…und dann kam die Wut

Mittwoch, März 30, 2016


Wir alle kennen das: Man wird öffentlich angegriffen, bloß gestellt, aus heiterem Himmel, ohne Vorwarnung lässt jemand eine Bombe platzen, mit dem Ziel möglichst viel Verwüstung und Schaden anzurichten und zwar bei uns. Genau wir sind das anvisierte Ziel. Aus Gehässigkeit, aus Bösartigkeit, vielleicht auch nur aus Neid oder unbedacht aus Dummheit. Ist in dem Moment aber ehrlich gesagt auch vollkommen egal. Das verbale Geschoss hat uns mit voller Wucht getroffen. Man ist einfach so vor dem Kopf gestoßen, dass einem dazu nichts einfällt. Man bleibt wie versteinert stehen und kann irgendwie nichts erwidern. Keinen Ton bekommt man über die Lippen, keinen Pieps, nur ein unsouveränes Gemurmel oder noch schlimmer: Rechtfertigungen. Der Anfang allen Übels. Rechtfertigungen vor einer dummen, unsensiblen Person, die sich in den Mittelpunkt stellen will, die es nötig hat, andere schlecht zu machen, um selbst gut dazustehen. 

Früher, als es da nur um mich ging, habe ich oftmals geschluckt. Zuhause meine Wunden geleckt bis dieses Gefühl der Ohnmacht umschwang in Zorn, darüber, dass ich nicht in der Lage gewesen war adäquat zu reagieren. Wut, dass ich diese Person hatte gewähren lassen, ihr erlaubt hatte, dass ich mich schlecht fühlte.

Heute, als Mutter, habe ich diesen Punkt schon lange überwunden. Ich rechtfertige mich nicht, ich weise diejenigen in ihre Schranken zurück. Bei meinem Kind hört die Opferrolle auf. Ich sage nein. Ich schlage zurück. Ich muss mich nicht rechtfertigen für meine Erziehung, für meine Bindung zu meinem Kind, für unser Lebensmodell.

Für uns passt alles gut. Wir sind glücklich, dies ist das was in meinen Augen am meisten zählt. Ich habe gestillt so lange Mäusekind es verlangte, wir haben das Familienbett praktiziert so lange bis unsere Tochter ohne Probleme alleine schlafen konnte. 
Ich bin der Ansicht, dass ich sie so wenig wie nötig von mir trenne, ich nehme sie überall mit, wenn das nicht geht, dann verzichte ich dankend. Dabei habe ich nicht das Gefühl irgendetwas zu verpassen. Die Bedürfnisse meiner Tochter stehen an erster Stelle, Trösten ist für mich essentiell, manch einer denkt jedoch, ich verwöhne sie. 

"Sie hat dich in der Hand, du musst hart bleiben", unterschwellige Vorwürfe in mitleidigen Blicken. "Oh nein, jetzt nimmt sie sie schon wieder auf den Arm". Ja und? Was kümmert es euch? Kehrt doch bitte vor eurer eigenen Haustür. Warum zeigen alle mit erhobenem Zeigefinger auf andere? In was für einer Welt leben wir, wenn Härte gegenüber Kindern Stärke demonstrieren soll? In meinen Augen sind solche Eltern im Grunde nur schwach. 

Ich befürworte alles, was den jeweiligen Familien gut tut. Langzeitstillen, Familienbett, von mir aus auch Babysitter, wenn es auf die Bedürfnisse des Kindes abgestimmt ist, dann ist doch alles prima. Viele Wege führen bekanntlich nach Rom.

Besonders reizend und liebenswert finde ich dann auch jene Menschen, die hinter dem Rücken anderer herziehen. Da wird alles durch gehechelt. "Habt ihr schon gehört, die geben das Kind nie aus der Hand. Die kapseln sich ab. Also wir verstehen das nicht." "Warum isst denn das Kind so viel?" "Die geben dem armen Baby viel zu wenig zu essen." "Das Baby ist zu dünn/ zu dick." etc. etc.

Würg. Ja, dein Hintern ist auch nicht zu übersehen, darüber ziehe ich auch nicht her. Aber das weißt du vermutlich ja selbst, nicht? Dann lästerst du lieber über kleine Kinder, das lenkt ja hervorragend von deinen Figurproblemen ab.

Auch gut: "Die ist nach der Geburt ganz schön aus dem Leim gegangen". Ich weiß das. Dazu brauche ich kein Lästermaul im Rücken.  Ich habe keine 36 mehr. 38/40 ist im Moment meine Konfektionsgröße. Zumindest stehe ich dazu und tue nicht so als würde ich elfengleich 55 kg wiegen so wie manch andere, die sich in 36 reinquetscht. Nur weil man mit Müh und Not nicht den Reisverschluss sprengt, bedeutet das nicht, dass die Kleidergröße die im Etikett steht auch wirklich die deine ist. Aber das weißt Du vermutlich auch selbst. Oder auch nicht. Das ist  fast schon traurig.

Von solchen Menschen habe ich mich abgewandt. Ich mag das nicht mehr hören. Sie sind mir lästig, dazu ist mir meine Zeit zu schade. Und wenn ich dann auf sie treffe, ignoriere ich ihre Aussagen. Ich blende alles aus. Mich machen solche Attitüden einfach nur wütend. Und Wut ist destruktiv.

Alles was schlecht ist, das versuche ich von mir fern zu halten. Für mein Wohlbefinden. Für das meines Kindes, denn negative Energien kann ich nicht gebrauchen. Ich will mich lieber an den schönen Dingen erfreuen. Und das schönste in meiner Welt ist meine Familie. Die kann mir keiner nehmen und auch keiner schlecht reden.


Kommentare:

  1. Da liest man deine Wut richtig. :-) Ich finde es auch wahnsinnig was alles so an einen heran getragen wird, sobald man Kinder hat oder bekommt. Solange eine Familie glücklich ist, läuft da auch alles gut. Irgendwie passen die meisten Eltern ganz gut zu den Kindern und umgekehrt. Perfekt würde ich sagen. Auch wenn mal Fehler passieren, ist doch alles auf dem richtigen Weg.
    Und Figursprüche kann ich auch nicht leiden. Da kann man nämlich in den allermeisten Fällen nichts für, was mit dem Körper in und nach der Schwangerschaft so passiert.
    Da denk dir einfach: Jeder hat irgendwelche Makel. Jeder. Manche sieht man vielleicht nicht so direkt, weil Kleidung drüber ist. Und anstatt sich den ganzen Tag über Makel anderer Leute Gedanken zu machen, sollte man mal was für den eigene Kopfinhalt tun. :-D Also richtig was du sagst. Ohren und Augen zu bei Negativ-Energie-Schleudern!

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    1. Ja, manchmal muss man sich mal Luft machen ;-). Gerade nach Feiertagen staut sich da ja so einiges auf...Du hast was schönes gesagt: Irgendwie passen die meisten Eltern ganz gut zu ihren Kindern und umgekehrt.
      Negativ-Energie-Schleudern, wie treffend formulert! Wäre es nicht viel schöner diese in Positiv-Energie-Schleudern zu verwandeln? Alle hätten was davon und zwar durchweg nur Gutes! Schade, dass darauf kaum der Fokus gelegt wird :-(

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