#afterbabybody – Eine Entschuldigung an meinen Körper

Freitag, Januar 22, 2016



#afterbabybody - was für ein Unwort. Verbreitet millionenfach auf allen sozialen Kanälen. Als Postgebärende auf den Körper reduziert zu werden, ist herabwürdigend.

Bereits vor der Schwangerschaft hat mein Körper schon einiges mitgemacht. Ich habe zugenommen, abgenommen, mich ausgewogen ernährt, gehungert, Völlerei betrieben, normal gegessen, mich kasteit, mich gehen gelassen. Ich habe Sport gemacht, faul auf der Couch gesessen, mich motiviert, mich bemitleidet.

Ich glaube, jede Frau kennt das. Jede will perfekt sein und eigentlich ist es doch im Grunde keine. Wir wollen immer das was wir nicht haben, die wallende Mähne der Kommilitonin, die langen Beine der Kollegin, die großen Augen der flüchtigen Bekannten. Ich wollte immer schlank sein, auch wenn ich es nicht immer war. Heute nach der Schwangerschaft, habe ich immer noch 6 Kilo zu viel auf den Rippen. Es hat sich also seit meinem ersten Figurpost nichts geändert. Das liegt sicherlich an mir und an meiner mangelnden Disziplin. Aber das allein finde ich nicht schlimm. Nein, ich finde mich nicht dick, ich kann gut damit leben auch wenn ich weit entfernt von einer Modelfigur bin.


Aber etwas anderes hat sich verändert. Mein Körper ist mitgenommen. Man sieht ihm an, dass er ein Kind ausgetragen, ein Kind ernährt hat. Ich habe nun endgültig abgestillt. Auch meine Brust hat sich verändert, nicht viel, aber genug, dass ich es sehe. Sie ist kleiner geworden, ein wenig. Meinem Mann fällt es nicht auf, mir schon. Mein Hintern ist größer geworden, mein Bindegewebe schlaffer.

Ich bin stolz, Mutter zu sein, ich bin stolz, mein Kind ausgetragen und gestillt zu haben, ich bin stolz für das was mein Köper und ich geleistet haben. Aber ich bin auch wehmütig, weil ich weiß, dass mein alter Körper nicht mehr zurückkehren wird. Die Zeit arbeitet gegen mich, und vieles kann man einfach nicht wieder kitten. Ich weiß, dass man durch Disziplin alles erreichen kann, was man selbst in der Hand hat. Ich war nie diszipliniert genug für Modelmaße, sonst hätte ich sie gehabt. Ich war nie ehrgeizig genug, stundenlang Sport zu treiben und auf meine Ernährung zu achten. Wäre ich es gewesen, dann sähe ich anders aus. Mir waren andere Dinge einfach wichtiger.

Nachdem ich Mutter wurde, hat sich in meinen Augen vieles verändert. Ich lege keinen großen Wert mehr auf Äußerlichkeiten, ich investiere weniger in Konsum, ich wähle mit Bedacht, was ich mir gönne und was nicht. Warum? Weil mein Kind oberste Priorität hat. Es ist mir egal, dass ich nicht mehr so in Form bin wie früher. Mein Lächeln ist immer noch das gleiche, meine Augen sind immer noch dieselben, mein Humor ist immer noch tief und manchmal immer noch schwarz. ;-) Meine Macken bleiben, ich habe sie einfach zu sehr liebgewonnen. ;-) Aber es macht mich traurig, dass ich meinen Körper nie so geliebt habe, wie er es verdient hätte.

Ich ziehe mich immer noch gerne gut an, ich achte immer noch auf mein Äußeres, nur sehe ich nicht mehr so taufrisch aus. Oft habe ich Augenringe, gähne viel und generell bin ich sehr müde. Und obwohl sich mein Äußeres verändert hat, blicke ich zurück und entschuldige mich dafür, dass ich dich, meinen Körper, in der Vergangenheit  oft so schlecht behandelt und dir viel zugemutet habe. Ich möchte mich bedanken, dafür, dass du alles geduldig ertragen hast, alles ausgehalten und mitgemacht hast. Du bist mitgenommen, weil ich dir viel zugemutet habe. Das tut mir leid.

Und Danke möchte ich sagen! Danke, dass du meine Launen und Verrücktheiten ertragen hast, dass du meinem ungeborenen Kind ein sicheres Zuhause gegeben hast, dass du es genährt und geborgen hast. Ich möchte den weiteren Weg  in Würde mit dir gehen, dich besser behandeln, dich so nehmen wie du bist, auf dich hören, auf dich achten. Du bist sicherlich nicht perfekt für die Glamour-Glitzerwelt da draußen, aber du bist authentisch. Mit Fehlern. Mit Vorzügen. Du bist gut so wie du es für mich nur sein kannst. Du bist mein Außenspielgel für die Welt.  Du bist einfach ich.

Kommentare:

  1. Oh wow Anna.
    Was für ein schöner Text. Und wie interessant das Thema von der Seit zu betrachten. Mir gehts ja so wie dir und diese "Unterhaltung mit dem eigenen Körper" gibt es bei mir auch, aber bei mir mit einem kleinen Unterschied. Du hast das Gefühl das du deinen Körper zu sehr deinem Schönheitsideal (im Kopf) unterwirfst und ihn deswegen "schlecht behandelst" und ich habe immer das Gefühl das mein Kopf meinem Körper nicht gerecht wird. Mein Körper ist so geduldig und macht alles mit und er hat es verdient besser behandelt zu werden - was ich jetzt auch machen will - aber für mich heisst das ihm endlich das zu geben was er verdient: einen Kopf der mehr drauf achtet was er dem Körper gibt. Einen Kopf der das Abnehmen jetzt endlich mal wieder ernstnimmt, das mit der Körper nicht mehr so viel zu schleppen hat... Damit er Abends nicht mehr so müde ist, damit er nicht mehr so im Rücken knarrt.
    Ich will meinen Körper nciht so nehmen wie er jetzt ist, weil ich das Gefühl habe ihn bereits enttäuscht und im Stich gelassen zu haben. Ich will ihm das geben was er braucht und das ist mehr Gesundheit und weniger Gewicht.... Aber ich bin auch ne andere "Gewichtsklasse" als du ;) deswegen wahrscheinlich selber Gedanke, aber unterschiedliches Resumée.
    Vileen Dank dir für deinen tollen Text!

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    1. Liebe Nic, ich danke dir von ganzem Herzen für deinen Kommentar, denn er ergänzt obige Gedanken ganz wunderbar! Du hast so recht, es ist immer der Kopf, der uns in die Quere kommt, sei es, weil er einem perfektem Schönheitsideal hinterherrennt oder weil der Kopf den Körper nicht genug wertschätzt. Das wichtige ist in meinen Augen, das zu erkennen, denn erst dann kann man handeln.Unser Körper ist unser Motor, er verdient gut behandelt und gepfelgt zu werden, damit wir lange zusammen unseren Weg gehen können. Danke für deine Worte! Ich glaube das kleine, große Zauberwort, ist Liebe. Alles was wir tun, sollten wir mit Liebe tun, nicht zu streng mit uns sein, nicht zu nachlässig. Ja, zu einem gesünderen Körper, ja zu einem freieren und offerenen Geist! Die Symbiose aus beiden macht uns aus, wenn beides in Harmonie zueinander ist, sind wir wunderschön! Liebst, Anna

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  2. Mensch, den Beitrag hab ich verpasst. Wieso eigentlich? Find ich gut. Schön geschrieben. Und lustig, ähnliche Gedanken hatte ich ja auch neulich. http://beatrice-confuss.de/2016/02/24/muetter-veraendern-sich/
    Was meinen Körper angeht...ich hab zwar nicht zugenommen, aber die Schwangerschaften haben natürlich auch Spuren hinterlassen. Einen Busen habe ich quasi garnicht mehr. Da war nie viel. Aber jetzt brauch ich nichtmal mehr einen BH. Irgendwie ist mir das aber egal. Als Teenie hätte mich das sehr unglücklich gemacht. Meine Hüften sind dafür dezent runder geworden. Ich merke es an den alten Hosen. Einige mag ich nicht mehr tragen, sie gehen zwar zu, aber schneiden so unbequem ein. Und Hosen, die mir eher zu weit waren, passen jetzt ganz gut. Ich habe meinen Kleiderschrankinhalt einfach etwas den neuen Bedingungen angepasst. Ich denke zum Beispiel auch, dass auch ohne die Kinder diese oder ähnliche Veränderungen eintreten. Denn jeder wird älter. Vielleicht geht es mit einer Schwangerschaft auf einen Schlag und man realisiert es durch schneller. Aber irgendwann sähen wir sowieso so aus. Es ist wirklich so, dass ich mich auch mit den kleinen Fältchen und sogar den Ringen unter den Augen mag. Ich fühle mich so wohl wie nie. Hätte ich dieses Lebensgefühl doch als Teenie schon gehabt...Auf dass wir unseren Mädchen das vermitteln können!
    LG

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    1. Liebe Beatrice, vielen lieben Dank. Da hast du vollkommen Recht! Wahrscheinlich würden wir alle nicht mehr so aussehen wie mit 18, weil es einfach in der Natur der Sache liegt, dass wir älter werden. Unser Körpergefühl müssen wir wirklich erst erlernen, ich fühle mich trotz einigen Kilos mehr auf den Rippen dennoch wohler. Fraulicher, erwachsener. Als junge Frau hatte ich mich noch nicht selbst gefunden, dann ist die Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich schwiergig. Heute finde ich mich besser. Allerdings fallen mir manchmal alte Fotos in die Hände und ich denke mir: Mensch, was hattest du früher für Probleme? Du sahst doch echt belendend aus! Aber das weiß man immer nur im Nachhinein zu schätzen. Schade, dass mein heutiges Ich meiner jüngeren Version von mir selbst nicht ein paar schlaue Ratschläge erteilen kann. Dann hätte ich mir vielleicht einige schlechte Tage erspart. Oder auch nicht, weil ich mir vielleicht nicht geglaubt hätte ;-). Ist schon alles gut so wie es ist. Ich teile übrigens die gleichen Gedanken wie Du und hoffe, dass ich meiner Tochter ein gesundes Selbstbewusstsein vermittlen kann. Alles Liebe!
      PS: Sehr schöner Artikel, ich mag deine Texte wirklich sooo gerne!

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