Kindermund tut Peinlichkeiten kund

Montag, März 07, 2016


Mir war schon lange bewusst, dass man sehr genau aufpassen muss, was man vor kleinen Kindern  zum Besten gibt, denn die wiederholen oder plaudern dann doch gerne bei Fremden -oder noch schlimmer- bei den Betroffenen aus dem Nähkästchen was Mama und Papa fieses gelästert haben.  
  
Auf einer Familienfeier verabschiedeten sich mal die Eltern von uns Gastgebern mit der Begründung, der Junior sei müde, er müsse ja frühzeitig ins Bett und die Heimfahrt würde ja auch nochmal eine gute Stunde dauern. Kein Thema, wir sind da sehr verständnisvoll. Nur dumm, dass der Spross bei der Verabschiedung rumposaunte, sie müssten jetzt heimfahren, Mama und Papa hätten nämlich keine Lust mehr. Ich musste innerlich sehr lachen. Die armen Eltern. (Ich war ihnen übrigens überhaupt nicht böse, fand das ganze allerdings sehr amüsant).

Solche Peinlichkeiten sind mir als Kind auch schon widerfahren. Als meine Großeltern mich mal kurz unbeaufsichtigt mit meinem Pasta-Teller alleine am Küchentisch sitzen ließen, war meine Oma hoch erfreut, denn als sie aus der Speisekammer zurückkam, war der Teller ratzeputz aufgegessen. „Oma", flötete ich mit kindlicher Unschuld, "ich habe den Teller brav ganz alleine aufgegessen. Ich habe die Nudeln nicht ins Klo geworfen". Da erkannte Oma messerscharf, wo die Nudeln gelandet waren. Ein Blick in die Toilette und das ganze Ausmaß meiner Entsorgungsaktion bot sich ihr dar: Fröhlich schwamm das Pasta-Soßen-Gemisch in der Schüssel. Ich war damals zu klein und somit nicht in der Lage die Spülung zu drücken und die Beweiße zu vernichten.

Ein anderes Mal waren wir zum Essen eingeladen. Es gab Schnitzel natur. Meine Mutter versank im Erdboden als ich dieses mit der Gabel aufspießte in die Luft hob und schrie: „Schau mal Mama, das Schnitzel ist so dünn, das ist ja durchsichtig, da kann man durchgucken“. Die Gastgeber wurden ebenso rot und kauten beschämt auf ihrem wirklich sehr überschaubarem Stück Fleisch herum. 

Ich weiß also, dass man ab einem gewissen Alter vor den Kindern bezüglich der verwendeten Worte Vorsicht walten lassen muss. Dass man allerdings auch Brüller erntet, wenn das Kind gerade mal so lallen kann, war mir nicht bewusst.

Mama, Papa und Wauwau sind ja gerade Mäusekinds Lieblingsworte! Zum Knutschen das Kind.  Umso erstaunter war ich als sich gestern folgende Szene ereignete: 

In einer von meinen Zeitschriften lag ein Werbeprospekt. Die Rückseite wurde vom schönen Colin Farrell geziert. Mäusekind erspähte den Schönling, stürzte sich auf ihn und mit dem Finger auf ihn deutend  schrie sie "PAPA". "Ähm, nein, kleine Maus, das ist nicht dein Papa. Wäre DER dein Vater, wüßte ich DAS".  "PAPA" wiederholte sie mit voller Inbrunst. "Nein, mein Schatz!". "PAPA, PAPA, PAPA" ertönte es mit Begeisterung. Sie griff sich das Prospekt und lies es sich auch nicht mehr abnehmen. Ihren neuen Papa schleppte sie überall mit hin. "PAPA, PAPA, PAPA".


"Hach, Kind, wäre Colin Farrell dein Vater, dann hätten wir ausgesorgt", scherzte ich und erntete einen bösen Blick vom  Herzensmann.  Mäusekind lachte.  Zumindest hat das Kind Geschmack! So wie ihre Mama, die hat sich ja den Papa ausgesucht. ;-) 

Kennt Ihr solche Situationen auch?

Kommentare:

  1. Ach was für ein schöner Post :)
    Mir gefällt dein Blog sehr gut, weiter so!

    Liebe Grüße
    Veronika | Second Sense Design

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    1. Dankeschöööön, das freut mich sehr! <3 <3 <3
      Liebste Grüße
      Anna

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  2. Wie süß!
    Na da kann sich dein Mann aber ja geehrt fühlen! Oder kann sich Collin Farrell geehrt fühlen? Das kann ich nicht beurteilen ;)

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    1. Ich würde mal behaupten Colin Farrell kann sich geehrt fühlen ;-)))

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  3. Liebe Anna!
    Ein toller Post und da kommen noch viele lustige Sachen *haha*.
    Ich war vor Kurzem mit unserem Tiger, einer Freundin und deren 3 jährigem Bub einkaufen. An der Wursttheke fragt die Verkäuferin, ob der Junge meiner Freundin ein Blatt Wurst haben möchte und er sagt ganz höflich "Ja bitte", anschließend beobachtete er sie ganz genau. Als sie ihm das Blatt Wurst über die Theke hält, schaut er auf die Wurst und dann zu seiner Mama und fragte ganz schockiert: "Mama, hat die Wurst die Frau so dick gemacht?".
    Ich muss gestehen, dass ich in dem Moment richtig froh war, dass mein Sohnemann sein Blatt kommentarlos entgegen genommen hat *hihi*.
    Sonnige Grüße,
    Ricarda
    PS.: Hab dein Blog erst vor Kurzem entdeckt - gefällt mir unglaublich gut!

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    1. Liebe Ricarda,
      was für eine lustige Geschichte. Ja, ich kann dich gut verstehen, ich wäre dabei auch ganz rot geworden. Aber gut, dass dein Junior nicht ebenfalls das Ganze kommentiert hat. Manchmal kann man sich eben auf seine Kinder, wenn es drauf ankommt, doch verlassen. :-)) Ich glaube auch, dass da noch einiges auf uns zukommt. Ich habe mir fest vorgenommen dann nicht zu lachen sondern die Verbalbomben (zumindest in der Öffentlichkeit) zu ignorieren. Mal sehen, ob es klappt ;-).Ganz lieben Dank für das nette Kompliment und ich freue mich sehr, wenn du ab und an hier vorbeischaust! Ganz liebe Grüße und einen schönen Abend! Anna

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  4. Ich stöbere gerade auf deinem Blog und lese einige alte Beiträge.

    Ich sage gern: "Wo ist die Cody?" und ein "DA!" mit Fingerzeig auf unsere große Katze. "Wo ist die Maggie?" "DA!" Andere Katze und beim Papa funktioniert das auch gut. Nur wer die Mama ist, weiß ich bis heute nicht. Mal wird wieder auf Cody gezeigt, mal fragend umher geschaut und seit neusten (wenn doch mal der TV zu "Wer weiß denn sowas?" läuft), "DA!" Elton... *seufzt*

    Aber sie hat wirklich guten Geschmack bewiesen ;)

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    1. Haha, das ist ja lustig! Guten Geschmack und Sinn für Humor! Das ist ja mal Gold wert :-). Unsere Maus nannte zeitweise auch alle Frauen im Fernsehen mit braunen Haaren Mama :-). Jetzt aber nicht mehr, nun kann sie es zuordenen, dass ICH die Mama bin. Kindermund ist echt für manchen Lacher gut :-) .

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