Romantik mal anders

Samstag, April 09, 2016


Das Leben schreibt ja bekanntlich die schönsten Geschichten. Oder die originellsten, oder die tiefgründigsten. Manchmal liefert es aber auch schlichtweg simple Erkenntnisse, die einem Geborgenheit schenken. So wie bei uns geschehen vor einigen Tagen. 

Folgendes ereignete sich letzten Donnerstag:  Wir befanden uns auf dem Rückweg von einer Familienfeier. Die Uhr zeigte schon kurz nach acht. Mäusekind war auf dem Rücksitz bereits eingeschlafen und wir wollten sie so schnell wie möglich ins Bett bringen.

Auf einmal gab unser Auto komische Geräusche von sich. Es brummte, es krachte, es qualmte.  In mir stieg Panik auf, mein Mann fuhr geistesgegenwärtig an den Straßenrand.  Beim Versuch den Motor erneut zu starten, tat sich NICHTS. Motor TOT. 

"Scheiße", schoss es mir durch den Kopf. Ich bin auf das Auto aus diversen Gründen angewiesen. Ohne bin ich quasi außer Gefecht gesetzt. Toll. 

Mein Mann versuchte sein Glück immer wieder, es half aber nichts. Ich kramte leicht gereizt mein Versicherungskärtchen aus dem Geldbeutel und wählte die Notrufnummer. Ein gut gelaunter Franzose mit wirklich charmanten Akzent nahm meine Daten auf. "Der Abschlepper kommt in den nächsten 40 Minuten", versicherte er mir. „Jaja, wer‘s glaubt“, dachte ich.

Mäusekind war indes aufgewacht und weinte. Es wurde kalt. Wir riefen also die Schwiegereltern an und baten sie, ihre Enkeltochter abzuholen, damit sie ins Warme gebracht werden konnte. Der Hilfetrupp war rasch zur Stelle, wir luden alle zusammen den Reboarder und den Kinderwagen in den Kombi  um und winkten den fröhlichen Großeltern hinterher, die mit Mäusekind davonfuhren.

Ich war immer noch genervt.
Es wurde dunkel und es wurde kalt. „Komm, wir warten im Auto“, schlug ich meinem Mann vor. Auf der Feier hatte ich zwei Hugos getrunken, ursprünglich war ich bester Laune gewesen, auch deshalb, weil ich nichts mehr vertrage aufgrund der jahrelangen Abstinenz bedingt durch die Schwangerschaft. Die gute Laune war auf einen Schlag dahin, die Nüchternheit  wieder da.

Ich ärgerte mich. 

Wir nahmen im kaputten Auto Platz um die Wartezeit zu verkürzen. Da saßen wir also zusammen in der Dunkelheit und schauten in die Dämmerung. „Weißt du noch, unsere frühen Frankreichurlaube? Die lauen Sommernächte, die guten Flaschen Rotwein?“ unterbrach er die Stille. „ Ja“, erwiderte ich. „Das war eine so schöne und unbeschwerte Zeit“. Ich legte den Kopf auf seine Schulter und wir schwelgten in Erinnerungen. „Es ist wie damals“, sagte ich.  „Ja“, entgegnete er. „Jetzt bräuchten wir nur noch eine Flasche von dem guten Rotwein und die Welt stände wieder still. Nur für uns“. Ich nickte. „Aber das tut sie doch schon. Jetzt. In diesem Moment.“ Ohne unsere Tochter waren wir plötzlich nicht mehr Mama und Papa sondern einfach nur wir. Wir zwei. Zusammen. Vertraut. Sicher.

Der viel zu schnell anrückende Abschlepper holte uns wieder in die Gegenwart zurück: Das Auto ist immer noch kaputt aber eine Erkenntnis bleibt: Wir sind immer noch wir.




Kommentare:

  1. Das ist eine schönen Geschichte! Und es hat nicht nur gezeigt, dass ihr noch ihr seid, sondern auch, dass so mancher Schlamassel eine gute Seite hat.Man ist gezwungen mal anzuhalten und einen gewohnten Trott zu verlassen. :-)

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    1. Ja, das stimmt. Manchmal muss man einen Schritt zurückgehen, Abstand gewinnen, um das Wesentliche zu erkennen :-)

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  2. Schööööööön! Und total romantisch... Tsja, manchmal entsteht aus eigentlich blöden Momenten etwas total Gutes - Ihr seid ein tolles Team!

    Viele liebe Grüße

    Küstenmami

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    1. Oh danke, meine liebe Küstenmami. <3 <3 <3

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