Meine Wahrheit über die Kaiserschnittgeburt [#Blogparade: Die Wahrheit über's Kinderkriegen]

Donnerstag, Juni 02, 2016


Die liebe Berenice vom Blog Phinabelle ruft zur Blogparade auf: „Meine Wahrheit über‘s Kinderkriegen“ und ich nehme diese Möglichkeit zum Anlass über meine Geburtserfahrung zu schreiben. Wie ich einige Male auf dem Blog bereits durchblicken ließ, hatte ich einen geplanten Kaiserschnitt. Bevor hier eine Welle der Entrüstung durch Bloggerhausen geht, bitte ich euch, nicht vorschnell zu urteilen, sondern meinen Text mit Bedacht zu lesen.
Denn eins ist sicher: Die Annahme, ein Kaiserschnitt sei der leichtere (und feigere) Weg ein Kind auf die Welt zu bringen, ist mit Sicherheit nicht richtig. Ich möchte aber mit meinem Beitrag auch all jenen Mut machen,  die einen Kaiserschnitt vor sich haben (aus welchen Gründen nun auch immer) und zeigen,  dass es nicht immer zu einem Trauma kommen muss, sondern, dass auch diese Art der Geburt harmonisch und komplikationslos verlaufen kann. Denn am Ende der Schwangerschaft zählt nämlich vor allem unser Kind und nicht wie wir es entbunden haben.

Die Schwangerschaft

Meine Schwangerschaft verlief sehr unkompliziert, keine Übelkeit, gelegentlich ein wenig Sodbrennen und ab und an eine unschöne Verstopfung. Im allgemeinen war ich jedoch rundum glücklich und zufrieden mit mir und meinen Körper, fühlte mich schön und erfüllt. Im neunten Monat allerdings wurde ich immer schwerfälliger, Rückenschmerzen plagten mich, so dass ich es kaum erwarten konnte, endlich zu entbinden. Über die einzelnen Trimester könnt ihr (hier, hier und hier nachlesen).

Fünf Wochen vor dem errechneten Geburtstermin kam ich dann unerwartet in eine seelische Ausnahmesituation: Meine Mutter fiel nach einer Routine-OP ins Koma und die Ärzte gaben ihr keine Überlebenschance. Über das Erlebte habe ich bereits einen Beitrag verfasst. Ich war seelisch wirklich am Ende und der psychische Druck setzte auch meinem Körper unheimlich  zu, so dass ich drei Wochen vor Entbindung mit Blutungen ins Krankenhaus kam. Die Ärzte befürchteten, dass mein Kind zu früh kommen würde, aber zum Glück ist das wiedererwarten nicht eingetreten. 

Die Natur hat es schon sehr gut eingerichtet, dass wir trotz niederer Umstände sehr stark sein können, um unseren Nachwuchs zu schützen. Ich bin mir sicher, dass der ganze üble Stress zwar auch auf mein ungeborenes Kind übergegangen ist, aber ich versuchte dennoch immer wieder Kontakt aufzunehmen und beruhigend auf sie einzuwirken. Die Ärzte machten sich große Sorgen und ich mir auch. Ich war in einziges Nervenbündel, weinte in jenen Tagen sehr viel und war ziemlich ausgelaugt und erschöpft, ich wusste einfach weder ein noch aus. 

Die Gründe für meine Sectio

In jenen Wochen tat sich zum ersten Mal die Option für einen geplanten Kaiserschnitt auf. Die Ärzte empfanden, dass ich in meiner Verfassung nicht mit den besten Voraussetzungen in eine natürliche Geburt gehen könnte. 

Ich möchte ganz ehrlich zu euch sein, ich hatte mich bereits auch in der Schwangerschaft mit dieser Option befasst, ich glaube jede Schwangere, die sich zum allerersten Mal mit der Entbindung auseinandersetzt, kommt über kurz oder lang mit dieser Thematik in Verbindung. Der Kaiserschnitt machte mir schon damals Angst, ebenso wie es die natürliche Geburt auch tat. In eine Situation hineinzugehen, die ich nicht einschätzen konnte, versetzte mich in Panik. Ich verdrängte diese Gedanken und wollte einfach die Geburt auf mich zukommen lassen in der Hoffnung, dass es niemals zu einem Notkaiserschnitt kommen würde, denn diesen fand ich noch viel, viel schlimmer als eine geplante Sectio. 

Ihr müsst wissen, dass ich vor Feststellung meiner Schwangerschaft bereits einen Termin für eine Zysten-Op an den Eierstöcken hatte. Nachdem der Schwangerschaftstest jedoch positiv war, wurde der Eingriff natürlich abgesagt. Im Laufe der Schwangerschaftsuntersuchungen stellte sich jedoch heraus, dass die Zysten in diesem Zeitraum gewachsen waren und die Ärzte erläuterten mir, dass ich mich relativ rasch nach der Entbindung einer OP hätte unterziehen müssen. 

Für mich war dann relativ schnell klar, dass ich mich angesichts meiner Situation nicht nach der Geburt auch noch von meinem Kind trennen wollte und willigte in den Kaiserschnitt ein, bei dem mir zeitgleich auch die Zysten entfernt wurden. Der Eingriff fand eine Woche vor dem errechneten Entbindungstermin statt, weil ich mich erst sehr spät dazu durchringen konnte. Eine solche Entscheidung zu treffen ist nämlich kein einfaches Unterfangen. Man ringt mit sich, tausend Gedanken schwirren einem durch den Kopf, man hat Angst und ist verunsichert, denn jede Mutter möchte doch nur das Beste für ihr Kind. 

Der Eingriff

Die OP, denn eine Kaiserschnitt ist eine OP und selbst, wenn sie mittlerweile als Routineeingriff angesehen wird, muss man sich bewusst machen, dass  dieser Eingriff kein Spaziergang ist,  verlief zum Glück gut und ohne Komplikationen. Ich wurde wie bei einer normalen Operation vorbereitet, bekam dann eine Spinalanästhesie und wurde dann in den Operationssaal gerollt. Mein Mann kam dann zu mir und hielt die ganze Zeit meine Hand. 

Als man mir die Anästhesie gab, sackte plötzlich mein Kreislauf zusammen, meine Atmung wurde flach, mir wurde schwarz vor Augen und geriet in Panik, da ich das Gefühl hatte, ohnmächtig zu werden. Die Ärzte verpassten mir daraufhin eine Adrenalinspritze die mich aus diesem Tief holte und ich war wieder voll da. Um uns herum waren mindestens 10 Personen (Ärzte, Hebammen, Krankenschwestern) und obwohl man mich darauf vorbereitet hatte, dass ich eventuell ein dumpfes Rütteln während des Eingriffs verspüren würde, merkte ich nichts. Ich hörte plötzlich nur, dass sich das Fruchtwasser auf dem Boden entleerte und dann den Schrei unserer wunderschönen kleinen Tochter. Man zeigte sie mir kurz, dann wurde sie untersucht. Während das alles passierte und die Eindrücke auf mich niederprasselten, entfernte man mir zeitgleich die Zysten, ich merkte jedoch von alledem nichts. 

Unschön war allerdings, dass ich in den normalen Aufwachraum gebracht wurde, weil auf der auf der Entbindungsstation ausgelastet war.  Während also meine Narkose langsam abnahm, wurde unsere Tochter in die Obhut ihres Papas gebracht. Diese Zeit (ca. eine Dreiviertelstunde) ohne mein Kind und ohne meinen Mann ganz alleine fand ich fürchterlich, wobei ich sagen muss, dass ich in meiner Bewegungsfreiheit ja sehr eingeschränkt war. 

Danach brachte man mich jedoch relativ schnell zu meinem Kind und ich war selig und voller Glück. 

Der Kaiserschnitt ist nicht der Königsweg, aber auch nicht der Pfad in die Hölle 


Insgesamt verlief die Sectio bei mir komplikationslos, nach dem man mir am folgenden Tag den Katheter gezogen hatte, lief ich bereits wieder umher und versorgte mein Baby und mich alleine ohne fremde Unterstützung. Die Hebammen waren ganz verwirrt, dass ich dazu bereits wieder in der Lage war und als ich mir am Folgetag einen Tee auf dem Stationsgang holte, rief eine Hebamme laut: „Schaut her, es ist unglaublich, diese Frau hatte gestern einen Kaiserschnitt und läuft heute schon wieder herum“. Das war mir dann doch etwas unangenehm, denn ich bin ja nicht von den Toten wieder auferstanden. Es war mir auch problemlos möglich zu stillen, obwohl oft die Gerüchte kursieren, dies sei nach einem Kaiserschnitt nicht möglich.

Alles in allem verlief also alles gut, ich möchte nur darauf hinweisen, dass sich keine Frau mit einer Sectio die Geburt erspart oder leicht macht, es ist eine enorme psychische Belastung sich für eine Operation und ihre Risiken zu entscheiden, die sich bestimmt keine Mutter einfach macht. Ich hatte große Angst davor, aber ich kann jedem versichern, dass mich der Eingriff keinesfalls traumatisiert hat, und dass eine geplante Sectio, auf die man sich psychisch vorbereiten kann, nicht zu vergleichen ist mit einem Notkaiserschnitt, bei dem man komplett die Kontrolle verliert und unsagbare Ängste ausstehen muss. 

Insgesamt möchte ich dafür sensibilisieren, nicht immer gleich mit erhobenen Zeigefinger gegen eine Frau zu schelten, die einen Kaiserschnitt hatte, denn glaubt mir, es ist keine einfache Entscheidung, die man mal schnell so zwischen Tür und Angel trifft. Ich weiß, dass eine Bauchgeburt immer noch stigmatisiert wird in unserer Gesellschaft, aber es sind starke Frauen, die diese aushalten, denn ich betone, es ist ein Schnitt, es ist eine Wunde, es bleibt ein großer operativer Eingriff. 

Und ich möchte euch dennoch die Angst davor nehmen und euch sagen, egal wie ihr euer Kind entbunden habt, ihr könnt stolz auf euch sein. Denn ihr seid starke Frauen und was wirklich zählt ist, dass ihr wunderbare Mütter seid: Wunderbare Mütter von wunderbaren Kindern.

Alles Liebe 

Eure Anna

Kommentare:

  1. Hallo. Ich hätte an deiner Stelle auch so entschieden. Wir müssen eigentlich froh sein, dass die Medizin mittlerweile so weit ist, dass sie eingreifen kann, damit das Risiko für Mutter und Kind minimiert wird. Ich verstehe auch nicht, warum Frauen, die einen Kaiserschnitt hatten, immer wieder schlecht gemacht werden. Die Geburt ist eine ganz sensible Angelegenheit, warum müssen andere immer meinen darüber urteilen zu müssen? LG, Yvonne

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    1. Liebe Yvonne, ja, du hast Recht, zum Glück ist die Medizin heutzutage so weit, dass die Risiken für Mutter und Kind verringert werden können. Ich glaube einfach, dass wie bei allen Reizthemen, oft der Blick über dem Tellerrand fehlt und man schnell in vorgefertigte Meinungen und festgefahrene Denkstrukturen verharrt, weil man oft etwas nur oberflächlich wahrnimmt, aber nie das ganze von der anderen Seite betrachtet oder hinterfragt. Das ist leider bei sehr vielen Themen so, und seit ich Mutter bin, weiß ich, dass man gerade als Mutter in den Augen der anderen sehr viel falsch machen kann. Auch wenn es sich für einen selbst nicht falsch anfühlt. Alles Liebe Anna

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  2. Vielen Dank für Deinen offenen und ehrlichen Bericht! Ich habe zwar selbst nie Erfahrungen mit Kaiserschnitt machen müssen, finde aber auch wie Du, dass nicht die Art, WIE man entbunden hat zählt, sondern vielmehr, dass man ein gesundes (!) Kind zur Welt gebracht hat. Und ich finde, dass Du Dich für Deine Entscheidung absolut nicht zu rechtfertigen brauchst. Immerhin befandest Du Dich in einer gefühlsmässigen und körperlichen Extremsituation, und eine natürliche Geburt hätte Dich vielleicht in dem Moment noch komplett geknickt! Also von mir aus "chapeau", denn Dir ist Deine Gesundheit und die Deines Kindes vorgegangen und nicht die Tatsache, Dich auf Biegen und Brechen mit einer natürlichen Geburt rühmen zu wollen!! Darf ich Deinen Beitrag auf FB teilen?? Viele liebe Grüsse! Claudia

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    1. Liebe Claudia, ich danke dor von Herzen für deine lieben Worte und deinen Zuspruch. Ich bin heilfroh, dass bei uns alles gut gegangen ist und ich weiß, dass ein KS große Ängste auslösen kann (zumindest hatte ich diese) und ich glaube, es ist einfach wichtig, dass jede Frau ihrem Instinkt vertraut und hinter ihren Entscheidungen steht. Niemand kann hinter die Fassade blicken. Natürlich darfst du den Beitrag teilen. Eine ganz feste Umarmung!Anna

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  3. Ich finde nur Kaiserschnitt nicht so gut, weil man untenrum "frisch" für den Mann sein möchte ^^ Eine Freundin hat momentan das Problem, dass sie gern eine natürliche Geburt möchte, aber ihr Mann findet es Rotz, weil danach untenherum alles anders ist *augenverdreh*

    Ich wurde oft gefragt, wie ich mein Kind zur Welt bekommen möchte und ich sagte immer: "Egal wie, hauptsache sie kommt irgendwie raus!"
    Dabei ist es halt eine soweit natürliche Geburt mit Wehentropf geworden... und auch das ist kein Zuckerschlecken! Klar, ich hatte sehr fix meine Tochter, aber keine Verschnaufpause zwischen den Wehen...

    Man sollte es nehmen wie es kommt und sich echt erfreuen, wenn das Kind gesund auf die Welt kommt.
    Und ich kenne auch genug Mütter die trotz normale Geburt in ein Trauma verfallen... Babyblues halt... Somit ist es wohl egal, aber die Gesellschaft sucht gern etwas zum verteufeln.

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    1. Ich glaube, dass die von dir geschilderte Motivation sich einem KS zu unterziehen genau einer der Gründe ist, warum er verschrien ist. Denn nur aus ästhetischen und/oder sexuellen Gründen diesen zu wählen, halte ich ich für verantwortungslos. Ebenso wie eine Kim Kardashian, die das Kind bereits im neuten Monat per KS holen lässt, damit sie sich die letzten Pfunde der SS spart. Zu soviel Verntwortungslosigkeit und Egoismus fällt mir nichts mehr ein. Da fragt man sich, warum man unter solchen Bedingungen überhaupt Kinder möchte. Und ich stimme mit dir vollkommen überein: Auch natürliche Geburten können in einem Trauma enden. Dazu kenne ich auch genügend Geschichten. Leider. Das wichtigste ist in meinen Augen, dass es dem Kind gut geht, dass es nicht gefährdet wird und dass der Mutter, geholfen wird, Ängste abzubauen und entspannter in eine Geburt zu gehen: Egal ob natürlich oder per KS.

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