Empathie zwischen Müttern

Montag, Juni 06, 2016

Oft sagen wir Dinge ohne Bedacht und richten unbewusst großen Schaden an. Doch jede Situation ist anders, jeder verarbeitet Erlebtes auf seine Weise und nicht immer wissen wir um die Geschehnisse und um die wahren Empfindungen unseres Gegenübers. Der Text von Sabrina will sensibilisieren, will Mütter einander näher bringen, anstatt zu entzweien.

Manchmal sagen wir Dinge und vergessen dabei ganz, was sie bei unserem Gegenüber auslösen könnten. Manchmal verletzen diese Dinge. Zutiefst. Das haben wir nicht gewollt. Vielleicht ist es gerade deshalb an der Zeit vorher darüber nachzudenken, wie wir Dinge sagen. Wir können sie ja sagen - nur bitte nicht durch Vergleiche mit unserem Gegenüber....


Ihr alle kennt sicher die Ratschläge von Kinderlosen. Oder vielleicht erinnert ihr Euch an eure eigenen Gedanken, als ihr selbst noch keine Kinder hattet. Das Kind schläft im eigenen Bett. Bekommt Brei. Und man muss ja nicht immer gleich “springen”, wenn das Baby ruft. Heute kann ich das alles nur belächeln. Das kann ich, weil ich eines herausgefunden habe: Wer ich als Mama sein will. Wie nehme ich mein DeisterBaby wahr? Wie möchte ihm begegenen? Was ist mir als Mama wichtig? Und wie kann ich meine Vorstellungen im Alltag umsetzen (und damit umgehen, wenn mich der Alltag doch mal überrollt)? Und auch, welchen Platz nehme ich in meinem Umfeld damit ein und ist dieser Platz für mich in Ordnung?

Denn eines ist ganz klar: Jeder hat seine eigene Meinung beim Leben und Umgang mit Kindern. Gehe ich nicht den Weg, den die Mehrheit in unserer Gesellschaft geht, stehe ich woanders, als wenn ich das eben doch tue. Das eine muss dabei nicht schlechter sein, als das andere. Das einzige was es muss: Passen - in euer Leben, in euren Alltag, zu eurer Familie. Und da haben wir auch schon das Problem an Ratschlägen. Was für meine Familie ganz toll ist, könnte für Deine eine Katastrophe sein.

Mein Baby ist nicht Dein Baby

Oder mit den Worten von Dani von Glucke und So #ich bin nicht du. Ich stille mein Baby, bis es sich selbst abstillt. Du gibst vielleicht seit der Geburt die Flasche. Mein Baby schläft neben mir im Beistellbett, während dein Baby vielleicht besser im eigenen Bett schläft. Aber ich bin nicht Du. Und mein Baby ist nicht Dein Baby. Wir sind alle verschieden, haben unterschiedliche Bedürfnisse und Wünsche. Und das ist auch absolut in Ordnung. Was nicht in Ordnung ist, den eigenen Weg als Patentrezept zu betrachten und diesen in, wenn auch gut gemeinten Ratschlägen, als solches weiterzugeben. Denn mit dem nächsten Baby kann dieses Patentrezept schon nicht mehr gelingen.

Noch schlimmer ist es allerdings, wenn Ratschläge verteilt werden, wo niemand eine Frage gestellt hat. Der unglücklichste Fall tritt dann ein, wenn man die Geschichte der Mama und des Babys nicht mal kennt. Es gibt Momente im Leben, da treffen nicht wir die Entscheidungen. Da kommt das Schicksal um die Ecke und nimmt uns alle Entscheidungen ab. Das sind die Momente im Leben, in denen wir völlig hilflos sind. Der Situation ausgeliefert und die Dinge schmerzlich annehmen müssen, wie sie sind.

Ungebetene RatSCHLÄGE

Äußerungen, wie “Du kannst Dich so glücklich schätzen die Flasche zu geben - ich habe vor lauter Stillen keine Minute für mich”, sind da äußerst gefährlich. Gefährlich, weil sie die andere Mutter binnen Sekunden aus der Bahn werfen können. Denn sie stillt ihr geliebtes Baby nicht, weil ihr einfach niemand geholfen hat, als sie Fragen hatte und Unterstützung gebraucht hätte. Und sie hätte alles gegeben, die Situation zu ändern. Alles! Sie ärgert sich über sich selbst und zweifelt an sich als Mutter. Und diese ganzen negativen Gefühle hast Du durch deine Aussage in dieser fröhlichen Runde von sich unterhaltenden Müttern und spielenden Kindern in der Mama ausgelöst. Ich weiß, das war nicht deine Absicht!

Die Mama mit dem Notkaiserschnitt, deren Baby und sie selbst die Geburt fast nicht überlebt hätten, werden diesen Moment betrauern. Ja, sie haben überlebt. Aber eben nur überlebt und nicht erlebt. Sie werden trauern, für Monate, für Jahre, für immer. Das ist normal. Diese Mama wird sich in der Eltern-Kind-Gruppe nicht daran messen wollen, wer denn nun die schönste oder anstrengendste Geburt hatte. Denn für sie gab es keine Geburt - es gab eine Operation. “Sei froh, dass Du nicht spontan entbunden hast - es war so ein Kampf”, hilft nicht. Denn diese Mama hätte diesen Kampf gerne aufgenommen, nur um den ersten Schrei Ihres Babys zu hören. Und in dem Moment, wo du von Deinem Kampf berichtest, bricht die andere Mama innerlich in sich zusammen. Gänzlich! Und sie wird an diesem Tag noch viel Weinen. Ich weiß, das war nicht deine Absicht!

Aber was ist Deine Absicht? Was möchtest du erreichen, wenn du dich mit anderen vergleichst? Du kennst ihre Geschichte nicht. Du weißt nur, dass sie nicht stillt oder dass sie einen Kaiserschnitt hatte. Die Gründe kennst du aber nicht. Vielleicht bist du selber nur erschöpft oder auch du bist mit diesem Teil eurer Geschichte unzufrieden. Ich weiß es nicht, denn ich kenne auch deine Geschichte nicht. Aber eines weiß ich sehr genau: Wir Mamas müssen zusammenhalten! Und im Grunde brauchen wir nur eine Sache, um gemeinsam an einem Strang zu ziehen:

EMPATHIE.

Empathie ist die Fähigkeit sich in andere Menschen hineinzuversetzen. Wir erkennen die Gefühle des Gegenübers und nehmen diese an. Empathie verlangt von uns nicht, dass wir alles gut finden, was andere machen. Wir können auch unterschiedliche Meinungen haben. Wir verstehen nur, warum unser Gegenüber so handelt, fühlt oder reagiert, wie er es eben tut. Verständnis für einander. Keine Vergleiche oder Verurteilungen. Empathie können wir auch aufbringen, wenn wir die Geschichte nicht kennen. Durch Akzeptanz. Die Mama einfach so annehmen, wie sie ist. Vielleicht ist es ihr nicht möglich, ihr Kind an eine andere Person, als den Papa abzugeben. Dabei hätte sie so gerne mal ein paar Stunden für sich. Das mag Dir komisch vorkommen, denn wo ist das Problem das Kind mal abzugeben? Was für eine Glucke. Was Du nicht weist: Diese Mama ist die Kaiserschnitt-Mama. Die, die sich an die ersten Lebenstage ihres eigenes Kindes nicht erinnern kann, weil sie mit viel zu viel Medikamenten auf der Intensivstation lag. Die, die ihr geliebtes Baby fast verloren hätte. Ich weiß: Das wusstest Du ja nicht…

Jede Mama ist für das eigene Baby eine Expertin!

Jede Mama ist die beste Mama für Ihr Baby. Mit Empathie durch Verständnis und Akzeptanz können wir Expertinnen uns gegenseitig bestärken und unterstützen - nur wer Kinder hat, kann nachvollziehen wie Mamas fühlen!

*DeisterMama


Der Artikel erschien bereits auf dem Blog Deisterbaby am 28. April 2016


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Kommentare:

  1. Das ist wundervoll geschrieben und trifft es auf den Punkt! Wir be- und verurteilen manchmal viel zu schnell und vor allem unüberlegt. Ein Schritt zurück und ein Interesse hinter an dem Hintergrund für gewisse Entscheidungen würden oftmals dabei helfen, sich besser zu verstehen.
    Danke für diesen schönen Artikel!

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  2. Mir fällt da nur ein was ein:
    "Glück hört da auf, wo vergleichen anfängt."

    Dies habe ich mal in irgendeinem Buch gelesen und der hat sich in meinem Kopf eingebrannt. Immer wenn es hieß: "Geh doch zu Babytreffs, damit ihr eure Babys vergleichen könnt." wurde mir schlecht. Ich will nichts vergleichen. Ich will niemand für seinen Weg verurteilen, auch wenn ich nicht alles gutheiße. Aber es ist nicht mein Kind, nicht mein Leben. Das Kind wird ja dennoch geliebt und wer weiß ob meine Denkweise richtig ist? ;)

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