Familienmanagerin oder der ganz normale Wahnsinn

Sonntag, Dezember 20, 2015




Mutter wird man nicht über Nacht.  Nach 10 monatiger langer Vorbereitungszeit wird man dann am Ende doch ins kalte Wasser geworfen. Und zwar richtig mit Wucht. Nun gut, ich war eigentlich nie so naiv zu glauben, Elternschaft sei ein Spaziergang. Aber irgendwie ging ich in meinem unverbesserlichen Idealismus fest davon aus, dass die meisten Eltern übertreiben.  Ja, ja , dachte ich mir immer insgeheim, hatten die denn vorher noch nie Stress? Im Beruf oder privat? Kann doch gar nicht sein, oder ist nur mein Leben besonders turbulent und alle anderen ruhen wie Buddha in sich selbst?  Haben die denn alle noch kein Haus gebaut oder Druck auf der Arbeit gehabt? Doch! Aber die meisten bauen nachdem sie Kinder haben und dann sind sie schon stresserprobt. Diese Erkenntnis leuchtet mir erst jetzt ein. Nachdem man ein Kind hat, geht man potentielle Stressquellen anders an. Mit mehr Verstand, mit mehr Kalkül, mit weniger Impulsivität und mit einer großen Portion mehr Gelassenheit.  Davon bin ich heute mehr als überzeugt. Eltern zu werden ist ein prima Coaching für alle anderen Lebensbereiche. Relativ schnell eignet man sich sämtliche Soft Skills an, die einen für Topmanagerposten qualifizieren. 
Die Multitasking Fähigkeiten, die wir Frauen eh schon in die Wiege gelegt bekommen haben, werden weiter perfektioniert: Windeln wechseln, gleichzeitig ein wichtiges Telefonat führen während die Haarkur einzieht –kein Problem!

Man entwickelt  Führungsqualitäten: Aufgaben werden gerecht delegiert: Papa darf die Tüten schleppen, während Mama den Einkaufswagen jongliert und Baby als Alleinunterhalter für das Rahmenprogramm sorgen darf (damit Mama und Papa bei Laune gehalten werden, versteht sich).

Menschenkenntnis: Man erahnt SOFORT, wenn Babys Laune zu kippen droht, oder Papas oder die eigene (was fast genauso oft vorkommt wie Babys, wenn wir ehrlich sind) und zeigt prompt Konfliktlösungsansätze: "Rassel, rassel, rassel, gutschi gutschi, trararaaaa" beim Baby, "Stell dich nicht so an!" beim Papa und "ich bin soooo arm dran" bei sich selbst.
Man wird zum Motivationstrainer: "Komm, noch ein Löffelchen für Mama, braaaaaves Kind!!!!".
Die rhetorischen Fähigkeiten werden perfektioniert und sind kaum noch zu übertreffen; man könnte fast schon zum neuen Rethorikpapst gekürt werden, immer nur her mit dem Nobelpreis: "Wutzi wutzi, wo ist der Wau Wau?".
Kommunikationsfähigkeit wird extrem ausgebaut: Wie du willst heute Abend ein Bierchen trinken gehen?!? (Kravall-Stimme!) 

Man wird flexibel und stressresistent: Was sind schon Termine? Wenn Baby spuckt, schreit, in die Windel macht, wird eben schnell umdisponiert. Tief durchatmen, kurz alles umkrempeln und weiter geht’s im Programm.

Konsequenz und Durchsetzungsvermögen gewinnen an Bedeutung: ICH GEBE KEINEN SCHNULLER, verdammt, wo ist denn das olle Ding, Baby nörgelt! [Siehe auch hier]

Empathie wird nun ganz groß geschrieben: Filme in denen Bambi seine Mutter verliert oder der kleine Lord vom Großvater zuerst drangsaliert und dann ins Herz geschossen wird, sind unerträglich aufwühlend für unser kleines, weiches Mutterherz.

Diese Liste könnte noch unendlich lange weitergeführt werden.  Alle weiteren Beispiele untermauern eigentlich nur noch mehr wie sehr ein Kind unsere Fähigkeiten ausbaut, verbessert und unsere natürlich immer beste Seite zum Vorschein kommen lässt.
Und last but not least: Auch die Fähigkeit zur Selbsterkenntnis wird perfektioniert: Denn relativ schnell wird einem dann bewusst, dass der eigentliche Chef weder Mama noch Papa ist, sondern dass man eigentlich  Vollzeit für einen ziemlich launischen oft unberechenbaren Vorgesetzten arbeitet.


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