Mama im Hamsterrad

Sonntag, Mai 29, 2016




Ich brauche mich nicht zu beschweren, was meinen Stresspegel angeht, denn ich habe ja nur ein Kind. Die Wahrheit ist aber zur Zeit, dass ich äußerst abgespannt bin. Ich bin müde. Sehr müde. Und ich habe wenig Geduld. Manchmal würde ich  mich einfach gerne mal hinlegen und einfach nur schlafen. Lange schlafen. Aber das geht nicht. Weil Mäusekind tagsüber gar nicht schläft, abends erst zwischen 21 und 22 Uhr zur Ruhe findet und morgens bereits um 7 Uhr topfit ist. 

Meine Realität sieht so aus, dass ich im Moment ziemlich an meine Grenzen komme. Ich bräuchte Urlaub. Nicht von meinem Kind, um Gotteswillen, aber von der Verantwortung. Ich hätte gerne mal für eine Woche ein Nanny. Die rund umdie Uhr nur mein Kind bespaßt. Klingt egoistisch? Ist es vielleicht auch. 


Mir fehlt im Moment einfach die Zeit für mich. An mir geht nicht immer alles spurlos vorüber, auch wenn es auf Anhieb und nach außen so scheint. Wenn meine Tochter bei der Tagesmutter oder bei der Oma ist, bin ich arbeiten. Es ist also nicht so, dass ich dann mal in dieser Zeit die Seele baumeln lassen könnte. Ich bewundere all jene, die mehrere Kinder haben und auch ohne Unterstützung die Kinderbetreuung mit Bravour meistern.  Wie macht ihr das nur? Geht es nur mir so? Bin ich nicht stressresistent? Habe nur ich diese Erschöpfungserscheinungen? 

Dieser Blog soll ja auch eine Plattform für Probleme und Lösungswege sein, aber soll ich ehrlich sein? Ich habe im Moment keine Lösung für mein Problem. Ich weiß einfach nicht, wo ich ansetzen soll. Meditieren? Habe ich nicht gelernt. Mäusekind Papa in die Hand drücken? Ehrlich? Das funktioniert nur bedingt. Er ist ein toller Papa, aber es ist nun mal so, dass ich bei Mäusekind immer die Nummer eins bin. Wenn sie bockig ist, ist sie bockig. Dann helfen kein Papa und auch keine Oma, dann kann nur die Mama trösten. Zur Zeit ist Mäusekind sehr bockig. Die bösen Backen-und Eckzähne brechen durch. Das arme  Kind leidet, die Stimmung im Hause dadurch leider auch.

Ich würde gerne meinen Alltag neu strukturieren, es gibt so viele Baustellen. Jedem anderen würde ich raten, eins nach dem anderen anzugehen, aber ich selbst halte mich nicht an meine eigenen Ratschläge. Ich kann so unvernünftig sein. Ein Hitzkopf, der mit dem Kopf durch die Wand will. Ich rutsche dann in einen Strudel des Chaos. Im Moment bin ich wieder mittendrin im Tornado. 

Ich hatte angefangen Sport zu machen. Jeden Tag 20 Minuten. Eine Gruppe Mädels, die sich gegenseitig motiviert und Mut macht. Seit vier Tagen bin ich draußen. Ich konnte mich nicht aufraffen. Obwohl es mir doch Spaß macht.  Was würde ich einer Freundin raten? Ist doch nicht so schlimm, morgen fängst du wieder an. Ich habe stattdessen das Gefühl, dass durch meine Eskapaden die letzten zwei Wochen für die Katz waren. Ich bin gerade im "null Bock - alles egal" Modus.

Überdies kam ich auf die glorreiche Idee meinen Kleiderschrank um ungetragene Kleidungsstücke zu erleichtern. Ihr wollt gerade nicht wissen, wie es bei uns im Schlafzimmer gerade aussieht. Überall türmen sich Kleiderberge. Morgen geht’s weiter im Programm, heute habe ich dazu keine Energie mehr.

Ich weiß, dass ich mich wieder aufraffen werde. Das habe ich schon immer getan. Ich bin nicht der Typ, der aufgibt und sich hängen lässt. Aber im Moment fällt mir alles unglaublich schwer. Als müsste ich Ozeane überwinden. Kennt ihr das auch?

Selbstmitleid ist nicht der Weg aus dem Elend. Aber in diesem Augenblick ist es ein Ventil. 

Morgen beginnt eine neue Woche. Ich hoffe, meine Motivation schaut dann mal wieder vorbei und verpasst mir einen kräftigen Tritt in den Hintern. Den hätte ich nämlich echt mal wieder nötig!

Alles Liebe 

eure Anna


Kommentare:

  1. Hallo Du Liebe!! Ich verstehe Dich voll und ganz und finde es super, dass Du Dir Deinen derzeitigen Frust mal von der Seele geschrieben hast. Die verflixte Sache mit dem Hamsterrad a' la "Und täglich grüsst das Murmeltier" kenne auch ich sehr gut! Dieses Gefühl, keine Zeit zum Pause machen zu finden, weil man den Dingen immer irgendwie hinterher rennt und es scheint, als würde man nie mit etwas fertig, da kommt schon die nächste Arbeit, Verpflichtung, der nächste Notfall, Wutanfall des Kindes, der x-te Berg an Bügelwäsche. Ich wäre auch manchmal reif für die Insel und werde meine Verantwortung als Mama, wie auch Du so passend schreibst, gerne mal für ein langes Wochenende abgeben. Und klar- meine Kids würden mir irre fehlen, aber mal so richtig ausschlafen, gemütlich essen und eine Tafel Schokolade naschen, ohne sich dabei verstecken zu müssen- ja das wäre mal wieder klasse und von Nöten. Für Dich hoffe ich, dass Du Deine Motivation bald wiederfindest, vor allem auch für die Dinge, die Dir gut tun, wie z.B. den Sport! Überwinde den inneren Schweinehund und ich bin mir sicher, dass Dir diese Auszeit wieder neue Energiereserven geben wird!! Liebe Grüsse! Claudia

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    1. Oh, es tut so gut zu hören, dass ich da nicht alleine mit meinem Gefühlschaos bin und dass andere Mamis auch manchmal mit sich hadern. Es sind eben manchmal Phasen in denen alles irgendwie zu viel ist und dann ist man plötzlich überfordert. Ich kenne das auch, die Bügelwäsche, der Trotzanfall, die Müdigkeit...Ganz lieben Dank für deine lieben Worte! Sie haben mir wirklich Mut gemacht und ich habe mich heute sogar aufgerafft und habe wieder Sport gemacht! Das tat so gut! Ganz liebe Grüße! Anna

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    2. Das freut mich sehr!!! Nach dem Regen kommt der Sonnenschein!!!☀️☀️☀️������

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  2. Allein bist Du damit um Gottes Willen nicht, jeder hat solche Phasen, und manche Menschen eben häufiger oder stärker empfunden (darunter ich). Bei mir steht und fällt auch alles mit der MeTime, fällt diese weg durch Krankheit der Kinder, zusätzliche Kita-Schließtage oder viele eigene Termine, dann bin ich in kurzer Zeit völlig erschöpft und ausgelaugt. Das Wichtigste ist wirklich, sich selbst regelmäßige kleine MeTime-Oasen zu schaffen. Ich weiß nicht, wie euer Alltag aussieht, aber kannst Du da noch irgendwas ändern? Dass Du zwischendurch mal eine Stunde für Dich hast, und zwar öfter, nicht nur ein Mal? Alle weiteren Dinge (Termine, Vorhaben etc.) würde ich jetzt in der akuten Situation erstmal nach hinten schieben, das kannst Du machen, wenn Du wieder mehr Energie hast. Das stresst Dich jetzt nur noch mehr. Erstmal Kraft und Energie tanken!
    Mit dem Abgeben der Kinder, das kenne ich. Meine Kleine (3) lässt sich auch nur bedingt vom Papa trösten und das ist einer der Hauptgründe, weshalb ich immer noch nicht allein wegfahre (neben der Unsicherheit, ob das Zubettbringen klappt). Andere würde solche Sorgen einfach hinter sich lassen und ihr Ding durchziehen, aber das kann ich nicht. Großelternentlastung haben wir gar keine und gehen oft auf dem Zahnfleisch.
    Ich drücke die Daumen, dass es Dir bald wieder besser geht. Wie gesagt, regelmäßige (!) klitzekleine Pausen sind wichtig und schieb alles andere erstmal weg.
    Liebe Grüße!

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    1. Ach liebe Frühlingskindermama, ich danke dir für deine Ratschläge. Bei uns ist es unvorstellbar, dass mein Mann die Maus ins Bett bringt, das würde ausarten in Wein- und Kreischattacken, das erträgt mein Mamaherz nicht, wenn sie sich dann so reinsteigert. Wir haben das alles schon in meinem Beisein probiert, aber ich muss sie in den Schlaf begleiten, sonst wird das nichts. Ich könnte sie auch niemals so einem gewaltigen Stress aussetzen. Zuallerst habe ich jetzt beschlossen mal sämtliche Ausmistaktionen auf ruhigere Zeiten zu verschieben und heute Abend habe ich mal ein langes Vollbad gegönnt, das ist fast wie eine Wiedergeburt. Ja, ich kann mir mal eine Stunde freischaufeln, wenn der Papa heimkommt, aber meist nutze ich diese Zeit eben nicht für meine METime, sondern um irgendwas anderes Liegengebliebens abzuarbeiten, das muss ich ändern. Ich danke dir für diese neuen Blickwinckel, manchmal braucht man einfach Imput von außen, um zu erkennen in welcher Sackgasse man gerade steckt :-) Liebeste Grüße!

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  3. Ja, kenne ich ! Was mich momentan extrem runterzieht ist das Wetter. Ich habe einfach Lichtmangel und somit Energiemangel. Mir hilft es dann immer eine To Do Liste zu schreiben: dann sehe ich was ich wann machen will und was Zeit hat. Nimm Dir jeden Tag 15 Minuten nur für Dich :-) Das dürfen - und müssen wir uns gönnen !
    Liebe Grüße,
    Berenice

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    1. Oh ja, das stimmt! 15 Minuten müssen mindestens drin sein. Das Wetter macht mir auch echt zu schaffen, das schlägt wirklich aufs Gemüt und wenn man eh schon schlecht drauf is, wird das potenziert :-(. Es beruhigt zu wissen, dass man nicht alleine ist1 dankeschön für den Zuspruch, liebe Berenice! Alles Liebe Anna <3

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  4. Ach, Anna. Das kenne ich nur zu gut ... Eigentlich könnte ich einfach jeden Absatz unterschreiben.
    Im Moment habe ich aber eine Phase in der ich was den Blog angeht super motiviert bin. Es macht mir so viel Spaß, aber der Alltag macht mich so so müde, dass ich keine Power hab sie in den Blog zu stecken. Das nervt mich sehr. Ich denke auch voll oft, wenn ich andere Elternblogs lese, von Eltern mit mehr als einem Kind: Wie machen die das nur??? Ich bin schon mit einem Kind vollkommen ausgelastet. Wenn dann zu Job, Haushalt und Kinderbetreuung noch so ein Scheiß kommt, wie Arztbesuche, beim Anwalt rumsitzen, Auto- ab- und anmelden, Schrottauto verkaufen, neues Auto besorgen (dass auch wieder irgendwelche bescheuerten Macken hat ...), dann könnte ich echt ausrasten. Aber auch ohne das extra Tamtam komme ich oft an meine Grenzen. Me-Time ist nämlich hier auch gleichgesetzt mit meiner normalen Arbeit. Da die Kleine eigentlich nur Fremdbetreut wird wenn ich arbeite. Und ich habe eine Stunde in der Woche eine Babyssitterin. Diese Stunde verbringe ich natürlich mit putzen ... Ist ja klar ;) Waaah, ich müsste auch mal irgendwas ändern. Irgendeine klitzekleine Auszeit in der Woche zum Energy-Tanken. Das wär's. Du bist mit deiner Müdigkeit und dem Gefühl in einem Hamsterrad zu sein auf jeden Fall nicht allein! Und täglich grüßt der Wäscheberg, oder so ...

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    1. Ach liebe Nätty, irgendwie scheinen wir zwei auch ziemlich viele Gemeinsamkeiten zu haben, zumindest ähnliche Situationen, die in unserem Leben vorkommen (Auto, Anwalt, Haushalt, Blog, Alltag) :-(. Ich kenne das auch so gut, die blöden Wäscheberge, die nie zu enden scheinen wollen. Da bügelt man einen Korb fertig, und es tuen sich zwei neue am Horizont auf. Ich danke dir für deine verständnisvollen und aufbauenden Worte, es beruhigt zu wissen, dass man nicht alleine ist mit seinen Gefühlen. Ich frage mich auch immer wie andere das schaffen mit mehreren Kindern...ob man vielleicht routinierter wird? Oder aber ab einem gewissen Müdigkeitspegel ist es eh egal ;-). Oh jeh. Wir sollten mal ein Treffen mit unseren Kids organisieren, die toben sich aus und wir entspannen. Hach ja, die Väter passen dann natürlich auf, wir haben ja dann MeTime :-).

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