Romantik mal anders Teil 2: Mehr anders als Romantik

Samstag, April 23, 2016


Wie war das doch gleich? Das Leben schreibt manchmal die schönsten Geschichten? Oder die originellsten oder die tiefgründigsten? In unserem Fall einfach mal die nervigsten. 

Das Autodrama Akt Nr. 2 nahm seinen Lauf. (Zum ersten Teil gehts übrigens hier entlang).
Nachdem mein geliebtes Auto abgeschleppt wurde, stellte sich glücklicherweise heraus, dass es keine große Sache war, sondern lediglich eine Klappe ausgetauscht werden musste. Da es aber nun 10 Jahre alt ist, haben wir beschlossen, dass wir beim Verkauf jetzt noch einen vernünftigen Preis bekommen, bevor der Wertverfall zu weit voranschreitet.
 

Die Veräußerung wurde also beschlossen, gleichzeitig bedeutete es aber auch, dass wir einen neuen kaufen müssen. Wir machten uns auf die Suche nach einem würdigen Nachfolger. Das gleiche Modell sollte es sein, nur jünger, viel jünger.  Leider stellte sich heraus, dass die neue Version unseres alten Wagens einen kleineren Kofferraum hat. Ich brauche aber einen großen Kofferraum. Mit einem Kombi ist uns einfach nicht gedient. Darin müssen nämlich der Hund, der Kinderwagen und ein Rollstuhl hineinpassen. Im ungünstigsten Fall alle gleichzeitig. Wir brauchten also nun die größere Version unseres alten Family-Vans. 
So machten wir uns auf die Suche. Und wurden fündig. Jaaaa, tolles Fahrgefühl. Großzügiger Innenraum, schön geschnitten, einen mega-großen Kofferraum, ordentlich PS UND mit Anhängerkupplung. Einfach perfekt. Gesehen, Probe gefahren, gekauft. Ich freute mich, auch wenn gleichzeitig ein wenig nostalgisch meinen alten Gefährten abgab.

Der Neue

Am Dienstag war es dann soweit. Wir tauschten. Alt gegen neu. Der sehr sperrige Reboarder fügte sich harmonisch in den Innenraum. Immer noch genug Beinfreiheit für den Beifahrer. Yeah. Ein Muddi-Auto eben. Aber ein schniekes.

Das Drama nimmt seinen Lauf

Am Donnerstag wollten dann mein Mann und ich in seiner Mittagspause Mäusekind von der Tagesmutter abholen. Während ich also mit Tempo auf der Umgehungstraße Gas gebe, gehen alle Warnblinklichter an: Motorzeichen. Ganz, ganz schlecht. Was tun? Sofort in die Werkstatt zum Vertragshändler. Die gleiche Autohauskette in der wir übrigens unseren neuen gekauft haben. 

Ich fahre also vor, schildere das Problem. „Das war bestimmt ein Mader“, war die erste Aussage. Aha. Ferndiagnose oder wie? Ein Blick unter die Motorhaube und es war klar: Es war kein Mader! „Sobald wir Kapazitäten frei haben, hängen wir ihr Auto an den Diagnosecomputer. So schnell wir eben können.“ Ich rufe die Tagesmutter an und erkläre ihr die Situation. Kein Problem, wenigstens in dieser Hinsicht bin ich beruhigt. 

Mein Mann wird nervös, der muss nämlich wieder zur Arbeit. Wir warten und warten. Nichts passiert. Er sagt alle Termine ab und wir rufen meinen Schwiegervater an, er soll mich zumindest abholen, damit ich unsere Tochter endlich einsammeln kann. Zum Glück haben die Großeltern auch einen Kindersitz im Auto. Um drei ist Opa zur Stelle. Endlich. Just in diesem Moment kommt ein Mechaniker und holt unser Auto zur Inspektion ab. Wir sollen warten. Wir beschließen allerdings, dass ich nun mit meinem Schwiegervater unsere Tochter abhole, während mein Mann alleine zurückbleibt und wartet. 

Also ab zur Tagesmutter. Dort angekommen, teilt diese uns mit, dass der Papa angerufen hat. Wir sollen ihn abholen, es scheint ein größeres Problem zu sein. Grrrr. Also mit Mäusekind und Opa zurück ins Autohaus, Ehemann eingesammelt, Schwiegervater zuhause abgesetzt, dessen Auto geliehen um wieder nachhause zu fahren und das Auto meines Mannes zu holen. Während wir also um halb fünf durch die Weltgeschichte und die halbe Pfalz gondeln, klingelt das Handy.

„Ackermann“, melde ich mich. 
„Ähhh, hier auch Ackermann.“ Der freundliche Mitarbeiter hat den gleichen Nachahmen wie wir. „Wo sind sie denn?“ 
„Auf dem Weg nach Hause“, antworte ich. 
„Wie? Ich suche sie hier schon die ganze Zeit auf unserem Gelände.“ 
Ich schnauze ihn an: „Haben Sie mal auf die Uhr geschaut? Es ist halb fünf. Um halb zwei sind wir vorgefahren. Sie glauben doch nicht im ernst, dass wir  drei Stunden ohne Feedback bei Ihnen ausharren? Überdies musste ich unsere Tochter abholen.“ 
„Ja, aber wie sind sie denn weggekommen????“ 
Ich frage mich was ihn das angeht. „Wir haben uns weggebeamt“, liegt es mir auf der Zunge. Stattdessen bleibe ich sachlich. „Mein Schwiegervater hat uns abgeholt.“ 
Verwirrung beim Servicemitarbeiter. „Ähm, ja, also, das Auto, also, eine Einspritzdüse ist kaputt, die müssen wir austauschen. Das wird vor MONTAG nicht fertig.“ Ganz toll! Begeisterung pur, sag ich nur. 

„Wir kommen nochmal vorbei“, teile ich ihm mit, „denn wir brauchen den Kindersitz.“ 
Mein Mann tobt, ich koche. 
Wir fahren also zurück zum Autohaus. Leicht geladen. Der Herr lässt seinem Unmut freien Lauf: „Es ist eine Unverschämtheit, dass ein neu erworbener Wagen nach gerade 24 Stunden so große Mängel aufzeigt. Da müssen wir wirklich in Erwägung ziehen, ob wir nicht vom Kaufvertrag zurücktreten.“ „Sie bekommen selbstverständlich einen Mietwagen“, werden wir sofort beschwichtigt. „Bis ihr Auto wieder fit ist.“ 

Der (unliebsame) Kleinwagen-Family-Van
Großzügig stellt man uns einen Polo CROSS zu Verfügung. Die Family-Version des Kleinwagens sozusagen. Zähneknirschen. „Wir haben leider keinen anderen verfügbar“, lautet die kleinlaute Entschuldigung. Der Reboarder lässt sich gerade so einhaken. 

Wir tauschen die Autos, ich nehme den schicken, pardon, kleinen Flitzer, mein Mann fährt die Familienkutsche seiner Eltern in deren Garage. Ich fahre hinterher und er steigt dann zu uns ins Auto. 

Mäusekind weint, Papa schmollt, ich will nur heim. Romantik? Heute nicht. Erst wieder am Montag.


Kommentare:

  1. Oh nein, wie ätzend :(((( Wir sind auch grad mit neuem Auto für much dran ... Bisher war die Suche sooo nervig. Also den Händlern kann man echt kein Stück vertrauen ... Letztens noch einen angeblich unfallfreien Wagen als Unfallwagen entlarvt ... Horror. Die lügen einem ins Gesicht. Boahr, da habt ihr ja echt einen Organisations-Marathon hinter euch gehabt an dem Werkstatt-Tag...

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    1. Es ist wirklich ein Heuler. Zumindest haben wir nun rausgefunden, dass das passieren kann und das nichts mit einem möglichen Unfallschaden zu tun hat. Das ganze ist zum Glück noch über die Garantie mitversichert. Aber es nervt wirklich kollosal. Überdies sind diese Autohäuser unglaublich kundenunfreundlich. In anderen Brachen kann man sich so einen Service nicht leisten. Ich habe jetzt auch keine Lust mehr. Ich wünsche Euch aber auf jeden Fall viel Erfolg bei der Suche und dass ihr das passende Modell findet. Ohne Pleiten, Pech und Pannen!

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