Welcome to my fabulous life: Mein Beitrag zur Blogparade #Regrettingbloggerhood

Montag, April 11, 2016



Quelle: Pixabay

Eine Welle des Hinterfragens geht durch die Elternbloggerszene. Wieviel darf man von sich, von seinen Kindern preisgeben, wieviel Einblick erträgt eine Familie durch die Bloggerei der Mutter oder der Eltern? Noch ne Muddi ruft zur Blogprarade auf. Können wir mit gutem und reinem Gewissen vor unseren Kindern ihr Leben öffentlich mit Fremden teilen? Eine schmale Gradwanderung, die wir manchmal vollführen, finde ich.  Was ist erlaubt, was ist zu viel?


Privat bleibt privat

Ganz klar, alles was meinem Kind später schaden könnte, kommt nicht ins Netz, da bin ich konform mit meinen „Kolleginnen“. Keine privaten Probleme, keine intimen und vertrauten Gespräche. Ich werde weder ein Foto meiner Tochter, noch meines Mannes posten, denn  ihre Privatsphäre ist mir heilig. Als Mutter muss ich alles dafür tun, um mein Kind zu schützen, Fotos im Netz von ihr, auf der  man ihr Gesicht erkennt, haben auf meinem Blog nichts verloren. Auch ihren Namen halte ich unter Verschluss. Solche Infos finden sich übrigens auch nicht auf meinem privaten Facebook-Account. Allein die Impressumspflicht ist mir ein großes Dorn im Auge.  Warum die Adresse öffentlich im Netz stehen muss, obwohl man kein Gewerbetreibender ist, bleibt mir ein Rätsel.

Mein durchsichtiges Ich?

Die gläserne Mutter, dieser Begriff wurde von Miriam vom Blog Emil und Ida in ihrem sehr tiefgründigen Artikel verwendet. Sind wir das wirklich? Sind wir durch unseren Internetauftritt komplett durchschaubar? Kennen mich meine Leser in- und auswendig, weil ich über Teile unseres Alltags schreibe, weil ich meinen Gedanken eine Stimme verleihen möchte? Ich kann nur von mir sprechen: Ich glaube nicht, dass mich die Öffentlichkeit nur aufgrund meines Blogs wirklich kennt. Klar, es entsteht ein Bild von mir und von meiner Familie für jeden Leser individuell. Jeder erkennt in mir etwas anderes, manche mögen mich, manche nicht, das ist ok und legitim. Dennoch empfinde ich das Bloggen nicht als Seelenstriptease. 

Was ist schlecht an Lifestyle?

Wenn ich mir manche Facebook-Accounts ansehe, in denen sich Menschen immer wieder reproduzieren, wie toll und stylisch ihr Leben ist, finde ich die meisten Mamabloggerinnen im Vergleich sehr, sehr harmlos. Ich betreibe keinen Lifestyleblog. Meine Wohnung gleicht nicht der eines Hochglanzmagazines, deswegen finden sich auch wenige Aufnahmen davon im Netz. Ich wohne schön, finde ich. Ich mag meine Möbel, meine Einrichtung. Manches könnte ich perfektionieren, aber es ist eben nicht so ordentlich wie bei manch anderem. In meinen Augen ist es nicht verwerflich, dass es diese stylischen Aufnahmen gibt. Sie dienen mir oft als Inspiration und ich verweile sehr gerne auf solchen Plattformen. Dahinter steckt viel Arbeit, denn obwohl ich kein Experte bin und meine Fotos manchmal  unterirdisch sind, ist ein Blogeintrag nicht in fünf Minuten erledigt. Aber das wissen alle Blogger, nur die Außenwelt denkt weiß Wunder wie easy peasy alles doch ist. In eine schöne (inszenierte) Welt einzutauchen, tut manchmal gut,  sie entführt uns aus dem Alltagstrott.

Bloggen ist Arbeit

Ich schaffe es kaum auf allen Kanälen meine Beiträge zu teilen, Instagram, Twitter und Co. laufen bei mir so mit, je nachdem wann sie mir in den Sinn kommen. Das Wochenende in Bildern bekomme ich auch nicht auf die Reihe, unser Leben ist sehr normal und nicht so aufregend, als dass es sich lohnen würde, darüber zu berichten. Überdies möchte ich unser Leben auch noch privat leben. Alles zu knipsen,  was wir tagsüber so machen, empfände mein Mann als störend für unser Familienleben, das respektiere ich.  Aber ich gebe zu, dass ich wahnsinnig gerne bei anderen reinschaue. 

Bloggen macht angreifbar

Das Problem in meinen Augen an einem Blog im Allgemeinen ist, dass wir als Personen öffentlich dahinter stehen. Das heißt, ich habe manchen Beitrag gecancelt, obwohl es mir unter den Fingernägeln brannte, weil ich weiß, dass viele Bekannte und Freunde und Familie mitlesen (auch wenn sie das niemals zugeben würden) und alles auf sich beziehen könnten. Manchmal zu Recht, manchmal eben nicht. Mit Namen hinter einem Beitrag zu stehen, macht einen angreifbar. 

Bloggen dient der Selbstreflektion

Über Erlebtes zu bloggen, Erfahrungen, Gedanken und Gefühle zu formulieren, ist manchmal ein Prozess der Selbstreflektion. Wenn dann andere ihre Gedanken, ihre Sicht der Dinge ergänzen, dann öffnen sich ganz neue Horizonte. Dann findet ein Austausch statt, ein produktives Miteinander. Es ist wie in der Wissenschaft, der Gedankenfluss öffnet neue Sichtweisen, liefert neue Erkenntnisse. Zwar erfindet man das Rad nicht neu, aber den Blickwinkel zu ändern, hilft manchmal ungemein.
Das schriftliche Festhalten von Mäusekinds Entwicklungsstufen und Erlebnisse sind für mich kostbare Erinnerungen und ich hoffe, dass sie ihr ein Vermächtnis sein werden. Da stimme ich mit Kiwimama vollends überein. (Ein Hallo an dieser Stelle :-)!

Je ne regrette rien

Bin ich nun die gläserne Mutter? Vielleicht mag es den Anschein erwecken. Aber die Wahrheit ist, dass ich nur einen Bruchteil meines, unseres Lebens zeige. Es handelt sich nur um kleine Ausschnitte meiner Welt, die sorgfältig überdacht und gefiltert wurden. Mein Universum besteht aus so viel mehr, mein Leben ist real und ich habe ein Leben vor, nach und neben dem Blog mit Höhen und Tiefen.

Bereue ich das Bloggen? Nein, das tue ich nicht. Denn ich entscheide über den Inhalt und solange ich das öffentlich machen meiner Gedanken mit meinem Gewissen und mit meinen Parametern von Privatsphäre vereinbaren kann, dient mir das Schreiben als Ausdruck meiner kreativen Ader, die mal produktiv, mal repetitiv ist. Wie das wahre Leben eben auch.  


Kommentare:

  1. Find ich sehr sehr schön gesagt! Man bekommt Ausschnitte mit von anderen.
    Ich selbst überlege bei jedem Beitrag: "Würde ich das jedem erzählen? Einer fremden Person an der Bushaltestelle? Der Bäckereiverkäuferin, bei der ich regelmäßig einkaufe, aber sonst nichts gemeinsam habe? Wenn ich diese Frage mit JA beantworten kann, ist es ok für mich den Beitrag zu veröffentlichen.
    Ich habe mir in meiner kurzen Bloggerzeit auch die Frage gestellt, wie es wohl wäre die ein oder andere bei einem Bloggertreffen zu sehen. Würde ich sie dann genauso sympathisch finden, wie im Schrift- und Bild-Verkehr? Ein bisschen wie ein Blind-Date. :-D Man puzzelt sich anhand der Beiträge ja doch ein Bild zusammen.

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    1. Dankeschön! Das mit den Testfragen vor der Veröffentlichung ist wirklich sehr gut! Dann kann man nocheinmal kritisch hinterfragen, ob der Beitrag wirklich unbedenklich ist. Das lustige ist, deine Gedankengänge hatte ich auch! Und zwar genau die gleichen! Wenn ich manchen Blogger, den ich gerne mag, treffen würde, wie würde ich ihn in der Realität finden? Genauso gut? Und wenn ich seine Beiträge nicht kennen würde, würde ich ihn auf Anhieb mögen? Es wäre wirklich wie ein Blind Date, denn man kennt den anderen durch die virtuelle Welt und hat ein Bild von ihm und müsste dann abgleichen, ob es real auch passt. Ich glaube allerdings, dass ich die meisten wirklich mögen würde. Das hoffe ich zumindest :-)

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  2. Deine Einstellung teile ich voll und ganz������ LG Claudia

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