Mach ich nicht! - Mach ich doch?! Die drei größten Mama-Lügen

Samstag, November 21, 2015


Wir sind ja alle [in der Regel] recht selbstbewusst in unseren Entscheidungen und versuchen diese mehr oder minder konsequent umzusetzen. Wir haben bestimmte Werte, Vorstellungen, die wir vertreten, leben und verteidigen.Bevor ich Mutter wurde, hatte auch ich ganz bestimmte Ansichten über meinen Umgang mit dem Nachwuchs. Ich war mir ganz sicher, dass ich dieses so und jenes so handhaben würde. Da hatte ich ehrlich gesagt nur eine verklärte Vorstellung von der Kombinierbarkeit von Idealen und Realität. Beide geraten nämlich im echten Leben oft aneinander und meist zieht der Idealismus den kürzeren.Hier kommen die TOP 3 der größten Mamalügen, die mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ganz schnell über den Haufen geworden werden:


I. Ich gebe keinen Schnuller!

Schnuller, warum das Kind an so eine unhygienische Bazillenschleuder gewöhnen? Um Gotteswillen, am Ende wird der Nachwuchs davon abhängig und man muss tausend Diskussionen, Tricks und Listen anwenden, um das olle Ding wieder loszuwerden. Nein, nein, Mütter, die Schnuller verteilen, sind inkonsequent. Mein Kind bekommt keinen Schnuller!

Nun, spätestens, wenn der kleine Fratz ohne Unterlass wie am Spieß brüllt, weil er 
a) nicht in den Schlaf findet oder 
b) überreizt ist und beruhigt werden will, die Brust aber gerade nicht zur Stelle ist, tja, spätestens dann probiert man es doch mit dem Schnuller und kann nur froh sein, wenn das Kind diesen auch akzeptiert (was nicht immer der Fall ist). 
Denn es gibt wirklich nichts nervenaufreiberendes als ein brüllendes, sich nicht mehr zu beruhigen wollendes Baby. Welch himmlische Ruhe, das sanfte Nuggeln, Himmelschöre in Mamas geschundenem Gehörgang. Total egal ob man das Ding wieder abgewöhnen muss, es schont JETZT Mamas Nerven. Gelobt sei der Schnuller! Und wehe er wird beim Verlassen des Hauses vergessen, da wird Mama ganz nervös. (Kleiner Tipp: Am besten immer einen Schnuller in der Wickeltasche bereit halten, einen an der Babyschale befestigen und einen weiteren in Bettnähe positionieren). Hallelujah, was eine prima Erfindung! Das bisschen Dreck? Härtet doch ab! Gut fürs Immunsystem! Hygiene? - Wird völlig überbewertet!

II. Ich koche alles selbst. Gläschen-niemals!

Baby soll nur Bio und ökologisch unbedenkliches aus deutschen Landen erhalten. Bloß keinen industriellen Fraß, der ist ja bekanntlich gesundheistgefährdend. Das Kind könnte irreparablen Schaden davon tragen. Karotten, Pastinaken (was ist das überhaupt?-egal, Hauptsache bio), alles vom hiesigen Bauern um die Ecke. Nur das Beste für den Nachwuchs. Körperliche Fitness hängt ja bekanntlich auch mit der Qualität der Nahrung zusammen, es gilt unbedingt zu verhindern, dass das Kind fettleibig wird. Man will ja nicht die Leistungssportlerkarriere im Keim ersticken, bevor sie überhaupt angefangen hat. Oder das Kind wird Allergiker, von allen ausgegrenzt, weil es fiesen Hautauschlag bekommt. Neeee, Gläschen kommt nicht in Frage!

Der gute Vorsatz wird spätestens dann über Bord geworfen, wenn 
a) Selbstgekochtes dem Nachwuchs so gar nicht mundet und alle liebevoll zubereiteten und eingefrorenen Portionen verschmät werden und somit in den Müll landen oder 
b.) Mami keine Zeit zum Kochen hatte oder 
c) der Tiefkühlvorrat aufgebraucht ist. 
Hach, wie praktisch so ein Gläschen, alles schön fertig, nur noch erwärmen. Toll! Und was für eine Erleichterung, wenn man unterwegs ist! Kochen? - Wird vollkommen überbewertet! (Kleine Anmerkung am Rande: So viele böse Zutaten sind bei einigen Firmen auch nicht drin, man muss nur genau die Inhaltstoffe auf dem Etikett studieren).


III. Das Kind schläft nicht bei uns im Bett!

Das Baby im Bett geht gar nicht! Zu groß die Angst, dass man es im Schlaf aus Versehen erdrückt oder dass es keine Luft mehr bekommt, weil Gefahr droht, es könnte unter die Bettdecke gelangen. Oder man will sein Bett nicht teilen, denn es gehört ja schließlich Mama und Papa, die sind ja bekanntlich nicht nur Eltern sondern auch ein Liebespaar. Nach dem Stillen wird der Nachwuchs einfach ins eigene Bett verfrachtet. Wo ist denn da bitteschön das Problem? 

Spätestens, wenn der Säugling brüllt und schreit, weil es Mamas Nähe will, holt man ihn zu sich ins Bett. Dann ist nämlich Ruhe im Karton. Warten bis das Kind schläft und dann heimlich ins Beistellbettchen legen? Tacheles: Am Anfang (und auch noch im Verlauf) von Babys Entwicklung ist man ziemlich müde und abgespannt. Da ist es keine Seltenheit, dass man beim Stillen einfach wegdöselt. Ja, so ist das. Romantische Liebesstunden? Wer hat dazu überhaupt noch Energie? Hauptsache Kind gibt Ruhe. Oberste Priorität: Silentium, eine Wohltat für Mama und Papas angeschlagenes Nervenkostüm. Sex? -Wird vollkommen überbewertet! (Das schreiende Ergebnis macht sich ja dann im Elternbett breit. ;-)

Obige Zeilen sind mit einer ordentlichen Portion Humor und Sarkasmus gewürzt, Eigenschaften, die man als Eltern unbedingt mitbringen sollte. In der Regel hängt aber das Überbordwerfen der Prinzipien mit Babys Launen und mit Mamas gesunkener Belastungsgrenze zusammen. Aber ehrlich, letztere sollte man einer Mutter nicht verübeln, die macht echt schon genug mit! Durch die Kombination von Babys Missmut und Mamas Übermüdung können die guten Vorsätze ja nur verlieren. Kein Grund zur Panik. Wie heißt es doch so schön?: Man wächst mit seinen Aufgaben! Ist doch schön, wenn man sich weiterentwickelt und nicht mehr an archaischen Vorstellungen festhält. Evolution treibt schließlich die Menschheit an!

In diesem Sinne,

alles Liebe

Anna



Kommentare:

  1. Haha, sehr gut geschrieben. Die letzten beiden Prinzipien hatte ich auch ... Hm, als Nicht-Mutter hat man einfach nicht die allergeringste Ahnung wie man auf dem Zahnfleisch geht nach diversen Wochen Schlafmangel, Wochenbett-Schmerzen, Babygeschrei und niiiiieeemals Zeit für sich haben. Denn so ein Baby ist ja nun mal immer da. IMMER! Und wenn da nur Schnulli und Familienbett helfen, um endlich mal drei Stunden schlafen zu können, dann bitte sehr ;P Mein selbstgekochtes kam übrigens auch nicht so gut an. Daher gab's oft Gläschen. Ist ja auch viel zu schade, den ganzen selbstgekochten Brei immer wegzuschmeißen ...

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  2. Ja, das stimmt. Ich habe irgendwann aufgegeben, schließlich ist man auch froh, wenn Ruhe und Harmonie einkehrt. Und wenn diese eben auf Gläschen zurückzuführen ist, sei es drum :-)

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