Unser Kind hat unsere Liebe zerstört

Montag, Juni 20, 2016


Helena und Stefan hatten eine glückliche Beziehung, bis Helena schwanger wurde und anfing mit ihrem neuen Lebensentwurf zu hadern. Das Baby, das ihre Liebe küren sollte, entfremdete das einst so harmonische und glückliche Paar voneinander. Helena sagt selbst über sich, sie habe sich verändert, sie sei erschöpft und kraftlos und sie fühlt sich von Stefan im Stich gelassen. Ein sehr aufwühlender und ernüchtender Text über eine Beziehung, die mit dem Nachwuchs aus dem Gleichgewicht geraten ist. 

Wir waren ein Traumpaar

Unser Kind sollte die Krönung unserer Liebe sein, doch stattdessen hat es uns voneinander entfernt.
Stefan und ich waren ein glückliches Paar. Wir waren leidenschaftlich und voller Lebenslust. Beruflich erfolgreich, beliebt, ein großer Freundeskreis, immer gern gesehene Gäste auf jedem Event: Ein Traumpaar. 
Bevor Samuel auf die Welt kam, haben wir wunderbare gemeinsame Reisen unternommen: Bali, Honduras, Thailand, Orte an denen wir unvergessliche Zeiten hatten. Romantik, Spaß und Unbeschwertheit bestimmte unsere Leben.  Jedes Wochenende unterwegs. Uns fehlte nichts zum Glück. Doch, ein Kind, das sollte die Krönung sein. Wir waren uns einig, ein Baby würde unsere wunderbare bereits perfekte Beziehung noch perfekter machen. Ein Kind als Zeugnis unserer Liebe.

Die Schwangerschaft veränderte alles

Aber es geschah genau das Gegenteil. Die Schwangerschaft verlief schwierig. Mir wurde oft schlecht und ich fühlte mich schlapp und unattraktiv. Wassereinlagerungen und Schwangerschaftsdiabetes machten mir zu schaffen, ich war nicht mehr belastbar und wurde vorzeitig krankgeschrieben. Zuhause fiel mir regelrecht die Decke auf den Kopf. 

Während mein Mann weiter arbeiten ging, fristete ich alleine meine Tage zuhause, musste mich schonen und wusste nichts mit mir anzufangen. Der Fernseher wurde mein Fenster zur Außenwelt. Manchmal dachte ich wirklich, ich würde zuhause verblöden. Mein Zustand erlaubte es mir nicht mehr Sport zu treiben, für mich als begeisterte Sportlerin ein herber Rückschlag. Ich fühlte mich lustlos, dick und unattraktiv. Auf Sex hatte ich sowieso keine Lust mehr. Ich sehnte mir als schnell wie möglich die Entbindung herbei um wieder die Herrschaft über meinen Körper zu gewinnen. Tatsächlich dachte ich, danach würde sich alles wieder zum alten wenden.

Nach der Geburt wurde alles noch schlimmer

Nachdem Samuel geboren wurde, entfernten Stefan und ich uns noch mehr voneinander. Wir genossen wenig Zeit zusammen als Familie. 
Samuel entpuppte sich als Schreikind. Er trieb mich in den Wahnsinn. Nächtelang, tagelang brüllte er ohne Unterlass. Ich konnte nicht mehr. Das ständige Tragen machte mich fertig. Ich sehnte mich nach meinen alten Leben zurück. 
Ich überlegte wieder frühzeitig arbeiten zu gehen und erntete noch mehr Kritik von meinem Mann, der mich einfach nicht verstehen wollte. Ich gab wieder nach und entschloss mich doch das Jahr zuhause zu bleiben. Vielleicht auch gut so, ich weiß nämlich nicht, wie ich mit den durchzechten Nächten auf der Arbeit hätte durchhalten können. 
Mein Mann zog ins Gästezimmer, denn er musste morgens früh aufstehen. Zu Geschäftsessen ging er nun alleine, wir hatten niemanden, der sonst auf Samuel aufpassen konnte. Unsere leidenschaftliche Beziehung wurde leidenschaftslos und fahl. Sex zur Routine, schnell über die Bühne gebracht. Ich muss immer noch 16 Kilo abnehmen. Ich fühle mich überfordert und Stefan ist mir keine große Hilfe. Wir streiten ständig, ich habe das Gefühl, dass er manchmal extra später nachhause kommt, um mir und unseren Problemen aus dem Weg zu gehen. Manchmal verlässt er abends nochmal das Haus und geht zum Sport. Ich vermutete schon eine Affäre, aber er leugnet es.

Wir sind nicht mehr wir

Ich habe mich verändert, sagt er. Er erkenne mich nicht wieder. Das stimmt, er hat sogar Recht. Ich fühle mich abgeschnitten von der Welt. Samuel ist  jetzt zwar ruhiger geworden aber glücklicher bin ich nicht. 
Mein Mann ist mir irgendwie fremd geworden. Er schläft immer noch im Gästezimmer. 
Noch ein halbes Jahr zuhause, dann kann ich endlich wieder arbeiten gehen. Mein Job fehlt mir. Trotz aller Widerstände liebe ich Samuel wirklich, aber ich habe durch ihn ein Stück von mir verloren und einen sehr großen Teil von uns verloren. 
Bin ich eine Rabenmutter? Manchmal glaube ich es fast selbst. Aber was ist falsch daran, ein glückliches, selbstbestimmtes Leben zu leben? Warum lässt sich das nicht mit Kind vereinen? Ich hatte nicht damit gerechnet, dass es so schwer sein würde. Ich hoffe, dass Stefan und ich wieder zueinander finden, aber eins ist sicher, Samuel wird Einzelkind bleiben.


Wenn Ihr ebenfalls zu einen (kontroversen) Thema schreiben und Euren Gedanken eine Stimme geben wollt, dann könnt Ihr mir gerne Eure Beiträge zusenden. Die Teilnahmebedingungen und das Procedere findet ihr hier.  

1 Kommentar:

  1. Ich kenne die Gefühle. Jedenfalls im ersten halben Jahr als frischgebackene Mutter. Ich fühlte mich alleingelassen und unverstanden. Wir stritten viel. Ich dachte ernsthaft über eine Trennung nach. Es war ganz ganz schlimm. Doch dann kam eine Wende. Für meinen Mann war es nämlich ähnlich schwierig. Er brauchte seine Zeit um anzukommen. Die Erwartungen auf beiden Seiten waren zu hoch und nicht realistisch. Was half war reden. Der Mann musste sich öffnen und ehrlich sein. Sich seine Sorgen und Ängste eingestehen und mir mitteilen. Ebenso mußte ich das tun. In aller Deutlichkeit. Seelenstriptease! Dann mussten wir uns bei sortieren unduns gegenseitig unterstützen. Man muss Alles klar kommunizieren. Das war nicht leicht, aber wir haben dies Kurve gekriegt.
    Eines sollte aber klar sein: das Leben mit Kind/ern ist anders.darauf muss man sich dann einlassen. Man ist dadurch nicht automatisch glücklich.
    Ich wünsche viel Glück und dass ihr nochmal zueinander findet!

    AntwortenLöschen