Gedanken über den Tod - Gedanken über das Leben

Montag, Juli 18, 2016


Irgendwann werden wir alle gehen müssen,  denn wir sind nicht für die Ewigkeit gemacht. Obwohl uns das im Unterbewusstsein klar sein dürfte, so versuchen wir diese Tatsache jedoch zu ignorieren und von uns wegzuschieben. Andernfalls würde uns dieser Gedanke ja in den Wahnsinn treiben.

Wir alle stehen mitten im Leben und haben hoffentlich noch viel Zeit. Wir alle hoffen auf einen natürlichen Tod, wenn wir alt sind und unser Leben gelebt haben. Aber leider wissen wir, dass das auch anders kommen kann. Dass das Leben unberechnebar ist und der Tod leider auch.

Eine Mutter sollte NIEMALS ihr Kind sterben sehen, aber auch einem Kind, sollte NIEMALS die Mutter genommen werden. Und dennoch passiert das leider immer wieder: Durch Krankheit, durch Unfälle, durch Kriege. Das Leben kann sehr grausam sein.

Der Tod der Moderatorin Miriam Pielhau hat mich tief erschüttert. Bis aufs Mark. Ich kannte diese junge Frau nicht, weder habe ich ihre Karriere verfolgt, noch wusste ich Details über ihr Leben. In den Medien hatte ich vor langer Zeit vernommen, dass sie an Brustkrebs erkrankt war, dass sie tapfer den Kampf gegen dieses heimtückische Leid aufgenommen hatte und ihn scheinbar gewonnen hatte. Irgendwann hatte ich gelesen, sie habe eine Tochter bekommen und es hatte mich gefreut, ist das doch nach einer Krebstherapie nicht immer selbstverständlich. Und dann las ich letzten Dienstag die Nachricht von ihrem Tod. 

Meine Gedanken waren sofort bei ihrer kleinen Tochter und ich muss gestehen, mir kamen die Tränen. Weil Mutter und Kind plötzlich alles genommen wurde. Mit einem Schlag gibt es keine Zukunft mehr für sie zusammen. Ein kleines Mädchen, das ihre Mutter nun nur in der Erinnerung behalten wird (soweit das kindliche Gedächtnis überhaupt so früh Erinnerungen speichern kann. Meine frühesten Erinnerungen reichen etwa mit drei Jahren zurück. Sie sind wage und sehr verschwommen.) Doch der Tod von Miriam Pielhau steht nur stellvertretend für  den Tod vieler Mütter, deren Leidensgeschichte niemals den Weg in die Medien finden wird, von denen die Öffentlichkeit niemals erfahren wird.

Es macht mich unendlich traurig, daran zu denken, dass eine Mutter ihr Kind nicht aufwachsen sehen wird, dass ein Kind plötzlich keine Mutter mehr hat. Wie erklärt man das einem Kind? Wie tröstet man eine Mutter, deren Kind plötzlich nicht mehr da ist? Keine Worte können von diesem Leiden befreien, den Schmerz nehmen und trösten. 

Seit ich selbst Mutter bin, ist mir mein eigenes Leben sehr viel wichtiger geworden. Weil ich nun Verantwortung trage, weil mein Kind mich braucht, meine Tochter mir die Welt bedeutet. Natürlich hätte sie noch ihren Vater, der sich liebevoll um sie kümmern und alles dafür tun würde, dass es ihr gut geht und dass es ihr an nichts fehlt. Das ist ein großer Vorteil. 

Aber dennoch ist eine Mutter eine Mutter und keiner kann sie wirklich ersetzen. Das Band, das Mutter und Kind verbindet, ist ein ganz besonderes. Wir alle möchten für unsere Kinder da sein, sie aufwachsen sehen, ihnen Halt geben und erleben wie sie ihren Weg gehen. Sehen, dass sie ihren Platz in der Welt gefunden haben. Doch was wir wollen und uns von Herzen wünschen und was uns letzten Endes ermöglicht wird, wieviel Zeit wir auf Erden wirklich haben, das liegt nicht in unserer Entscheidungsgewalt.

Es bricht mir das Herz daran zu denken, dass einer Mutter das verwehrt wird, dass einem Kind diese Geborgenheit genommen wird. Sei es, weil die Mutter stirbt, oder noch schlimmer, man das eigne Kind in den Tod verbanschieden muss. Es sind unvorstellbare Gedanken.

Ich selbst weiß, was es heißt mit der Angst vor dem Tod zu leben. Auch meine Mama ist schwer krank. Es ist wie ein Damoklesschwert, das über mir hängt, über uns allen hängt. Aber ich bin Erwachsen. Meine Kindheit wurde mir nicht genommen. Meine Jugend war voller Liebe und mein Leben ist es immer noch. Ich bin dankbar für jeden Tag, für jedes Gespräch, das wir zusammen haben.

Der Gedanke über den Tod lässt mich dennoch erstarren. Denn er ist endgültig und es gibt kein zurück. Deshalb ist unsere Zeit zusammen so kostbar. Deshalb sollten wir nicht im Streit auseinandergehen, deshalb sollten wir uns auf die wichtigen Dinge konzentrieren und unser Leben feiern und ehren so gut es geht. Wir sollten unseren Blick auf die wirklich wichtigen Dinge lenken und uns nicht von Nichtigkeiten die Tage und die Laune verderben lassen.

Ich kann wirklich von mir behaupten, dass ich erst seit ich Mutter bin, weiß, dass Liebe weh tun kann. Sie ist bittersüß und erfüllt mich ganz. Und dennoch wusste ich davor nicht, was WIRKLICHES Glück bedeutet.
Mein Wunsch ist es, dass meine Kleine so viel Zeit mit ihren Großeltern verbringt, wie es nur möglich ist. Dass sie eine Erinnerung an sie hat, sie im Gedächtnis behalten wird, denn auch sie werden eines Tages nicht mehr da sein, aber sie sind dennoch ein wichtiger Teil ihrer eignenen Geschichte.

Wir sollten das Leben feiern, solange wir können. Für unsere Kinder, für unsere gemeinsame Zeit. Anna von Berlin-Mitte-Mom hat in ihrem sehr berührenden Text davon gesprochen, dass wir Anker für unsere Kinder auswerfen sollten. Das ist ein sehr schöner Gedanke.

Wir alle werden früher oder später aus dieser Welt scheiden. Aber wenn es dann soweit sein wird, sollten wir zurückblicken können und sagen können: "Wir haben unser bestes gegeben". Für uns. Für unsere Kinder.

Lasst uns auf uns Acht geben.

Alles Liebe

Eure Anna


Weiterführende Links, die sich mit dem Thema Tod und Trauer (sowohl Mutter- als auch Kindstod) und dem Leben danach befassen:

Berlin-Mitte-Mom: Hand in Hand, wenn Mütter sterben 
Mamasprosse: Ich, Du und der Tod
Kaiserinnenreich

Kommentare:

  1. Der Mensch muß keine Angst vor dem Tod haben, eher vor dem ungelebten Leben. ~Marc Aurel

    Ich kenne das Gefühl, seit ich Mutter bin, mache ich mir über viele andere Dinge Sorgen. Ich liebte Motorrad fahren, aber irgendwie habe ich nicht einmal mehr das Bedürfnis danach. Selbst wenn ich weiß, dass ich gut fahre und nicht riskant, gibt es soviele Idioten unterwegs. (Heute früh erst wieder auf der Autobahn.. Fährt ein Sprinter plötzlich nach rechts weil er auf die Abfahrt will und übersieht den Sprinter neben sich, der erschrocken auf den Standstreifen hoppelte! UM GOTTESWILLEN!)

    Meine beste Freundin ist vor 4 Jahren mit 22 Jahren an Leukämie gestorben. Ich weiß noch, wie sie einmal total niedergeschmeddert auf meiner Couch saß, dass sie niemals Kinder bekommen kann. Doch dann mussten ihre Eltern erleben wie es ist, dass eigene Kind zu verlieren.

    Manchmal wache ich nachts auf und lege Rini eine Hand auf den Brustkorb und fühle es wie ihr Brustkorb sich hebt und senkt... Einfach ein gleiches Zeichen, dass sie atmet.

    Ich finde es auch schade, dass Rini niemals ihren Opa Gunther (mein Vati) kennenlernen wird. Er war so ein toller Vater, doch er hat sich leider selbst kaputt gemacht und ist Anfang des Jahres gestorben. Wobei den Mann, der er am Ende war, denn sollte niemand kennenlernen...

    Es ist nicht leicht, aber wenn man Angst vor dem Tod hat und somit nicht lebt, bringt es ja auch nichts :)

    LG
    Bammy

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, wir sollten das Leben leben so gut wir können. Versuchen, die schönen Momente auszukosten, Erinnerungen zu schaffen. Angst lähmt, wir sollten handeln. Denn trotz allem ist das Leben auch so schön. Unsere Kinder sind der Beweis! Alles Liebe Anna

      Löschen
    2. Manchmal fällt es einen nicht so leicht... :)

      Löschen
    3. Ja. Man muss an allem arbeiten, auch an den Einstellungen und das ein Leben lang. Man lernt eben nie aus ;-)

      Löschen