[Ohne] Papa [alles] doof?

Samstag, November 14, 2015


Teilzeitmutter hat ihrem Frust mal freien Lauf gelassen und zur Blogparade: "Problemfall Mann" aufgerufen. Darin beschreibt sie die in ihren Augen ungerechte Aufgabenverteilung in ihrer klassischen Mutter/Vater/Kind-Konstellation und fordert andere Mama-Blogger auf, "ordentlich abzulästern und die objektive Wahrheit aus den Augen zu verlieren".
Darf man das? Seinen Partner so publik anprangern?
In unserer Gesellschaft darf man eigentlich fast alles, jeder nach seinem Dafürhalten. Die Frage lautet vielmehr, ob sich das gehört. Meine Meinung ist "Nein". Ich bin in dieser Hinsicht sehr konservativ, vieles was heute in der Öffentlichkeit dargeboten wird, empfinde ich als zu privat, um es so offen kundzutun. Aber im Grunde, muss ja jeder für sich selbst definieren, wo er seine Grenze zieht, was ihm heilig ist.
Doch das ist hier nicht das eigentliche Thema, vielmehr geht es um den Kern, dass wir Mütter auch mal ordentlich gefrustet sind.

Es ist ja auch oft nicht wirklich leicht. So schön Kinder auch sind, sie großzuziehen ist eine Lebensaufgabe, die uns ganze Kraft kostet. Als Mutter ist man rund um die Uhr im Einsatz: Der Haushalt, der Einkauf, der Job, Papierkram und sämtliche andere "schönen" Dinge müssen wir gleichzeitig mit bewältigen. Oft fehlt uns Zeit für uns selbst, zum Regenerieren,  Abzuschalten, ganz zu Schweigen vom Schlaf, den viele Mütter kaum noch kennen.
Seit unsere Maus auf der Welt ist, habe ich kein Buch mehr gelesen oder in Ruhe einen Film geschaut.

Ich kann Teilzeitmutter gut verstehen, manchmal muss man einfach auch mal Dampf ablassen. Denn wir sind auch nur Menschen.

Auch ich fühle mich manchmal überfordert, weil ich einfach nicht alles schaffe, was ich mir vornehme. Unsere Tochter gibt den Rhythmus vor, und der ist nicht immer nach meinem Geschmack. Aber was solls, damit muss ich mich abfinden. Und trotzdem nervt es mich, dass ich wieder nicht die Steurerklärung fertig bekommen habe, die Wäsche immer noch darauf wartet, gebügelt zu werden und das Bad auch heute nicht im frischen Glanz erstrahlt, weil ich einfach keine Zeit dafür gefunden habe. Es ist also auch wichtig, seine Gefühle zu benennen, denn es verschafft einem Erleichterung. Ob man seinem Partner dabei öffentlich Vorwürfe macht oder nicht lieber das private Gespräch sucht, muss jeder selbst entscheiden.

Wobei ich mich in der glücklichen Situation befinde, dass mein Mann mir so gut er kann, unter die Arme greift. Das weiß ich auch sehr zu schätzen, denn mir ist durchaus bewusst, wie müde und abgekämpft er manchmal von der Arbeit nachhause kommt. So oft hat er mir den Rücken freigehalten, sich die Maus geschnappt und mich ins Bett oder in die Badewanne geschickt, damit auch ich mich erholen kann. Oder sie stundenlang bei Zahnweh im Gang auf und ab getragen, weil ich einfach nicht mehr konnte.

Er kümmert sich liebevoll um unsere Tochter und er ist für uns der beste Papa auf der Welt. Würde er mich komplett alleine lassen, hätten wir ernsthafte Probleme.
Ich ziehe den Hut vor alleinerziehenden Müttern, denn sie leisten wirklich übermenschliches.

Unterm Strich bleibt es aber so, dass wir Mütter bestimmt mehr leisten als die Väter. Aber was ist falsch daran? Das ist alleine schon der Tatsache geschuldet, dass wir schließlich die Mama sind; uns verbindet ein ganz eigenes, enges Band zu unserem Kind. Es geht nicht um das Aufwiegen von Tätigkeiten, sondern um das Zusammenhalten als Einheit, als Familie.

Ich kann blind unterschreiben, für uns wäre ohne Papa alles doof.

Alles Liebe

Anna

Kommentare:

  1. Das hast du gut geschrieben!
    Hier ist es auch so, dass ich die meiste Zeit mit dem Baby verbringen, was einfach daran liegt, dass ich die 12 Monate Elternzeit genommen habe und was natürlich auch am Stillen liegt. Aber wenn ich möchte, kann ich abgepumpte Milch da lassen und auch mal ohne Baby unterwegs sein. Das ist ja auch mal wichtig. Ich glaube, wenn man das Gefühl hat, immer und überall für einfach alles zuständig zu sein, dann ist man schnell frustriert. Da muss man also eine gute Ausgeglichenheit schaffen.

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  2. Dankeschön :-)! Ja, einen Ausgleich schaffen, das ist sehr wichtig, um zu Regenerien! Eine kleine Auszeit tut allen Beteiligten gut, denn wenn Mama wieder Energie getankt hat, funktioniert auch alles wieder besser und das Frustpotential ist nicht mehr so hoch!
    Liebe Grüße
    Anna

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