Beckenboden in Shape - warum Rückbildung auch für Sportmuffel Sinn macht

Mittwoch, November 11, 2015

Leider war ich schon immer ein Sportmuffel. Nicht, dass wir es nicht einige Male miteinander versucht hätten, der Sport und ich. Wie sagt man so schön: Ich war "stets bemüht" an unserer Beziehung zu Arbeiten. Aber guter Wille alleine reicht ja meist nicht. Verständnis und Treue, Disziplin, Durchhaltevermögen, Ehrgeiz spielen eine wichtige Rolle. Eigenschaften, die ich bereits für andere Lebensbereiche aufwende und somit leider für den Sport nur noch geringfügig vorhanden sind. Also, ich weiß wirklich nicht, woran das liegt. So viele Anläufe habe ich gestartet.

Es begann bereits an der Uni. Da bin ich fleißig zum "Bauch-Beine-Po" marschiert. Jeden Dienstagabend. Total überfüllt,  motiverte Studentinnen im ganzen Kursraum UND drei Kerle. Zwei davon wollten Frauen aufreißen, der andere war so ein seltsamer Nerd mit Leggings und Stirnband, der die ganze Zeit üble Gase im Raum verteilte.

Da man aufgrund der Überfüllung dicht an dicht lag, freuten sich die zwei Aufreißer auf ein Wahnsinnspanorama sämtlicher mehr oder minder trainierter Hinterteile. Ich hatte leider zwei Mal das Pech in den Genuß der üblen Duftbomben des Nerds zu kommen, der sein Hinterteil bei den Bodenübungen zielgerecht auf meine Kopfhöhe plaziert hatte.
Also bei allem guten Willen, ihr könnt verstehen, dass der Sport es mir wirklich nicht leicht gemacht hat. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich brach den Kurs wieder ab.

Es folgten weitere Versuche in Form von DVDs, Joggen, Walken und sogar ein Schnupperabonnement im Fitnesstudio sollte mich motivieren durchzuhalten. Denn wenn ich zahle, so meine Überlegung, dann gehe ich da hin. Schon aus Prinzip! Nunja, meine Prinzipien hatten die Rechnung ohne meinen inneren Schweinehund gemacht. Es geht ja beim Sporteln nicht um Leben und Tod, auf der Couch zu zweit war es doch so viel gemütlicher.

Als ich schwanger wurde, hatte ich große Sorge, dass mein couchverwöhnter Bombenkörper noch mehr aus der Form geraten könnte. Also, wieder das gleiche Spiel: Fitness-DVDs für die Schwangerschaft mussten her. Ganz ehrlich, ziemlich doof kam ich mir da vor mit meinem dicken Bauch, unbeweglich, wie ein Walross rumzuhüpfen oder Atemübungen zu machen. Und die Yoga angehauchten Übungen sahen auch ehrlich gesagt überhaupt nicht sehr grazil und Zen aus. Nun gut, außer meinem Göttergatten, der bei meinem Anblick in schallendes Gelächter ausbrach, bekamen diese Turnübungen keiner zu Gesicht und auch das brach ich -wie sollte es auch anders sein- wieder ab.

Fit gehalten habe ich mich im Grunde durch die langen Spaziergänge mit unserem Hund, und soll ich euch was sagen? Das machte mir auch wirklich Freude.

Nach der Entbindung befürchtete ich wieder Übles: Der Rückbildungskurs stand an. Ich hatte Angst.  Wieder so ein Frauenkurs, in dem man rumgescheucht wird. Ich hatte gehört, es sei sehr anstrengend, denn wer wieder in Form kommen will, der muss schwitzen!!!

Also überlegte ich schon, darauf zu verzichten, aber das Beckenbodentrainig  sei so ungeheuer wichtig, sagten alle. Und so meldete ich mich an. In einen Mutter-Kind-Kurs. Mit Baby gabs nämlich auch keine Ausreden, vonwegen, ach nee, heute kann niemand auf die Maus aufpassen, wie schade, dass ich heute zuhause bleiben muss.
Der Kurs erwies sich als ausgesprochen angenehm. Ehrlich! Die Hebamme war nett, die Teilnehmerinnen auch und die Babys einfach nur süß. Ich ging sogar wider Erwarten ganz gerne hin, denn: Es war nicht so fürchterlich anstrengend wie gedacht. Manche Übungen machten sogar Spaß und vieles konnte man zu Zweit machen, jeder bestimmte so ein eigenes Tempo. Und ich hatte ein gutes Gefühl, etwas für meinen Beckenboden zu tun. Er soll ja schon elastisch bleiben, nicht ? ;)
Zusammenfassend rate ich jedem, den Kurs zu belegen! Alle Sportmuffel da draußen: Überwindet euch! Selbst wenn ihr (so wie ich) nicht zum Leistungssportler mutieren werdet, euer Beckenboden wird es euch danken. :-). Ich habe zum Glück keinen Bauchansatz zurückbehalten (Gene, Glück oder Beckenbodentraining? - Ich weiß es wirklich nicht, aber bevor hier der kollektive Neid ausbricht, meine Speckrollen verteilen sich anderweitig am Körper).

Ein untrainierter Beckenboden kann Blasenschwäche verursachen; die Übungen verhindern, dass sich dieser senkt und sie machen generell auch wieder fitter und mobiler. Außerdem wird der Bauch gestrafft, nach der Geburt keine allzuschlechte Option :-) Die Kasse übernimmt es, insofern, spricht alles dafür!
Also, Mädels, ran an den Beckenboden, für ein besseres Körperbewusstsein :-)

Alles Liebe

Anna

Kommentare:

  1. Ich habe nach der Geburt einen Rückbildungskurs bei der Hebamme gemacht, zusammen mit 9 anderen Neu-Mamas, das hat Spaß gemacht. Das Baby durfte mitkommen.
    Jetzt gehe ich 1x die Woche zum Rückbildungsyoga, da darf das Baby auch mitkommen.
    Ich würde auch gern einen "Aqua Fit" Rückbildungskurs machen, aber das ist terminlich gerad schwer, weil der Papa dann aufpassen muss.

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    1. Ich habe den Schwimmkurs auch nicht belegt, weil es zeitlich nicht gepasst hat. Obwohl sehr oft empfohlen wird, einen Rückbildungskurs ohne Baby zu besuchen, weil dies effektiver für den Trainingseffekt sei, kann ich das nicht bestätigen. Meine Maus hatte ordentlich Spaß mit den anderen Babys und bei manchen Übungen konnte ich sie neben mich legen, das hat wunderbar geklappt. Ok, manchmal muss man Stillen, aber im großen und ganzen, hat das überhaupt nicht den Rhythmus des Kurses gestört. Einige Teilnehmerinnen sind sogar auch mal ohne Baby gekommen, oder haben das Geschwisterkind mitgenommen, das auch mitgeturnt ist :-). Zumindest hat man bei einem "Baby-Kurs" diese Option, in einem ohne Kind, kann man nicht einfach das Baby mitnehmen, wenn man mal niemanden hat, der darauf aufpasst. Liebe Grüße

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