Bis einer heult

Freitag, Dezember 04, 2015



Weinen ist bei Babys Ausdruck für jegliches Unbehagen: Schmerzen, Müdigkeit, Unwohlsein, Hunger, Frust. Sie können sich nur so Gehör verschaffen. Sobald Baby weint, eilen wir herbei, versuchen alles, damit es dem kleinen Geschöpf wieder gut geht. 
Aber wer kümmert sich um uns, wenn wir müde, erschöpft, traurig, gefrustet sind? Kennt ihr das auch? Manchmal sind die Tage hart. Hart vor Anstrengung, hart vor Stress, hart vor Übermüdung. Manchmal ist man einfach nur den Tränen nahe.

Gestern war bei mir so ein Tag. Meine Tochter lässt mich seit vielen Nächten nicht schlafen. Tagsüber schläft sie auch kaum, das bedeutet, dass ich auch nicht zur Ruhe komme. Der permanente Schlafentzug setzt mir zu. Und zwar nicht zu knapp. Ich bin einfach unendlich müde. Sobald sie am Abend nach ordentlichem Zirkus endlich im Bett liegt, komme ich nicht herunter. Ich weiß genau, ich sollte mich sofort schlafen legen, und die Zeit nutzen bevor sie wieder in ein paar Stunden nach mir verlangt, aber wenn meine Kleine am Abend endlich schlummert, ist dies die einzige Zeit am Tag, die ich für mich bzw. für meinen Mann und mich, für uns, habe. Und so dreht sich das Hamsterrad nun seit ca. zwei Wochen ohne Unterlass.

Ich hoffe, dass es bei ihr nur eine Phase ist, dass es sich um einen Wachstumsschub handelt, oder die Zähne, die oben bald durchzubrechen scheinen. Es tut mir als Mutter weh, wenn sie sich so in den Schlaf weint und quält und ich ihr dabei nicht helfen kann; diese Ohnmacht empfinde ich als sehr belastend.

Solche Phasen sind hart für mein Baby aber auch für mich als Mama. Überhaupt hat man als Mutter wenig Zeit für sich selbst. Eigentlich bin ich nie alleine. Meine Tochter ist immer bei mir. Es ist ein zwiespältiges Gefühl, denn wenn sie nicht bei mir ist, denke ich unentwegt an sie, mache mir Sorgen, frage mich immer, ob es ihr gut geht, ob bei Oma alles in Ordnung ist. Ich gebe sie selten ab. Wenn ich selbst zum Arzt muss oder einen wichtigen Termin habe, bei dem ich sie nicht mitnehmen kann. Nie um mir etwas Gutes zu tun, um mal auszuspannen, zum Friseur zu gehen oder ähnliches. Das ist ein Fehler. Ich weiß das. Daran muss ich arbeiten. 

Letzten Samstag hat mein Mann unser Mäusekind eingepackt und ist mit ihr Spazieren gegangen, damit ich endlich etwas Schlaf nachholen konnte. Das tat so gut. Ich brauche zur Erholung diese räumliche Trennung, denn ansonsten höre ich meine Kleine selbst im Halbschlaf und ich kann mich nicht regenerieren. 

Manchmal ist man als Mutter ein einsamer Kämpfer. Manchmal muss man, um wieder lächeln zu können, Mut zusprechen, Nase schnäuzen und Tränen abwischen. Beim Nachwuchs, aber auch bei sich selbst. 

Von Zeit zu Zeit, nach einem besonders harten Tag, setze ich mich ans Bettchen meiner Tochter und sehe ihr beim Schlafen zu. Dann wird mein Herz ganz warm und ich könnte vergehen vor Liebe. Ich betrachte sie und ich weiß, wofür und warum ich kämpfe und durchhalte. Denn obwohl sie mich manchmal an meine Grenzen bringt, ist sie auch der Teil von mir, der mich ganz macht und für den es sich zu kämpfen lohnt. 




Kommentare:

  1. Was für ein schöner und aufrichtiger Text! Besonders aus der Zeit als MoJo noch kleiner war, kommen mir diese Gefühle und die maßlose Erschöpfung sehr bekannt vor... Mama sein ist wirklich nicht einfach, da man seine eigenen Bedürfnisse eigentlich aus Liebe immer zurückstellt. Daher darfst du ruhig stolz auf dich sein :) Und irgendwann werden es uns unsere Kinder (hoffentlich) danken :)

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    1. Vielen liebenn Dank für deine lieben Worte und deinen Zuspruch. Bis unsere Kinder es uns (hoffentlich) danken, werden wir bestimmt noch viele Berg- und Talfahrten zusammen unternehmen müssen. Ich bin aber vor allem stolz auf mich, dass ich so ein wunderbares Wesen hervorgebracht habe. Und ich bin froh zu hören, dass es nicht nur mir so geht, sondern dass auch andere Mamis manchmal diese Tiefpunkte erleben.
      Ganz liebe Grüße
      Anna

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  2. Hast du super beschrieben. Ich kenne diese Gefühle nur allzu gut. Eigentlich ist deinem Artikel nichts hinzuzufügen, ich kann nur jedem Punkt zustimmen. Ich habe auch oft gedacht: "Ich kann nicht mehr ... " Schlafentzug ist auch die reinste Folter für mich ... Das ist so hart. Und die wenige Zeit für sich, aber wie du schon sagst, es lohnt sich zu kämpfen. Für mich war es ab dem Zeitpunkt besser, ab dem ich wieder Teilzeit arbeiten ging. Man ist dann für kurze Zeit auch mal wieder ein Individuum und das ist zwar in der ersten Zeit ungewohnt und schmerzt, aber wenn man sich wieder daran gewöhnt hat, sind es tolle Entspannungsphasen. Tja, und über richtige Entspannungsphasen, mit Freizeit und so reden wir dann später mal ;)))

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  3. Ja, Schlafentzug ist wirklich fürchterlich. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass es so belastend ist. Insgeheim freue ich mich auch wieder arbeiten zu gehen, aber irgendwie habe ich auch etwas Angst über diese lange räumliche Trennung. Aber wahrscheinlich finden das Mütter schlimmer als ihre Kinder, die sind ja dann währenddessen durch Spiel und Spaß abgelengt. Es sit schon seltsam wie poltzlich Arbeit zur Enrspannung wird :-). So ändern sich die Ansichten! Ich bin gespannt! Liebe Grüße

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  4. Dass mich der Schlafentzug irgendwann mal so fertig machen könnte, hätte ich früher auch nie gedacht. Das hast du alles wirklich sehr gut und einfühlsam beschrieben, ich konnte mich gut im Text wiederfinden :) Dass dein Mann auch mal eine räumliche Trennung möglich macht ist super! Irgendwie ist man ja sonst doch immer "in Bereitschaft". Und da weiß man: "Ich kann eh nix machen, dann kann ich jetzt genau so gut auch mal entspannen!" ;)

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    1. Ja, das stimmt, man ist immer in Bereitschaft. Genau so empfinde ich es auch! Wenn mein Mann mit ihr außer Haus geht, dann lege ich mich ersteinmal schlafen,obwohl ich oft denke: "O, ich könnte ja noch bügeln, Wäsche machen etc...". Aber Schlaf ist definitv die bessere Wahl, damit man wieder frisch ans Werk gehen kann :-)

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  5. Hallo Anna, ich kann dir so gut nachempfinden. Ich war schonmal so müde, daß ich beim Bilderbuch vorlesen eingeschlafen bin. Meine Tochter stupste mich dann an und sagte: Mama warum liest du nicht mehr weiter? Ja und das mit dem "sich Zeit für sich nehmen" probiere ich seit 5 Jahren. An wenigen Tagen klappt es mal, aber ich habe dann wieder ein schlechtes Gewissen. Das muß auch ich noch üben. Aber es tut so gut, wenn man liest, dass man nicht alleine ist. Alles Gute,... es geht wieder vorbei

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    1. Ja, das tut gut, sich austauschen zu können. Es sind eben immer Höhen und Tiefen, gerade ist es ein Tief, aber ich bin voller Zuversicht :-). Sich Zeit für sich zu nehmen, empfinde ich als wirkliche Herausforderung und das mit nur einem Kind, ich kann gut nachvollziehen, dass es für dich noch schwieriger ist. Aber wir sollten das schlechte Gewissen zur Seite schieben und uns auch etwas Gutes tun, denn wenn es Mama wieder besser geht, profitieren ja unsere Kleinen auch davon. Es ist leicht gesagt, ich weiß das selbst, die Umsetzung klappt nämlich bei mir auch nicht so wie ich es gerne hätte. Aber ich arbeite daran! Alles Liebe

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