Aus Babysicht die Welt erkunden 2: Unser Einschlafritual fern von allen Erziehungsratgebern

Montag, Januar 25, 2016


Ich habe endlich einen Weg gefunden, wie unsere kleine Maus ohne Schreikrämpfe und Weinattacken sanft in den Schlaf findet. Tja, was soll ich sagen, meine Methode ist weder konsequent noch erziehungstechnisch plausibel. Eines ist sie vielleicht doch: Sie ist konsequent inkonsequent. Deshalb an alle Mamis, die großen Wert auf Regeln und Disziplin legen, bitte hier NICHT weiterlesen.


Ich hatte bereits mehrmals berichtet, dass das Zubettgehen bei uns jeden Abend in einen Spießrutenlauf mutierte.  Alles läuft gut vom Zähnchenputzen bis zum Schlafanzug anziehen wunderbar ohne Zwischenfälle, es wird immer viel gelacht und geherzt bis, na bis ich sie hinlege. Ab diesem Moment, in dem Mäusekind spitz bekommt, dass es nun ans Schlafen geht, fängt das Drama an. Sobald ich sie in liegende Position versetze, weint sie bitterlich. 

Ich habe wirklich alles probiert, mich neben sie ins Elternbett gelegt, mich an ihr Bettchen gesetzt und versucht sie zu streicheln und zu beruhigen, ich habe sie rumgetragen, gespielt, gesungen, alles umsonst. Einmal in Rage geweint, war es sehr schwer sie zu beruhigen. Sämtliche Methoden aus Erziehungsratgebern habe ich angewandt, ich bin nicht von ihrer Seite gewichen, ich bin aus dem Zimmer raus und wieder rein, ich habe sie NICHT aus ihrem Bettchen genommen, sondern mich neben sie gesetzt, bis ich es einfach nicht mehr ertragen konnte, weil sie mir so unendlich leid tat und ich sie letzten Endes doch in die Arme nahm, um sie zu trösten. Alle meine Bemühungen waren vergebens, jeden Abend weinte sie sich in den Schlaf.  

Im Grunde betrieben wir begleitetes Schreien, eine Qual für mein Kind und mich. 

Dann fuhren wir vor zwei Wochen in Urlaub. Ich befürchtete schon, dass sich unser festgefahrenes Ritual weiter vollziehen würde, aber Mäusekind war dort wie ausgewechselt. Wahrscheinlich übertrug sich unsere ausgelassene Stimmung auch auf sie. Babys bekommen einfach viel mehr mit, als wir auf Anhieb denken würden. 

Dort sah unser allabendliches Zubettgehritual so aus, dass ich, nachdem ich sie umgezogen hatte, sie ins Beistellbettchen legte, während wir noch lasen oder fernsehschauten. Sie genoss diese Nähe sichtlich, dieses nicht zum Schlaf gezwungen werden, dieses bei uns, mit uns zusammen sein. Sie spielte vergnügt, bis sie einfach irgendwann einschlief. Seit unserem Urlaub schläft unsere Kleine einfach durch bis morgens. Dadurch, dass sie nachts nicht mehr aufwacht, habe ich sie auch abgestillt.

Es bedurfte eines Urlaubs um zu begreifen, was aus Sicht meiner Tochter falsch lief. Sie wollte mit uns zusammen sein, teilhaben an unserem Familienleben, teilnehmen an unseren Abenden. Wenn ich sie ins Bett legte, zwang ich sie frühzeitig, sich von uns zu trennen, wir grenzten sie aus. 

Im Grunde sind die Abende die Zeit des Tages, die wir am längsten als Familie als Mama, Papa, Kind miteinander verbringen. Mittlerweile handhabe ich es so, dass  ich sie nach dem Zähneputzen und Umziehen einfach zu uns ins Wohnzimmer in den Laufstall setze. Sie spielt quietschvergnügt bis sie irgendwann meist so zwischen 21 und 22 selig einschläft. 

Zwischenzeitlich lachen wir viel gemeinsam, herzen sie und freuen uns einfach, den Abend zusammen ausklingen zu lassen. Seitdem wir das so praktizieren, ist alles viel entspannter. Wenn wir dann gegen 23 Uhr ins Bett gehen, nehme ich sie sanft aus dem Laufstall und lege sie in ihr Bettchen. Sie wacht davon nicht auf und bis jetzt schläft sie weiterhin bis morgens früh durch. Vor einigen Tagen schlief sie sogar bis 10 Uhr morgens. (UNGLAUBLICH)

Ich bin so glücklich, weil meine Tochter nun ganz entspannt und zufrieden mit dieser Lösung ist. Ich weiß, dass wir das nicht ein Leben lang so durchziehen können, aber ich habe jetzt endlich ein ausgeglichenes Baby, das ruhig und friedlich schläft und morgens bester Laune ist. Ich handle gegen sämtliche Elternratgeber, doch für uns ist im Moment dieser Weg richtig und er fühlt sich für uns gut an.

Mir ist bewusst, dass ich nicht konsequent bin, aber ich wusste mir zum Schluss einfach nicht mehr zu helfen, denn es gab für mich nichts Schlimmeres als mein Baby jeden Abend verzweifelt weinen zu sehen. 

Natürlich bin ich sehr dankbar, wenn ihr andere Ratschläge habt oder wenn ihr mir verraten wollt, wie bei euch das Einschlafritual aussieht und was bei euren Babys/Kindern gut funktioniert.

In diesem Sinne, wünsche ich allen entspannte Nächte und ausgeschlafene Tage!

Alles Liebe, Anna

Kommentare:

  1. Wow, das klingt echt unglaublich. Vor allem, dass du sie dann schlafend aus dem Laufstall nehmen kannst ohne, dass sie aufwacht. Wahnsinn! Aber ist doch super, dass das so klappt :)

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  2. Ja, das ist wirklich unglaublich! Wenn ich sie rausnehme, räkelt sie sich etwas schlaftrunken und kuschelt sich an mich, dann lege ich sie in ihr Bettchen, meist streckt sie sich etwas, manchmal mault sie kurz im Schlaf, aber sie schläft weiter ohne aufzuwachen.Das ist nach monatelanger Qual für uns beide so ein Segen! :-)

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  3. Hallo,
    das klingt echt gut, schön zu hören, dass es anderen auch so geht. MAcht weiter so, indem ihr auf euch und eure Bedürfnisse hört. LG Michaela von www.wertdernatur.de

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    1. Dankeschön :-) Ja, ich glaube, wir sollten öfter auf uns vertrauen anstatt uns von außen verunsichern zu lassen. Das ist manchmal gar nicht so einfach. Liebste Grüße!

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