Man muss den richtigen Zeitpunkt abwarten, genug Milch und vor allem wieder das nötige Quäntchen Zeit haben. Es genügt nicht einfach auf ein Knöpfchen zu drücken und Simsalabim: Fertig ist die Muttermilch im praktischen Einwegfläschen. 

Stillen ist ein natürlicher Vorgang. Es ist von Mutter Natur so vorgesehen, um das Baby zu füttern und das Überleben zu sichern. Es hat rein gar nichts Anstößiges oder gar Sexuelles. 

Es ist befremdlich, dass dieser Vorgang überhaupt sexualisiert wird. Im Zeitalter, in dem uns sexuelle Inhalte von morgens bis abends in allen Medien vor Augen geführt werden, wird plötzlich der moralische Zeigefinger des Anstands erhoben, wenn es um das Stillen im öffentlichen Raum geht. Das ist paradox. Ich selbst kenne keine Frau, die provokativ ihre Brust einem fremden Publikum zur Schau stellt, wenn sie ihr Kind anlegt. 

Im Gegenteil, oft versucht man das sehr diskret zu tun und den Busen mit einem Tuch zu bedecken, selbst wenn der Kopf des Kindes sowieso bereits alles kaschiert. 

Bevor meine Tochter geboren wurde, war ich mir sehr sicher, dass ich niemals in der Öffentlichkeit stillen würde. Nun, auch diese Einstellung hat gezeigt, dass ich keine Ahnung hatte. Das Schamgefühl habe ich beim Betreten des Kreissaales an der Türe abgegeben. Das ist die Realität. Und ehrlich, es gibt nichts, aber auch rein gar nichts, wofür man sich schämen müsste, wenn man sein Kind mit der Brust füttert. 

Das Projekt Mama Stillt wurde ins Leben gerufen, um genau diese Vorurteile gegen das Stillen in der Öffentlichkeit zu entkräften. Der Fotograf Dennis Stebner (http://dennis-stebner.de/Dennis_Stebner.html) hat an diesem Projekt teilgenommen und dieses wunderbare Bild geschossen.*
Es zeigt einen wunderschönen, ganz natürlichen Moment zwischen Mutter und Kind. Wer daran Anstoß findet, hat eine verschobene Wahrnehmung der Realität. 

Tolleranz ist leider ein großes Manko unserer Gesellschaft. Gerade dort, wo es um elementare Rechte geht, sollten wir versuchen, eigene Befindlichkeiten in den Hintergrund zu rücken. "Leben und leben lassen" sollte die Devise sein!

In diesem Sinne,
                   
alles Liebe

Anna



*Ich möchte mich ganz herzlich bei Dennis Stebner bedanken, der mir das Bild für meinen Blogeintrag zur Verfügung gestellt hat.

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