Familienbett oder wie erobere ich unser Schlafzimmer zurück

Samstag, November 07, 2015

Seit ich Mutter bin, sehe ich mich ständig mit neuen Themen konfrontiert, von denen ich zuvor noch nie etwas gehört hatte bzw. die davor nicht in meinem Universum relevant oder gar existent waren.
Familienbett ist so ein Thema aus dieser Kategorie.
Als unser Mädchen geboren wurde, fiel es mir unglaublich schwer, sie in der Nacht neben mir schlafen zu lassen. Ich kann nicht genau erklären warum, aber ich schlief unglaublich schlecht, zuweilen gar nicht, total verquert und angespannt mit daraus resultierenden Nackenschmerzen. Ich hatte Angst, sie im Schlaf zu überrollen, oder dass meine Decke ihr die Luft abschnüren könnte.
Einige Nächte habe ich so verbracht. Mein kleines Bündel selig schlafend neben mir, während ich kein Auge zugemacht habe. Zu Beginn brauchte sie diese Nähe, sobald ich sie in das Beistellbettchen legte, wachte sie auf, schrie und weinte. Also gewährte ich ihr Begehren und legte sie an meine Seite. Meine Sorgen erwiesen sich als vollkommen unbegründet, als Mutter hat man einen eingebauten Sensor, der im Schlaf sofort aktiviert wird. Keine Ahnung warum, aber er ist ab Geburt einfach plötzlich vorhanden.


Nachdem ich also festgestellt hatte, dass mein Kind bei mir im Bett sicher ist, entspannte ich mich etwas und sah das ganze gelassener. Dennoch schlief ich mit ihr nicht wirklich gut. Wir hatten kein Babybay, sondern ein kleines rollbares Babybettchen, das ich neben meine Bettseite stellte. Irgendwann klappte es auch und sie fand darin den Schlaf. Wachte sie nachts auf, holte ich sie zu mir und legte sie in unsere Bettmitte. Einige Zeit später begann ich sie nach dem Stillen wieder in ihr Bettchen zu legen und es klappte erstaunlicher Weise sehr gut. Sie schlief tief und fest weiter.

Aber dennoch wollte ich versuchen, sie an ihr Zimmer zu gewöhnen.

Manche von euch werden meinen, dass dies vielleicht zu früh sei, man solle sein Baby mindestens ein Jahr mit den Eltern schlafen lassen, aber ich merkte, dass sie alleine schlafen konnte und empfand es in keinster Weise als Entsagung für unsere Maus. Zuerst legte ich sie zum Mittagsschlaf in ihr richtiges Kinderbettchen im Kinderzimmer. Das klappte.

Dann mit ca. 6 Monaten entschloss ich, es sei an der Zeit, sie auch nachts in ihrem Kinderzimmer schlafen zu lassen. Das war ein kleines Stück Arbeit. Nach dem Stillen, legte ich sie in ihr Bett und blieb so lange bei ihr, bis sie in den Schlaf gefunden hatte. Das ging eine Zeit lang gut.

Bis vor drei Wochen, da schlief sie plötzlich nicht mehr von alleine ein. Gebrüll, Geschrei bis sie wieder auf dem Arm genommen wurde. Da halfen weder sanfte beruhigende Worte noch Streicheleinheiten. Also sind wir mittlerweile bei dem Ritual, dass sie auf meinem Arm einschläft und ich sie dann in ihr Bettchen lege. Das Problem ist bei ihr auch nicht das alleine Schlafen, sondern das Einschlafen an sich.

In der Regel wacht sie nachts noch einmal auf, weil sie Hunger hat und dannach schläft sie friedlich weiter in ihrem Bett bis meist halb sieben am morgen, dann fängt unser Tag an, denn sie ist dann super fit und ausgeschlafen.

Die meisten Mütter, die ich kenne, begrüßen unsere Methode nicht, wenn ich erzähle, dass unsere Maus bereits in ihrem Zimmer schläft.  Sie handhaben es anders und lassen die Kleinen bei sich im Bett oder im daran angebauten Kinderbett schlafen. Als Argument geben sie an, sie könnten das nicht, ihr Kind in der Nacht nicht bei sich zu haben.

Diese Aussage finde ich schwierig, denn im Umkehrschluss höre ich immer unterschwellig den Vorwurf, wie kannst du das denn? Als ob meine Bindung zu meiner Tochter nicht eng genug wäre.

Dass ich sie sehr früh an ihr Bett gewöhnt habe, hat nichts mit mangelnder Liebe und Zuneigung zu tun. Unsere Zimmer grenzen aneinander, ich höre sie, wenn sie weint und bin sofort zur Stelle.

Nein, meine Entscheidung hat damit zu tun, dass ich sehe, dass sie das gut verkraftet, es ihr gut dabei geht und ich wieder entspannt schlafen kann.
Ja, das ist für mich sehr wichtig, Schlaf. Und ich empfinde es als großes Plus auch für unsere Partnerschaft, dass wir wieder unser Zimmer zurückerobert haben. Denn seien wir mal ehrlich, es gibt kein besseres Verhütungsmittel als ein Kleinkind im Bett.

Das bedeutet nicht, dass wir sie nie mit ins Familienbett nehmen und mit ihr kuscheln und nach Bedarf auch Ausnahmen machen. Natürlich tun wir das! Aber die Nächte haben wir nun im Großen und Ganzen wieder für uns.
Ich empfinde das als Rückgewinnung unserer Privatsphäre, als Eroberung einer großen Freiheit, nein eigentich eines elementaren Grundbedürfnisses für unsere Partnerschaft, das keinem schadet.

Ich schlafe besser, fühle mich fitter für den Tag. Meine Liebe zu meinem Kind berührt diese Entscheidung keineswegs. Würde sie anders reagieren, würde ich zurückstecken und sie bei uns übernachten lassen.

Ich bin froh, dass es bei uns so klappt und ich finde es auch vollkommen in Ordnung, wenn andere das Familienbett bevorzugen. Jeder soll es so handhaben, wie es das beste für die beteiligten Parteien ist.

Was haltet ihr vom Familienbett? Wie macht ihr das?

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Nacht!

Liebe Grüße

Anna



Kommentare:

  1. Liebe Anna,
    ich finde es total toll, dass eure kleine Maus schon in ihrem eigenen Zimmer schlafen kann! Damit haben ja einige große Probleme, wenn sie es probieren.
    Bei uns ist es so, dass Kiwi von Anfang an in ihrer Wiege und jetzt mittlerweile in ihrem "großen" Kinderbett direkt neben unserem Bett schläft. Wenn sie mal bei uns im Bett liegt, kann ich auch nie gut schlafen. Ich habe dann immer das Gefühl, mich in Zeitlupe bewegen zu müssen, wenn ich mich z.B. mal umdrehen möchte ;)
    Die Intention dahinter, sie gleich in ihrem eigenen Bettchen schlafen zu lassen, war ursprünglich, dass ich dachte, sie dann auch schneller an ihr eigenes Zimmer gewöhnen zu können. Und ganz ehrlich? Ich glaube, das wäre sogar gar kein Problem. Und jetzt kommt's: "Ich könnte das nicht!" Aber weiß du, warum? Nicht, weil ich glaube, sie mehr zu lieben oder eine "fürsorglichere Mutter" zu sein, sondern aus zwei ganz anderen Gründen:
    1. Weil ich ein ziemlich ängstlicher Mensch bin, wenn es um die Gesundheit von meinen Lieben geht. Ich fühle sogar jetzt noch ab und an in manchen Nächten, ob sie noch atmet. Würde Kiwi in ihrem eigenen Zimmer schlafen und es käme nur ein seltsamer Laut aus ihrem Babyphone, würde ich nach ihr schauen gehen. Käme gar nichts, genau so, weil man ja nichts hört ;) Und das ist total übertrieben und ärgert mich selbst oft!
    2. Weil ich es praktischer finde, wenn sie direkt neben mir liegt. Sei es zum Stillen, um kurz mal den Schnuller zu geben usw. Da sie sich mittlerweile angewöhnt hat, schon um 18 Uhr schlafen zu gehen, wacht sie nachts auf wieder gegen 2 und gegen 6 Uhr auf.
    Du bekommst von mir also keine Kritik zu hören, sondern meine Bewunderung und Anerkennung ausgesprochen! Wenn ich könnte, würde ich gerne mit dir tauschen ;) Und ich kann mir gut vorstellen, dass es vielen anderen Müttern insgeheim so geht, sie das aber nicht zugeben wollen und sich dann einfach hinter einem nicht weiter definierten "Also ich könnte das nicht!" verstecken. Klar könnten sie das nicht, sonst würden sie's ja tun, aber das kann ganz viele unterschiedliche Gründe haben und garantiert nicht den, dass sie ihr Kind "lieber hätten", als du deins ;)
    Liebe Grüße
    Kiwimama

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  2. Liebe Kiwimama,
    danke für deine lieben Worte! Ich kann auch dich sehr gut verstehen. Ich selbst schaue auch während des Mittagschlafes unserer Kleinen, ob sie noch atmet, ob alles ok ist. Und wenn ich nachts ins Bad muss, schaue ich ebenfalls nach ihr. Diese Angst ist ganz natürlich und auch bei mir vorhanden, aber sie nimmt ab, je älter unsere Tochter wird, desto gelassener werde ich.
    Das Argument mit dem Stillen unterschreibe ich blind. Da gebe ich dir zu hundert Prozent Recht, es ist super praktisch, wenn die Kleinen nur eine Hand breit von einem entfernt liegen. Diese Unanehmlichkeit extra Aufzustehen habe ich bewusst in Kauf genommen. Ich stille in der Regel nochmal gegen Mitternacht und dann zwischen 4- 5 Uhr in der Früh. Sie ist dann nach dem Stillen so schläfrig, dass ich sie problemlos wieder in ihr Bett legen kann.
    Ich gebe auch zu, dass, wenn sie in dieser Beziehung nicht so pflegeleicht gewesen wäre, ich sie bei uns gelassen hätte, weil ich ihr Wohlbefinden ganz klar über meines stelle. Dennoch bin ich sehr froh darüber, dass sie in dieser Hinsicht so entspannt ist.
    Und auch bei uns gibt es Ausnahmen, wenn sie krank ist, oder wenn wir kuscheln und dann einfach einschlafen (was gelegentlich passiert :)
    Auch finde ich es prima, wenn jeder seinen eigenen Weg geht, denn das Wichtigste ist ja, dass jeder sich damit wohlfühlt. Mir ist eben nur aufgefallen, dass ich immer schief und mitleidig angeschaut wurde, wenn ich erzählte, dass ich mit unserer Maus im Bett schlecht schlafen würde. Niemand pflichtete mir bei, ich dachte schon, ich sei ein Sonderling; die einzige, die so empfindet. Mit der Zeit ist mir dann aufgefallen, dass es sich bei Familienbett um ein Reizthema handelt, bei dem man schnell in eine Schublade gesteckt wird, wenn man es nicht praktiziert. Ich befürworte beide Varianten solange es allen beteiligten gut tut. Nur diese unterschwelligen Vorwürfe fand ich irgendwie unangebracht.
    Wenn du deine kleine Kiwi nicht alleine schlafen lassen kannst und willst, finde ich das vollkommen in OK :-). Als Mama sollte man sowieso seinem Herz folgen.
    Ganz lieben Gruß
    Anna

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    1. Dass das Familienbett scheinbar echt ein Reizthema ist, war mir vor der Schwangerschaft und kurz danach auch noch gar nicht so bewusst. Stimmt aber wirklich. Ich verstehe nur gar nicht, wieso. Kann doch eigentlich anderen Leuten total egal sein, wie man denn nun nachts schläft? ;)
      Allerdings gibt es ja irgendwie ziemlich viele Reizthema beim Thema Kindererziehung. Vermutlich liegt es einfach daran - so hat es meine Schwester mal formuliert - dass jeder für sein Kind ja eigentlich nur das Beste will, aber gleichzeitig leicht zu verunsichern ist als Mutter. Und wenn jemand das anders macht als man selbst, dann hieße das ja im Rückkehrschluss rein theoretisch, dass das, was ich gemacht habe, "falsch" sein muss. Was natürlich eigentlich totaler Quatsch ist ;)

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    2. Von der Warte aus betrachtet, habe ich das noch gar nicht gesehen! Das erscheint mir eine plausible Erklärung. Wobei ich uneingeschränkt für mehr Selbstbewusstsein plädiere, was die eigenen Entscheidungen betrifft! :-)

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  3. Liebe Anna,

    mein Kleiner hat von Anfang an auf einem Beistellbettchen neben mir geschlafen. Ich habe ihn nicht ein einziges Mal ins Bett geholt - zu groß war meine Angst dass ich ihn in der Nacht zudecke, meinen Arm auf sein Gesicht lege usw. Viele haben mir erzählt was für ein Quatsch das ist. Aber am Ende bin ich diejenige, die meinen Schlaf am besten einschätzen kann und so ging es mir einfach am besten. Zumal sich der Kleine darüber nicht beschwert hat. Aber anstrengend war es schon - "atmet er noch? was war das für ein Geräusch?"-Gedanken ließen mich kaum länger als 1h am Stück schlafen.
    Mit ca. 6-7 Monaten ist der Lütte in sein Zimmer eingezogen. Auch hier gab es keine Beschwerde und es hat alles prima funktioniert und geklappt.

    Wir sollten uns glücklich schätzen, wenn unsere Kleinen gut schlafen - meine Freundinnen sagen, ich soll es besser für mich behalten dass der Kleine durchschläft :D Es ist einfach wie ein Sechser im Lotto und jede, die den Schlafentzug der ersten Zeit überlebt hat wird ein Lied davon singen können, was eine durchgeschlafene Nacht für ein Geschenk ist. Sowohl für einen selbst als auch für die Partnerschaft. Und was die anderen dazu sagen, wie sie das finden... Das kann uns doch egal sein ;)

    Liebe Grüße
    Daniela

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    1. Da hast Du Recht! Wir haben wahnsinniges Glück und es sollte egal sein, was andere dazu sagen, nur schade, dass sich die wenigsten für einen freuen können. Jedenfalls bin ich sehr froh zu hören, dass es bei euch auch so toll geklappt hat :-) Ein Hoch auf den Schlaf!
      Liebste Grüße
      Anna

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