Aus Babysicht die Welt erkunden: Teil 1: Kuschelverweigerer oder Kuschelmonster

Donnerstag, Januar 14, 2016


Kennt ihr das auch? Manche Konflikte mit unseren Kleinen gehen uns richtig an die Substanz, sie scheinen tief verwurzelt und nicht überwindbar, egal wieviel Mühe man sich gibt, welche Methoden man versucht, die Situationen erscheinen hoffnungslos und festgefahren, nichts hilft, kein neues Verhalten erwirkt die gewünschte Lösung. 
Auch ich habe nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen, aber ich habe gemerkt, dass, wenn ich einige Situationen aus der Distanz betrachte und versuche mich in mein Kind hineinzuversetzen, vieles leichter von der Hand geht und sich so manche Situation entspannt hat
Aus diesem Grunde möchte ich gerne mit einer neuen Serie beginnen „Aus Babysicht die Welt erkunden“, in der ich darüber berichte, wie sich manche Konflikte in der Beziehung zu meinem Kind dadurch gelöst haben, indem ich von meinen Vorstellungen abgerückt bin und versucht habe, mich in mein Baby hineinzufühlen. 
Heute geht es um das Thema Kuscheln, das bei uns nie so harmonisch abgelaufen ist, wie ich es mir gewünscht hatte. 

Wie ich bereits in meinem ersten Familienmoment berichtet habe, gehört meine Tochter eher zur Spezies: Kuscheln ist doof und total überbewertet. Bisher ließ sie sich von mir zwar herzen, aber nie mit wirklicher Begeisterung und vor allem war ich die treibende Kraft! Sie war irgendwie nie sonderlich anschmiegsam, zwar sucht sie immer meine Bestätigung, z. B. wenn sie fremde Menschen ansprechen oder anlächeln, wartet sie meine Reaktion ab, ob es so in Ordnung ist und wenn ich gelassen bin, strahlt sie ihr Gegenüber an, bin ich hingegen angespannt, weint sie sofort, so dass die fremde Person sie  in Ruhe lässt. Sie signalisiert mir also deutlich, dass ihre Bindung zu mir sehr stark ist, sie lässt sich auch fast ausschließlich von mir und manchmal auch von Papa beruhigen, Kuscheleinheiten schien sie bisher aber nicht so sehr zu brauchen. Manchmal wurde es ihr zu viel und sie wurde quengelig und abweisend.   

Ich befürchtete schon mit einer großen Portion Bedauern, dass ich vielleicht eine kleine Kuschelverweigerin beherberge und googelte in diversen Foren, ob sich so etwas schon im Babyalter abzeichnet. (Doof, ich weiß). Jedenfalls versicherten dort im Internet mehrere Mütter, dass Babys Kuschelverhalten noch nichts aussagen würde, wie sie später sein würde, alles könne sich ändern, alles wäre noch offen. Das beruhigte mich etwas. In meinem ersten Familienmoment habe ich mein großes Glück beschrieben, als meine Tochter von sich aus meine Nähe suchte. Seit dem Tag bin ich aufmerksamer geworden und habe bemerkt, dass sich ihr Bedürfnis nach Kuscheleinheiten ganz anders äußert als meines. Sie zeigt es mir in kleinen subtilen Gesten, auf ihre ganz eigene Art. Wenn sie sehr müde ist und ich habe sie auf dem Arm, gräbt sie z. B. ihr Gesicht in meinen Hals oder auf meine Brust.  In liegender Position hingegen, möchte sie keine Umarmungen oder Berührungen, die ihre Bewegungsfreiheit einschränken, dann wird sie sehr  unduldsam, meckert und weint. Es ist auch nicht möglich, dass wir zusammen einschlafen, sie braucht ihren Raum und protestiert bis ich wieder in ihr Bettchen lege. Sie ist in dieser Hinsicht sehr selbständig und freiheitsliebend, wenn man das so für ein Baby sagen kann. 

Ihr Bedürfnis nach Nähe kristallisiert sich hingegen eher in meiner alltäglichen Interaktion mit ihr. Wir lachen viel und dabei ist mir aufgefallen, dass sie diese Momente der Zuneigung auch bewusst als diese empfindet. Wenn ich Spaß mache, dann greift sie ganz zart nach meiner Nase oder nach meinen Haaren und lacht. Das ist ihre Art mir ihre Liebe, ihr Bedürfnis nach Nähe zu zeigen. Gerade unsere Spaßmomente empfindet sie (und ich sowieso) als sehr innig, sie ahmt meine Gesten nach, lächelt mich an und berührt manchmal mit ihrem kleinen Zeigefinger meine Wange und quietscht, lächelt und gurrt. 

Aus ihrer Sicht sind das alles Zuneigungsbekundungen, ich musste nur von meiner Erwartungshaltung abrücken und mich auf ihre Bedürfnisse einlassen, um sie zu verstehen und ihre Gesten richtig zu deuten

Manchmal müssen wir versuchen, die Dinge aus Babys  bzw.-Kindersicht zu betrachten, um sie wahrzunehmen. 
Im Grunde habe ich ein kleines Kuschelmonster, ich habe es nur lange nicht erkannt, weil ich zu sehr von meinen Ansprüchen und Bedürfnissen ausgegangen bin. Kinder und ja, auch Babys, haben ganz eigene Persönlichkeiten, sie zeigen uns manches laut und impulsiv, anderes jedoch nur durch kleine subtile Gesten. Wir müssen nur genau hinsehen und hinhören und von unseren Erwartungen abrücken und die Welt mit ihren Augen zu sehen

Seitdem ich verstanden habe, dass unsere Spaßmomente für sie innige Zuneigungsgesten sind, bin ich froh und glücklich und kann diese Augenblicke noch mehr genießen als zuvor.

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