Kinder ändern dich und deine Kreise

Freitag, Juni 10, 2016


Es ist wie es ist, sobald die Familie wächst, steht das alte Leben Kopf. Komplett, es gibt kein Zurück in die Vergangenheit. Und das ist gut so. Die Kinder haben Priorität und sie bestimmen unseren Tagesrhythmus.

Und dann ergab sich gestern auf Twitter folgende Diskussion, die mich zum Nachdenken brachte. 



Ja, ich kenne diese Art von Bekannten und Freunden auch. Die keine Nachsicht haben, dafür, dass unser Kind unsere Nummer eins ist und dafür, dass alles andere eben hinten anstehen muss. Aber es sind nicht immer die kinderlosen, die kein Verständnis aufbringen.

Manche dieser zahlreichen Bekannten haben Kinder. Sie haben aber einen anderen Lebensstil und viele helfende Hände. Das ist schön, denn jeder soll ja so leben wie er möchte. Ich würde mich auch über mehr Unterstützung freuen. Aber dennoch will ich mich nicht beschweren, ich bin dankbar, dass wir überhaupt Hilfe haben. 

Ich möchte mich noch nicht von meinem Kind trennen

Und ich möchte mich eigentlich auch gar nicht so oft von meinem Kind trennen. Schon gar nicht, um sinnlos den Abend in irgendwelchen Kneipen abzuhängen. Versteht mich nicht falsch: Feiern ist schön. Das habe ich gerne gemacht und würde es heute auch gerne öfter tun als ich es tatsächlich tue: Im Moment nämlich gar nicht. 

Seit unsere Tochter auf der Welt ist, war ich noch keinen Abend alleine aus. Eigentlich war ich abends noch gar nie aus. Das hat sich bisher einfach nicht ergeben. Gründe gibt es viele: Sie ist eine schlechte Einschläferin, ohne mich findet sie nicht zur Ruhe. Und wenn sie dann mal schläft, bin ich oft einfach sehr müde. Dann ist mir nicht danach, mich noch in Schale zu schmeißen und auszugehen. Überdies gibt es ja auch nicht wirklich so viele Gelegenheiten dazu. 

Aber ich weiß, dass das nicht so bleiben wird. Sie wird größer werden, selbständiger sein und sich Stück für Stück immer weiter entwickeln, so dass auch ich wieder mehr Freiheiten haben werde. Stück für Stück, proportional zu ihren Großwerden. Es kommt alles zur rechten Zeit, da bin ich mir gewiss. 

Abweisung tut weh

Mein Leben, unser Leben, hat sich verändert und die Menschen, die daran teilhaben auch. Die alten Bekannten wenden sich irgendwann ab, weil unsere Lebensentwürfe divergieren, weil sich herauskristallisiert, dass es eben doch nicht mehr passt. Das ist traurig auf der einen Seite, aber vielleicht auch ein Befreiungsschlag auf der anderen. 

Am Anfang ist es verletzend, wenn man plötzlich nicht mehr gefragt wird, ob man was zusammen unternimmt und man dann durch Zufall erfährt, dass alles ohne uns stattgefunden hat. Dass manches sogar heimlich beschlossen wurde. Das ist kein schönes Gefühl. Ja, es mag sein, dass wir wahrscheinlich sowieso abgesagt hätten: Weil unser Kind zahnt, weil wir müde sind, weil wir keinen Babysitter haben. Aber dennoch schmerzt es.
Irgendwann aber wandelt sich das Gefühl und es wird einem egal. Und dann erkennt man, dass solche Freundschaften vielleicht gar kein richtiges Fundament haben, denn sonst wäre mehr Verständnis vorhanden, mehr Teilnahme an der Tagesordnung, mehr Freundlichkeit und Aufrichtigkeit im gegenseitigen Umgang.   

Man sollte leben und leben lassen. Jeder nach seiner Facon. Und vielleicht gehört  dies anzuerkennen auch zu einer Freundschaft dazu. Vielleicht trennen sich Wege und führen irgendwann wieder zusammen. Vielleicht aber auch nicht. So ist eben das Leben. 

Wahre Freunde bleiben, neue kommen hinzu

Einsam fühle ich mich nicht. Meine Familie füllt mich aus und meine wahren Freunde sind immer noch da. Ohne Bedingungen, ohne Forderungen, ohne Ausflüchte, ohne Heimlichtuereien und ganz selbstverständlich. 

Durch unsere Kinder und unsere neuen Lebensstil ändert sich auch unser Umfeld. Der Anschluss ist nicht immer einfach und der große Kreis schrumpft zu einer überschaubaren kleinen Runde zusammen. Mit neuen Weggefährten mit gleichen Interessen und ähnlichen Lebensmodellen. 

Das Leben ist ein Fluss, wir sollten uns einfach treiben lassen und nicht krampfhaft versuchen uns irgendwo festzuhalten. Die sichere Bucht wartet oft nur wenige Ruderschläge entfernt, die treuen Gefährten werden uns begleiten. Und ich schließe mit folgenden Sätzen unserer Diskussion: 


Wahre Freunde bleiben und neue kommen hinzu!

Alles Liebe 

Eure Anna





Kommentare:

  1. Der Freundeskreis ändert sich doch des öfteren...
    Schulwechsel, Ausbildung, Arbeit, neue Lebenspartner und und und... Klar, ein kleiner Kern (kann) bleibt, aber nicht so häufig.

    Ich bin froh. dass ich jetzt Freunde habe wo ich sagen kann: "Neee du.. Ich mag heute nur auf der Couch liegen und nichts tun." Das hatte ich die meiste Zeit meines Lebens nicht.

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    1. Ja, Freunde kommen und gehen, aber manchmal tut es doch weh, wenn man doch so ausgegrenzt wird. Zumal wir es andersrum nie gemacht haben. Aber man muss wahrscheinlich akzeptieren, dass sich eben auch Lebensumstände ändern und mit Ihnen auch die Menschen. Und jeder Lebensabschnitt wird von anderen Menschen begleitet.

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  2. Hallo Anna, ich denke nicht, dass es eine Sache von "guter Freundschaft"-"schlechter Freundschaft" ist, oder wie tief eine Freundschaft geht. Man kann als Nicht-Mutter nun mal nicht viel mit Müttern anfangen. So ging es mir auch ;) Meine Freundschaft zu Nicht-Müttern ist auch abgekühlt, aber nur, weil es eigtl. gar nicht mehr so viel Platz im Leben hat. Viele Freundschaften erhalte ich mir deshalb, weil ich noch arbeiten gehe. Das kann man zum Mittelpunkt der Gespräche machen. Aber was ist mit Müttern, die quasi nur von Windeln, Haushalt und Stress mit der Betreuung erzählen können? Als Nicht-Mutter macht man das noch 2-3 Mal mit und dann? Es nervt. Selbst mich als Mutter nervt es, wenn andere nur noch von Kindern erzählen können ;) Die Interessen ändern sich im Laufe eines Lebens, das kann in Beziehungen auch passieren. Das sagt nix über die Qualität aus, nur, dass sich Menschen weiter entwickeln und manche eben in die eine und die andere Richtung.

    PS: Ich bin übrigens DIE Mutter, die maßlos enttäuscht war, als ihre Freunde die Mütter waren, nicht zum JGA erschienen sind. Meine Tochter war damals ein knappes Jahr alt. Und ich hatte es nicht verstanden, dass Mütter älterer Kinder nicht mal für eine Nacht allein lassen können. Kann ich übrigens immernoch nicht. Ich versuche es aber zu akzeptieren, auch, wenn ich da echt pissig war ;) Da hab ich mich auch gefragt, wer jetzt eigtl. die "schlechte" Freundin ist. So ein JGA findet nur einmal statt. Ein Kind kommt aber sehr wohl eine Nacht ohne Mama klar - meistens^^

    LG
    Yasmin

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    1. Hallo Yasmin :-). Da gebe ich dir vollkommen Recht! Ich konnte früher als Nicht_mutter mit Müttern auch nicht so viel anfangen. Heute begreife ich gerade deshalb wie anstrengend man als Mama sein kann, wenn man immer nur von den Kindern redet, und ich versuche eben genau diese Fehler nicht zu machen. Meine Elten sind aufgrund von Krankheit leider nicht in der Lage auf unsere Kleine aufzupassen und man merkt, dass Untersützung fehlt. Ich kann sie auch ein paar Stunden beim Papa lassen, aber spätestens, wenn sie dann aufwacht, ist hier Schicht im Schacht. Ich weiß nicht, woran das liegt. Wir haben deshalb auch oft zu uns geladen, das hat dann jeder gerne angenommen, aber im Gegenzug wurden wir dann ausgegrenzt und das erfährt man nur im Nachhinein. Das tut schon weh, irgendwie. Und ja, ein JGA ist einmalig und vielleicht kann man dann auch eine Lösung gemeinsam finden, z.B. wie motherbirth vorgeschlagen hat, dass man eben mit geht, aber nicht so lange macht. Manchmal ist es sehr schwierig den Spagat hinzubekommen und etwas bleibt dann leider doch auf der Strecke. GLG, Anna

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  3. Ich hatte zu der Zeit, als Kringel abends und nachts noch gestillt wurde, ziemlich daran zu knabbern, dass mein Mann weiterhin Freunde treffen konnte und ich aber zuhause gebraucht wurde. Ich hab das gern gemacht, aber irgendwie fühlte es sich manchmal unfair an.

    Auch ich musste die Erfahrung machen, dass manche Menschen sich plötzlich nicht mehr melden, das ist schade. Aber zum Glück kommen auch neue Freunde hinzu. So ein Kind ist eben doch eine große Veränderung auf allen Ebenen des Lebens.

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  4. Mein Mann wollte ohne uns gar nicht unterwegs sein, auch wenn ich persönlich manchmal gar nichts dagegen gehabt hätte. Aber ich kann verstehen, dass man sich manchmal ziemlich eingeschränkt fühlt. Ich würde mal gerne zu, Beispiel abends mal wieder mit Mäusekinds Papa ins Kino, aber das geht leider nicht, weil wir niemenden haben, der dann auf unsere Kleine aufpassen würde, mal abgesehen davon, dass ich mir nicht sicher bin, wie sie es denn finden würde, wenn sie jemand anderes ins Bett bringen würde. Ich bin aber ganz guter Dinge, dass alles zur Rechten Zit auch wieder möglich sein wird. Ich bin auch froh total liebe neue Menschen dazugewonnen zu haben, ohne Kind hätte ich diese nie kennengelernt!

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