Weihnachtsstress oder Warten auf die schönste Zeit des Jahres

Mittwoch, Dezember 09, 2015


Weihnachten hat für mich zwei Seiten der Medaille: Einerseits verbinde ich damit die schönsten Kindheitserinnerungen, auf der anderen Seite löst es bei mir, seit ich selbst erwachsen bin (also schon seit geraumer Zeit ;-), Stressgefühle aus. Seit Jahren komme ich erst an Heiligabend wirklich in Weihnachsstimmung, weil berufliche und private Verpflichtungen meist so viel Raum einnehmen, dass für weihnachtliche Gefühle immer wenig übrig blieb. Zuerst war es das Studium, meist immer kurz vor den Ferien stand ein Referat oder eine Prüfung an, später waren es die wichtigen Datelines auf der Arbeit, die jegliche vorweihnachtliche Begeisterung zunichte machten.

Hinzu kam, dass unsere Weihnachtstafel über die Jahre leider immer leerer wurde. Meine geliebten Großeltern weilen nicht mehr unter uns und auch die Großelten meines Mannes, die ich ins Herz geschlossen hatte, sind in den letzten Jahren von uns gegangen. Unsere uns gottseidank noch erhaltene Oma möchte verständlicherweise aus gesundheitlichen Gründen das Haus nicht mehr verlassen und so wiegt diese Leere an der Weihnachtstafel oft schmerzlich und schwer. 

Weihnachten ist ein Familienfest, als Kind liebte ich es, meinem Großvater beim Zubereiten des Weihnachtsbratens behilflich zu sein. Meine Unterstützung sah dann in Wahrheit so aus, dass mein Opa in sämtlichen Töpfen, die die Küche hergab, rührte und werkelte während ich daneben am Tisch saß, immer wieder Köstlichkeiten in meinen Mund verschwinden lies und dabei lachte und gluckste. Ich vermisse meinen Großvater sehr. Unsere Weihnachtstafel erstrahlte im hellen Glanz, wir Kinder tobten und scherzten und konnten es kaum erwarten, unsere Geschenke auszupacken.

Es war bei uns immer Tradition erst zu Speißen und im Anschluss zu bescheren und zusammen den Abend zu verbringen. Meine Eltern, Tanten, Onkels und Großeltern spielten meist Karten, während wir Kinder uns mit Murmeln (ja, das konnte uns damals wirklich noch begeistern!) oder mit Brettspielen die Zeit vertrieben. Vor dem Kamin machten wir es uns zu Füßen meiner Großmutter gemütlich, die auf dem Sessel Platz genommen hatte und sich am Feuer wärmte, breiteten unsere Spiele aus und verweilten uns unter dem liebevollen Blick meiner Oma bis uns gegen Mitternacht die Augen zufielen. Ja, an Weihnachten durften wir lange aufbleiben und so habe ich rückblickend auf diese Jahre soviel Weihnachtszauber aufgesogen, dass ich während ich hier schreibe, mich zurückversetzt fühle in diese verzauberte und für mich so kostbare Zeit.

Heute bin ich kein Kind mehr und vieles hat sich geändert. Die alte Generation gibt nun die Verantwortung weiter an uns, die wir nun selbst Kinder haben. Durch meine Tochter wird mir wieder bewusst, wie wichtig diese Erfahrungen und ihre damit verbundenen Erinnerungen für mich sind und ich möchte diese meinem Kind ebenfalls mitgeben. Wir Eltern sind verantwortlich für das Nest, das wir unseren Kleinen bauen. 



Seit geraumer Zeit kursiert der Spruch Unser Alltag ist ihre Kindheit im Netz und ja, genau so ist es. Obwohl unsere kleine Maus nicht viel mitbekommt, habe ich dieses Jahr das Haus geschmückt, als hätte ich eine Schar von Kindern! Denn diese Stimmung möchte ich wieder mit Haut und Haaren aufsaugen und sie auf meine Tochter übertragen damit sie als Erwachsene davon zehren kann, so wie ich es heute tue.
Jeden Abend zünden mein Mann und ich Kerzen an, machen es uns auf dem Sofa bequem und lesen eine Adventsgeschichte im Dämmerlicht, trinken heißen Kakao (oder ab und an einen Glühwein ;-) und schwelgen nur so im Adventsfieber. Der Fernseher bleibt dabei aus! Und ich freue mich schon jetzt darauf, wenn unser Mäusekind groß genug sein wird, daran beizuwohnen und gespannt meinen Erzählungen lauschen wird. Am Samstag werden wir einen Baum kaufen und dann wird er geschmückt und zurecht gemacht für unsere kleine Familie.

Heiligabend selbst werden wir dieses Jahr bei meinen Schwiegereltern verbringen. Die Uhrzeit haben wir vorgeschoben, denn unsere Maus sollte spätestens um neun im Bett liegen. Aber ich freue mich wahnsinng auf dieses neue Familienfest mit meinem kleinen Augenstern, ich sehe sie schon lachen und grinsen und erstaunt die Lichterdekoration ihrer Oma betrachten.  

Weihnachten ist ein Familienfest voller Traditionen, die wir bewahren und hochhalten sollten für unsere Kinder, aber auch für uns selbst. Denn es gibt nichts wertvolleres als Familie, dem Ort, an dem man sich behütet und beschützt fühlt, an dem man einfach Sein kann. Und hier halten wir Goethes Maxime hoch: Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein!


Wie verbringt ihr den Advent und das Weihnachtsfest? Hat sich für euch durch eure Kinder etwas geändert?

In diesem Sinne wünsche ich euch allen eine frohe und besinnliche Adventszeit!

Alles Liebe

Anna


Kommentare:

  1. Ach ja, das hast du wirklich schön geschrieben. Da kommt bei mir schon Weihnachtsstimmung auf :)
    Tatsächlich ist und war Weihnachten für mich schon immer mit Abstand das schönste Fest des Jahres. Wir feiern mittlerweile immer bei meiner Schwester zu Hause, machen erst Bescherung und bereiten dann alle gemeinsam die Zutaten für das Raclette vor. Die Stimmung ist einfach immer total gemütlich, deshalb konnte ich ich in deine Erzählung total gut hineinversetzen :)
    Ich habe allerdings das Gefühl, dass Weihnachten dieses Jahr stressiger wird. Nicht nur wegen unseres Umzugs, sondern auch, weil die Verwandtschaft, die heilig Abend nicht mit dabei ist, mittlerweile lauter und vehementer einfordert uns so schnell wie möglich zu sehen. Früher kamen diese Besuche immer gemütlich über einen gewissen Zeitraum hinweg verteilt, jetzt müssten wir uns schon vierteilen, um alles so zu schaffen, wie es "gewünscht" wird. Natürlich freue ich mich, dass jeder "ein Stück von Kiwi" zu Weihnachten haben möchte, aber man muss echt aufpassen, dass der Weihnachtszauber nicht von Weihnachtsstress (den ich absolut hasse) überlagert wird ;) Mal sehen, wie's wird! Ich bin gespannt! :)

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    1. Ja, das stimmt, seit das Baby da ist, wollen alle schauen und dass man vorbeikommt. Könnt ihr denn nicht die Verwandten, die an Heilig Abend nicht anwesend sind, nicht einfach zu euch bestellen? Dann müsstet ihr nicht alle abklappern. Wäre das eine Möglichkeit? Mein Geburtstag fällt zwischen Weihnachten und Silvester, oft habe ich gar nicht gefeiert, sondern mir mit meinem Mann einen schönen Tag gemacht, aber jetzt, wo Mäusekind da ist, überlege ich doch alle Verwandten einzuladen, weil es jetzt irgendwie schöner ist. Keine Ahnung, ob das Sinn macht, aber man fühlt durch die Kleinen "Familie" einfach mehr :-).

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