#Spätgebärende: Von hippen und von alten Müttern

Freitag, Februar 19, 2016





Spätestens seit der Stilikone Carrie Bradshaw aus Sex and the City wissen wir: Die 30er sind die neuen 20er. Mit 30 kann man ebenso Spaß haben wie in den 20ern, vielleicht sogar mehr, weil man reifer ist, sich selbst viel besser kennt und schon gewisse Sprossen auf der Lebensleiter erklommen hat.  Die finanzielle Freiheit ist erreicht, die ersten Karrieresprünge sind schon gemacht und liebestechnisch ist man auch nicht mehr ganz so grün hinter den Ohren.  Für Kinder ist im Leben der modernen Frau, die die klassische Entwicklung „Abitur, Studium, Beruf“ durchlebt hat, vor 30 kein Platz, geschweige denn Zeit, vorhanden. Oft gestaltet sich auch durch den beruflichen Stress bedingt die Partnerfindung schwieriger und langwieriger als gedacht. Bis man erst einmal im Leben gesattelt ist, ziehen mehrere Jahre ins Land und ehe man sichs versieht,  steht auch schon die 3 vor der Tür. 
 
Ü30 Mütter sind heutzutage keine Seltenheit mehr und auch mit 40 ist Kinderkriegen noch salonfähig.  Aber sind alte Mütter deshalb bessere Mütter als die jungen? Weil sie mehr Lebenserfahrung haben und mehr durchlebt haben? Oder läuft in unserer Welt etwas verkehrt, wenn wir aufgrund von Karriere so spät Kinder bekommen, dass wir mit ihnen gar nicht mehr mithalten können?

Ganz ehrlich? Ich denke beim ersten Kind ist es total egal wie alt man ist. Die Unsicherheiten einer 20 jährigen hat eine 30 jährige genauso. Denn das Kinderkriegen steht in keinem Lehrbuch, die Mutterschaft ist irgendwie ein Sprung ins kalte Wasser. Und ich meine damit nicht irgendwelche Ratgeber, die gibt es zuhauf. Nein, ich meine die Lektionen, die einem das Muttersein erteilt. Ängste und Sorgen, die schlaflosen Nächte,  die Unsicherheiten im Umgang mit dem Neugeborenen. Eine ganz neue Welt auf die man sich nicht vorbereiten kann. Die man einfach durchschreiten muss, um Sicherheit und Routine zu erlangen. Alle Neumütter erleben ein Wechselbad der Gefühle, das Alter ist dabei irrelevant. 

Mit 34 wurde ich schwanger und galt als Spätgebärende. Unsere persönlichen Lebensentwürfe haben ein Kind davor nicht vorgesehen. Im Nachhinein betrachtet, war es vielleicht ein Fehler, der Familienplanung zuvor keinen Raum gegeben zu haben: Denn seien wir mal ehrlich, wenn meine Tochter 20 ist, bin ich 55. Wenn sie 30 ist, bin ich 65.  Ich werde immer eine alte Mama sein, egal ob jetzt oder im Rentenalter. Aber bin ich deshalb eine schlechtere Mutter? Nein, das glaube ich nicht. Ich bin vielleicht nicht so hip, nicht mehr so frisch und rosig. Das stimmt und das kann man auch nicht schön reden. Aber was zählt, ist doch im Grunde, ob man im Herzen jung bleibt. Ob man sich auf sein Kind einlässt, es fördert und unterstützt im dem nach was es strebt.   

Eine junge Mutter kann ebenso verständnislos sein wie eine alte, eine alte ebenso einfühlsam wie eine junge. In meinen Augen hat dieses Generationen-Konflikt-Ding weniger mit dem reelen Alter zu tun als mit dem ideologischen. Es hat mit unseren Wertevorstellungen und unserem Horizont zu tun, sind wir bereit und aufgeschlossen für Neues, dann, ja dann, werden wir vielleicht auch die Probleme unserer Kinder verstehen. Es mag sein, dass in 15 Jahren die Welt sich so rasend schnell weiterentwickelt hat, dass ich unwissend diese neuen Phänomene nicht zuzuordnen weiß. Facebook, Twitter, Pintrest, Tinder (was ist das überhaupt, ihr merkt, schon jetzt komme ich nicht mehr so ganz mit und stoße an meine Grenzen), damit können meine Eltern nichts anfangen. Müssen sie aber auch gar nicht. 

Mir ist vor allem von Bedeutung, dass mein Kind behütet aufwächst, das bedeutet nicht, es abzuschirmen von der rasanten Entwicklung der Welt, sondern es bedeutet vor allem,  es zu sensibilisieren für seine Umwelt. Es bedeutet für mich, dass es immer einen Zufluchtsort bei mir und seinem Papa hat, dass es mit allen Sorgen und Nöten zu mir kommen kann, weil ich IMMER, IMMER für sie da sein werde. 


Ich muss mit 52 nicht mit meiner 18 jährigen Tochter in Diskotheken die Tanzfläche unsicher machen. Das kann sie gerne mit ihren Freundinnen tun. 

Doch ich kann jetzt, solange sie wächst und Kind ist, trotzdem mit ihr auf Spielplätzen turnen, Fangen spielen und mit unserem Hund und ihr über die Felder jagen. Denn noch bin ich keine gebrechliche Oma. Ich bin mobil genug, dass mir das im Moment nichts ausmacht. Und überhaupt, ist es denn nicht eine Frechheit, wenn als Einwand immer wieder betont wird, als alte Mutter, könnte man nicht mit seinem Kind mithalten? Was ist denn mit körperlich eingeschränkten Personen mit Behinderungen? Dürfen die dann etwa auch keine Kinder bekommen, weil sie nicht agil genug sind? Profiliert sich eine gute Mutter etwa nur durch ihren jungen, makellosen Körper?

Könnte ich jedoch die Zeit zurückdrehen, dann würde ich mich wahrscheinlich doch dafür entscheiden, früher Mutter zu werden, mit Ende zwanzig wäre eigentlich auch ein guter Zeitpunkt gewesen. Wenn ein Geschwisterkind folgen soll, gehe ich nämlich dann stark auf die 40 zu. Das Argument der finanziellen Sicherheit, das ich früher immer im Hinterkopf hatte, halte ich heute für nicht mehr so gravierend wie damals. Klar ist es besser und  sorgenfreier, wenn man gut situiert ist, damit es dem Nachwuchs an nichts fehlt. Aber Geld alleine macht keine glückliche Kindheit aus. Irgendwie hätten wir das auch so geschafft. Es wäre einfach nur stressiger gewesen. Kinder brauchen vor allen Zuneigung und nicht materielle Zuwendungen.

Aber nun zurück zur Ursprungsfrage, warum ich aus heutiger Sicht vielleicht früher ein Kind hätte bekommen sollen: Weil ich dann mit großer Voraussicht mehr Zeit mit meinem Kind verbringen könnte, weil ich es auf einer längeren Strecke seines Lebens hätte begleiten können, weil wir mehr Zeit Miteinander und Füreinander gehabt hätten und ich so vieles aus seinem Leben und vielleicht auch aus dem meiner zukünftigen Enkelkinder mit klarem Kopf mitbekommen hätte. Den Gedanken, dass wir vielleicht 10 Jahre weniger zusammen haben werden, sinnt mich manchmal nachdenklich. Aber im Grunde, weiß man nie was das Leben bringt, insofern hoffe ich einfach nur auf ein erfülltes und segenreiches Leben, auf das ich im Alter mit Freude und Zufriedenheit zurückblicken kann.

Also, sind nur junge Mütter hip? Nein, hip sind sowohl junge als auch alte Mütter, es ist die innere Einstellung, die zählt! 

Wie alt wart ihr als ihr das erste Kind bekommen habt? Gehört ihr zur Fraktion „hip und jung“ oder zur Frakion „hip und alt“?  Oder gar zu beiden? Was sind eure Erfahrungen?

Eure Anna

Kommentare:

  1. Interessantes Thema!
    Und ich finde, was du schreibst ist genau wichtig: Wenn man offen mit der Welt um sich herum umgeht, dann kann man auch noch "mithalten", wenn man schon ein bisschen älter ist als der "Durchschnitt". Bestes Beispiel ist meine Mutter. Ich war ein ziemlicher Nachzügler (meine Geschwister sind 12 und 14 Jahre älter als ich) und meine Mutter war so alt wie du, als sie mit mir schwanger wurde. Tatsächlich war es aber meine Mutter, die in meinem Freundeskreis immer wie war, die sich im Vergleich zu anderen Eltern am besten mit aktuellen Filmen, dem Internet oder sogar Videospielen auskannte. Warum? Weil sie mit offenen Augen durch die Welt geht und sich dafür interessiert hat, was ihre Kinder tun. Das hält bis heute an. Meine Schwiegereltern beispielsweise sind etwa 10 Jahre jünger und haben nicht mal halb so viel Ahnung von Computern oder dem Internet, wie meine Mutter (die ist sogar bei Twitter angemeldet :D).
    Also, Alter hin oder her, darauf kommt es doch im Endeffekt gar nicht an. Meine Kindheit jedenfalls war wunderschön :)

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    1. Auch meine Mutter war 34 Jahre alt als ich geboren wurde, damals war es viel außergewöhnlicher als heute so spät noch ein erstes Kind zu bekommen. Somit waren auch meine Eltern im Schnitt 10 Jahre älter als die meiner Freunde. Ich kenne also diese Perspektive, Kind älterer Eltern zu sein ebenfalls sehr gut. Dennoch glaube ich, dass meine Tochter diesen Altersunterschied nicht mehr so intinsiv spüren wird, weil sich das Gebärendenalter in unserer Generation nach hintern verschoben hat. Viele ihrer Generation werden ältere Mütter haben. Du sprichst etwas ganz esentielles aus: Eine wunderschöne Kinheit hängt eben nicht vom Alter der Eltern ab, sondern vom Umgang miteinander. (Noch eine Gemeinsamkeit, liebe Kiwimama ;-). Wie schön, dass Deine Mama weltoffen ist! Wie du so schön gesagt hast, auch jüngere Eltern, können manchmal nicht so mithalten mit der Welt ihrer Kinder. Es hängt eben vom Menschen und seiner Einstellung ab, nicht vom Alter :-)

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  2. Sehe ich genau wie Du. Ich glaube, es ist eher eine Charakter- als eine Altersfrage, wie sehr einen die Umstellung auf die Mutterschaft mitnimmt und wie fit, engagiert und einfühlsam man mit den Kindern umgeht. Außerdem ist es auch nicht immer beeinflussbar, wie alt man beim ersten Kind ist. Ich bin mit 29 schwanger geworden, habe das Kind verloren und danach 6 Jahre gebraucht, um wieder schwanger zu werden. Mit 36 und später 38 beim zweiten Kind war ich eine "alte" Mutter, aber das war ja eigentlich nicht so gewollt. Und ich glaube auch, dass unsere Generation mit 70 fitter und reger sein wird als die Vorgängergenerationen. Von daher gleicht sich das spätere Kinderkriegen (hoffentlich) wieder aus :-)
    Liebe Grüße!

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    1. Absolut, du sprichst etwas Wahres an, was ich nicht bedacht hatte: Man kann nicht immer beeinflussen, wie alt man beim ersten Kind ist. Das Leben macht uns manchmal einen ganz schönen Strich durch die Rechnung. Ich selbst fühle mich auch nicht alt und auch ich hoffe, noch ein weiteres Kind zu bekommen, allerdings, weiß man ja nie, ob das immer so klappt. Sollte es funktionieren, dann wäre ich wahrscheinlich auch knapp U40. Ich fühle mich auch nicht so alt wie ich bin und hoffe auch, dass ich noch eine fitte 70 jährige fesche Mama und Oma sein werde! Danke für Deine Worte!

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  3. MIt 34 Jahren ist man doch noch nicht spätgebärend....Spätgebärend fängt so ab 38, 39 an. Ein bissschen ausgetobt haben sollte man sich auch schon meiner Ansicht nach, wenn man das erste Kind bekommt. Ein bisschen Lebenserfahrung kann auch nicht schaden.Wenn man studiert hat, bekommt man eh später Kinder. Ich finde, so ab 30 ist doch gut. Und Anfang 40 geht auch noch.

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    1. Offiziell gilt man bereits ab 30 als Spätgebarende, medizinisch wird die Grenze oft ab 35 gezogen, also genau das Alter in dem ich unsere Tochter geboren habe. Ich gebe dir aber recht, in unserer Generation, hat sich das Alter der ersten Schwangerschaft nach hinten verschoben und ich finde auch gar nichts schlimmes daran, wenn auch Ü40 noch Kinder bekommen. Kinder sind so etwas schönes, sie sind doch ein Segen, egal in welchem Alter :-)

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  4. Hallo, ich oute mich mal. Als junge und alte Mutter. Ich werde 45 und meine Kids sind fast 22, fast 6 und fast 3. Ich war 23 als meine Tochter geboren wurde und 39 und 42 als meine Jungs kamen. Ich fühle mich absolut nicht alt. Zu meiner Tochter hab ich ein tolles freundschaftliches Verhältnis. Für meine Jungs bin ich doch mehr "Mutter". Als junge Mutter standen Beziehungsprobleme und finanzielle Sorgen mehr im Vordergrund. Als "alte" Mutter brauch ich mir jetzt keine Sorgen mehr um finanzielle Sachen machen auch beziehungstechnisch ist alles im Lot. Da ich nicht auf Karriere aus bin kann ich getrost in mein 6. Elternzeitjahr starten. Einziges Manko als "alte" Mutter ist, das ich mich in manchen Situationen nicht mehr so nervlich Belastbar fühle. Das kann aber auch daran liegen, das mein 6jähriger Autist ist, pflegebedürftig und extrem anstrengend, der kleine ist ein "Hansdampfinallengassen", mein Mann ist beruflich von 5-19/20 Uhr unterwegs und zusätzlich hab ich mich noch um die demente pflegebedürftige Schwiegermutter und deren 100jährige Tante, die seit 5 Jahren mit bei uns im Haus lebten, gekümmert.... Alles in allem hat jedes Alter seine Vor- und Nachteile...Ich bin glücklich große und kleine Kinder zu haben.

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    1. Ich finde deinen Bericht sehr spannend, weil Du beide Perspektiven kennst! Du hast recht, jedes Alter hat seine Vor- und Nachteile!Kleine Kinder können einen ganz schön auf Trab halten, aber als alter Hase, da du schon eine größere Tochter hast, kannst du wahrscheinlich viele Situationen besser abwägen und gelassener damit umgehen und vieles auch genießen, da du dich nun ganz auf deine Jungs konzentrieren kannst. Ich habe großen Respekt für Deine Leistung, Pflege plus zwei kleine Kinder zehren ganz gewiss am Nervenkostüm. Schön finde ich auch die Tatsache, dass Du so eine enge Beziehung zu deiner Tochter hast, das bedeutet, du hast alles richtig gemacht! Vielen Dank für deinen Kommentar!

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  5. Hallo!
    Ich wollte eigentlich vor einer Weile schon kommentieren, aber da ging es leider nicht. Heute der nächste Versuch.
    Ich habe mit 26 meine Tochter bekommen und im Krankenhaus waren alle erstaunt wie jung ich sei und gleichzeitig sagt eine Freundin von mir, dass ich eigentlich schon zu alt sei für das erste Kind.

    Ich bin aber auch der Meinung, dass es nicht aufs Alter ankommt. Ich wollte es halt genau da. Genau da fühlte ich mich bereit.

    LG Bammy

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    1. Ich gebe Dir Recht, man muss selbst dafür bereit sein, das Alter ist nur sekundär. Aber Deine Erfahrung zeigt, dass es eben auf die Perspektiven ankommt, ob man alt oder jung ist (fürs erste Kind). Im Grunde zählt aber die innere Einstellung. Schön, dass es bei Dir so geklappt hat, wie es für dich am besten war! Das ist doch die Hauptsache, nicht die Meinung der anderen!
      Alles Liebe
      Anna

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