Elternsex – Schäferstündchen für Fortgeschrittene

Montag, Februar 08, 2016


Nachdem man Eltern wird, ändert sich ja vieles. Einstellungen, Abläufe, Rituale. Jeder über Jahre hart erarbeitete Lebensbereich wird erst einmal umgekrempelt. Alles muss neu organisiert, Freiräume wieder errungen werden. Das fängt schon bei den ganz alltäglichen Dingen an, z.B. Baden oder Duschen. Alles muss neu getimt werden; der Tagesablauf wird einem praktisch vorgegeben, ein Säugling wartet nicht bis man mal gerade Zeit und Lust hat. 

Jede Mama wird folgende Situation kennen: Man befindet sich auf dem stillen Örtchen und Baby fängt an zu schreien. Albtraum. Man beeilt sich eben so schnell man kann… . Baby hingegen empfindet jede Sekunde in der man während seiner Not nicht vor Ort ist, als eine kleine Ewigkeit und dementsprechend weint es sich in Rage. Wenn es größer ist, nimmt man es ja sogar mit aufs Klo. Tja, wer hätte das gedacht, dass man da sämtliche Hemmungen verliert. 

Als Mäusekind z.B. ca. 7 Monate alt war, sehnte ich mich nach einem entspannenden Vollbad. Ich machte das Badezimmer babysicher, verbannte die Klobürste aus dem Raum (GANZ WICHTIG) und was sonst noch so alles in Babys Hände gelangen könnte, ließ  das Badewasser einlaufen, setzte Mäusekind auf den Boden ab und stieg in die Wanne. Meine Entspannung währte genau 30 Sekunden, da fand Mäusekind es nämlich sehr spannend sich an der Badewanne hochzuziehen: Horror!!! Es könnte an den Fliesen abrutschen. Also schnell wieder raus aus der Wanne. 

Sehr heikel ist auch das Thema Sex. Wann hat man denn als frischgebackene Eltern überhaupt Energie dazu? Ich rede nicht von Lust, ich rede von Energie und Zeit. Nachdem der Säugling zuhause einzieht, hat man ja ersteinmal ganz andere Prioritäten. Viele hatten einen Dammriss oder einen Kaiserschnitt, da wird vom Geschlechtsverkehr generell eh ersteinmal abgeraten. Ok. Man hätte ehrlich gesagt auch so wenig Zeit, Baby ist ja sehr einnehmend. 

Ist diese kritische Phase überwunden, bahnen sich andere Schwierigkeiten an: Denn Baby schläft ja gerne mal im Familienbett. So ein bis drei Jahre lang. Tote Hose. Ist so. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie Eltern, die jahrelang das Familienbett pflegen, Nachwuchs produzieren. Ich bitte hier an dieser Stelle sich solche Kommentare wie: "Auf dem Küchentisch ist es aber auch schön" zu verkneifen. Ähm ja, mag sein. Aber den Küchentisch dauerhaft zur Spielwiese umzufunktionieren, ist ja irgendwie auch nicht die Lösung. Schön, wenn dann am Sonntag Schwiegermama dort ihre Suppe löffelt. Da fühlt man sich doch gleich wieder wie 18. Verschwörerische Blicke mit dem Liebesten. Juhu! Nunja, in jüngeren Jahren war man vielleicht experimentierfreudiger. Ein Hoch auf die Jugend. :-) Aber irgendwann, wenn alle Ecken des Domizils getestet wurden, freut man sich doch auf ein bequemes, kuscheliges Bett ;-).

Tja, da bleiben nur die Zeiträume, wenn Baby schläft. Sehr unspontan das Ganze. Aber was soll man machen. Besser unspontaner Sex als gar keinen Sex

Besserung tritt in Sicht, wenn der Nachwuchs im eigenen Zimmer ausgelagert wird.  Endlich hat man sein Schlafgemach wieder! Yuhu! Man fühlt sich wieder wie ein Teenager! Der zweite Frühling sozusagen. Der Elternfrühling. Schön ist das. Wer hätte das gedacht, dass man sich mit Mitte Dreißig wieder über Freiräume freut????

Tja und als Eltern weiß man plötzlich die kleinen Dinge wieder zu schätzen. Entspannt Zeitung lesen, zum Beispiel. Oder Wellness im Badezimmer. Oder Lieblingsserie ungestört gucken. Fast so schön wie Sex. Aber nur fast. ;-) Ach ja, Schlafen: UNBEZAHLBAR!

Seid alle lieb gegrüßt,

Anna


PS: Eine kleine Anmerkung am Rande zum besseren Verständnis: Nein, ich verurteile nicht das Familienbett und ja, ich weiß, dass man sich trotz Familienbett weiter vermehren kann, sonst wären alle Kinder, die im Familienbett schlafen, Einzelkinder. Der Artikel ist überspitzt, mit einer ordentlichen Portion Ironie verfasst, er soll keinem auf die Füße treten. Ich finde es übrigens auch schön, wenn Mäusekind mal bei uns nächtigt. Aber ich weiß auch die Vorzüge der Alleinherrschaft über unser Bett sehr zu schätzen. 
Mit großer Wahrscheinlichkeit wird niemand diesen Artikel kommentieren. Aber das macht nichts. Denke sich jeder seinen Teil. 
Schlaft gut!

NACHTRAG: Nieselpriem hat zwei Tage zuvor einen ähnlichen Artikel verfasst, der mir beim Schreiben meines Posts nicht bekannt war. Der Vollständigkeit willen, verlinke ich ihn hier gerne. Es können durchaus ähnliche Gedanken unabhänig voneinander entstehen. Ich hoffe damit, alle Unklarheiten beseitigt zu haben. Liebst, Anna 

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