Sind Eltern an allem schuld?

Montag, Februar 01, 2016


Vor einiger Zeit veröffentlichte Susanne Mireau von Geborgen Wachsen einen sehr tiefgründigen Text „Sind Kinder an allem schuld?“ in dem sie darlegte, dass es in unserer Verantwortung liegt, uns in unsere Kinder hineinzuversetzen und dass diese keine Einschränkung bedeuten, sondern dass uns gerade durch sie die Möglichkeit gegeben wird, wirklich erwachsen zu werden. Sie eröffnen uns die Chance, diese neu gewonnene Rücksichtnahme in andere Bereiche zu tragen. Susannes großartiger Beitrag hat mich nachdenklich gestimmt, denn so wie es pauschale Behauptungen  gibt, dass man aufgrund der Kinder sich unentwegt einschränken müsse, so stößt man auch immer wieder auf Aussagen, dass Eltern an allen inneren Konflikten schuld sind, die wir nun als Erwachsene mit uns tragen.

Allgemein hört man oft, dass Probleme tief in der Kindheit verwurzelt sind, mangelnde Liebe, Unverständnis, ungerechte Behandlung, Strenge, zu wenig Aufmerksamkeit, Unterdrückung, die Liste der seelischen Narben, die Eltern einem Kind zufügen können, ist endlos. Normale Eltern lieben ihre Kinder und wollen für sie nur das Beste. Ich möchte nicht glauben, dass liebende, geistig gesunde Eltern bewusst und mit Absicht, Unsicherheiten und Konflikte in ihren Kindern schüren. Der Generationenkonflikt dürfte mehreren von uns vertraut sein, gerade in der Pubertät, gerät man oft aneinander. 

Erwachsene unterscheiden sich jedoch von Kindern, dass sie selbstbestimmt sind, dass sie Verantwortung für ihr Tun und Handeln übernehmen, Situationen abwägen und Entscheidungen treffen. Erwachsene sind keine Kinder mehr, es obliegt ihnen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und aus ihrer Situation auszubrechen.  Man kann sich nicht immer nur hinter seiner Kindheit verstecken und die Verantwortung für das JETZT jemandem anderen überlassen. Wer in der Vergangenheit lebt, bleibt ohnmächtig. Vergangenes können wir nicht ungeschehen machen, aber wir können daraus lernen und es hinter uns lassen, in dem wir nach vorne blicken. 

Kinderseelen brauchen Geborgenheit und Liebe, es sind zarte Geschöpfe, die alle Aufmerksamkeit und Zuneigung benötigen, die wir ihnen nur geben können, damit sie wachsen und sich entfalten können, damit sie zu den starken Menschen werden, die später mutig ihren Weg beschreiten.  Ich glaube auch, dass vieles unverarbeitetes aus der Kindheit schwer wiegen kann. Als Eltern kann man viel Schaden anrichten, wenn man gefangen ist im Selbst und dadurch die Bedürfnisse des eigenen Kindes nicht  erkennt. Es obliegt also unserer Verantwortung nicht die gleichen Fehler zu machen, die wir vielleicht unseren Eltern vorwerfen. 

Unsere Aufgabe ist es, unsere Kinder zu behüten und sie zu beschützen, mit ihnen zu lachen, ihnen die Welt zu zeigen, sie zu lehren, sie an die Hand zu nehmen, sie aufzufangen, ihnen wieder aufzuhelfen, wenn sie stürzen, ihre Tränen zu wischen, ihnen Mut zuzusprechen, ihre Stärken und Fähigkeiten zu fördern, sie aber auch gehen zu lassen, wenn sie laufen können, sie zu erden und ihnen gleichzeitig Flügel zu geben. Das alles ist gewiss nicht einfach und auch wir werden nicht 100% alles richtig machen, denn wer ist schon unfehlbar?

Das wichtige jedoch ist, dass wir unsere Fehler vor unseren Kindern eingestehen und uns bei ihnen entschuldigen, wenn wir uns mal daneben benommen haben. Ihnen  auf Augenhöhen begegnen, auch wenn das bedeutet, dass wir uns bücken müssen, sie ernst zu nehmen, ihnen zeigen, dass wir sie lieben. Denn Liebe ist immer gleichberechtigt, ist immer auf Augenhöhe. Sie sollte es zumindest sein. Wir müssen nach vorne schauen, nicht zurück.
Und so schließe ich mit dem Liedtext von Oasis „Don’t look back in anger - I heard you say“:



So I start a revolution from my bed
Cause you said the brains I had went to my head
Step outside the summertime's in bloom
Stand up beside the fireplace
Take that look from off your face
Cause you ain't ever gonna burn my heart out
So Sally can wait, she knows it's too late
As we were walking on by
Her soul slides away, but don't look back in anger
I heard you say


Alles Liebe, Anna

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