Wider dem Perfektionswahn: Einfach nur normal und glücklich

Mittwoch, Juli 13, 2016



Perfektion ist das neue Mantra

Dass wir Frauen, pardon wir Mütter im speziellen, nicht die perfekten elfengleichen Wesen sind, die jeden Tag freudestrahlend durchs Leben tänzeln, zugleich adrett und gepflegt sind, und immer ein Lächeln auf den Lippen haben, während wir Familie und Karriere miteinander zu vereinbaren suchen, das dürfte zumindest fast jeder, der halbwegs in der Realität angekommenen ist, verstanden haben.

Das in der Öffentlichkeit suggerierte Bild der wunderschönen Ehefrau, die zugleich Spitzenköchin, Sexgöttin und Haushälterin ist, deren Putzen zur heimlichen Leidenschaft gehört, der niemals der Geduldsfaden reißt, weil sie mit sich und der Welt im Reinen ist, die Pilates, pardon wie altmodisch, die natürlich Yoga, zur Bewusstseinsentfaltung täglich praktiziert und deren Körper als positiver Nebeneffekt dem einer Gazelle gleicht, darauf fallen, glaube ich, auch nur wenige rein. 



Warum uns Vollkommenheit unvollkommen fühlen lässt

Aber dennoch lassen uns all diese perfekten Bilder aus der digitalen Welt zuweilen schlecht fühlen. Denn diese holen uns auch immer häufiger in unserem realen Leben ein: Die eine Freundin oder Bekannte, die trotz der Schwangerschaft immer noch eine Bombenfigur hat, die immer fröhlich und überall beliebt und einfach nur die perfekte Mama ist, das Paar, das massig Geld verdient, die wunderhübschen Kinder, die immer so aufgeräumt und einfach nur perfekt erscheinen, das alles lässt uns manchmal zweifeln, daran, warum wir es nicht schaffen, so vollkommen zu sein wie wir es gerne wären. 

Warum wir es nicht hinbekommen, wenigstens ein Quäntchen jener vorgelebten Perfektion in unseren Alltag zu integrieren. Dabei hinterfragen wir nicht, wir blicken nicht hinter die Fassade. Wir lassen uns blenden und glauben, was wir zu sehen bekommen.

Ich gebe zu, manchmal da könnte ich die Peitsche schwingen, nicht im Schlafzimmer, nein quer durch die Wohnung, auf der Jagd nach meinen unsichtbaren Dämonen. Manchmal bin ich müde immer nur Idealen hinterherzurennen, mich zu kasteien und mich selbst zu verurteilen für all jenes, was ich nicht hinbekommen habe. 

Manchmal da bin ich zornig und fange einen Streit an oder ich bin genervt, weil alles schleppend geht und mir die Zeit fehlt. Manchmal da habe ich Angst, vor dem was kommt. Ob ich alles schaffen werde, was ich mir vorgenommen habe, denn es muss ja immer alles perfekt sein und andere könnten ja darüber urteilen. 

Es ist zuweilen ein großer Druck, den wir auf uns selbst ausüben. Immer auf der  Suche nach der Perfektion, nach dem besten Bild, dem vollkommen Augenblick, dem idealen Partner. Wie öde und dröge doch diese vollkommene heile Welt doch im Grunde ist, findet ihr nicht?  


Die Parabel mit dem Kuchen: Schön bedeutet nicht immer gut

Am Wochenende hatte meine Schwiegermutter Geburtstag. Ich habe einen Kuchen gebacken, der köstlich geschmeckt hat. Ein ganz wundervolles Rezept, doch niemand hat ihn probiert, nur ich habe davon gegessen. Warum? Weil mein Kuchen neben den anderen herrlich aussehenden Torten so klein und unscheinbar war und so ganz unglamourös daherkam. Schade, oder? Ich versichere Euch, die Gäste haben wirklich etwas verpasst.

Diese kleine Anekdote lässt sich ja eigentlich ganz gut auf unseren Alltag übertragen: So vieles, was nicht makellos ist, wird übersehen, alles was sich nicht dem Schönheitskanon unterwirft, findet keine Beachtung.  

Vor lauter Eifrigkeit verlieren wir unsere Erfolge aus den Augen, weil wir uns immer nur an höherem und besseren messen. Wir haben NUR zwei Kilo abgenommen, statt stolz und glücklich zu sein, da putzen wir uns noch mal ordentlich runter und machen ganz klein. Denn es ist nie gut genug. 
Unser Kind schläft nicht durch? Warum funktioniert das denn bei Hanni und Nanni so gut? Was machen wir falsch? Wieso ist denn klein Hannes schon windelfrei? Gibts doch gar nicht??? Dabei übersehen wir vielleicht, dass Im Gegenzug Lisa ein erholsames Mittagschläfchen hält oder dass der kleine Ben keinen Schnuller mehr braucht. Wir sehen immer nur das was in unseren Augen nicht perfekt läuft, übersehen dabei aber großzügig unsere Erfolge.



Gut genug ist manchmal genau richtig

Ich glaube aber, dass unser Leben mit seinen jeweiligen Begebenheiten und Eigenarten sehr wohl (zumindest für uns) gut genug sein kann, es kommt nur auf den Blickwinkel an. Dass wir, egal in welcher Lebenssituation wir uns befinden, wir trotzdem ein gutes Leben führen können. Denn perfekt ist keinesfalls ein Synonym für gut. 

Ja, es gibt es diese Tage, in denen der Partner und die Kinder nerven, die Oma  mit ihrer Besserwisserei und ihren Erziehungstipps einem auf den Keks geht und die beste Freundin mit ihren guten Ratschlägen, gerne mal den Heimweg antreten kann. Und es ist auch vollkommen ok, dass wir so empfinden. Wir müssen nicht jeden Tag gut gelaunt sein und uns an unserer Umwelt erfreuen. 

Wir selbst haben doch ein Gespür, was gut und vertretbar ist in unserem Leben. Sei es in der Erziehung unserer Kinder oder in unserer Partnerschaft. Es wird immer Menschen geben, die glauben darüber urteilen zu können. Warum sollten wir ihnen so viel Macht geben? 



Jeder Tag ist eine neue Chance

Das tolle ist, dass wir jeden einzelnen Tag von neuem starten und den Reset-Knopf drücken können. Nicht für unser Leben im Allgemeinen, sondern für unseren Kopf und unsere darin gefangenen negativen Gedanken. 
Scheitern ist ein so hässliches Wort. Etwas nicht  zu schaffen, ist kein Untergang. Es eröffnen sich dann eben neue Wege und Perspektiven. Sich auf sich selbst zu besinnen ist der erste Schritt in unsere Zukunft.

Audrey Hepburn hatte ganz Recht mit ihren Worten: 

Nothing is impossible, the word itself says: I’m possible.
Warum also nicht umdenken? Für ein selbstbestimmtes und glückliches Leben in dem die Perfektion nur eine kleine Facette unseres spektakulären Daseins ist. 

Denn was bedeutet eigentlich Glück? Den Maßstab müssen wir für uns selbst definieren.


Alles Liebe

Eure Anna

Kommentare:

  1. Gefällt mir und teile ich zu hundert Prozent! Ich gehöre auch zu der Sorte von Menschen, die alles immer perfekt machen und haben wollen, ich hänge an der Meinung anderer und messe mich auch mal gerne an der vermeintlichen (Schein)realität der anderen. Life doesn't need to be perfect but wonderful!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Oh Dankeschön, liebe Claudia. Wenn man aufhört sich immer an anderen zu messen, nimmt es einem einen gewissen Druck und man ist enspannter. Die Meinung anderer war mir früher sehr wichtig, heute interesssiert sie mich zwar auch noch, aber ich lasse mich lange nicht mehr davon leiten sondern versuceh bei klarem Verstand darüber zu reflektieren und meine eigenen Schlüsse zu ziehen. Wie recht du hast: Life has to be wonderful :-). Und mehr ist dem gar nichts hinzuzufügen! :-)

      Löschen
  2. Während des lesens dachte ich schon: "Wie, dass ich mir wünsche auch so toll schreiben zu können!" Mir fehlen die tollen Themen, als das mein Blog wirklich interessant wäre wie deiner :D

    Aber im allgemeinen bin ich ganz zufrieden. Es läuft nicht alles perfekt, aber ich bin zufrieden. Manches könnte besser sein? Natürlich, aber es ist kein Weltuntergang.

    Es wird leider immer schlimmer, dass alle immer besser und toller sein wollen. Genauso perfekt wie die heile Welt die andere widerspiegeln, aber sicherlich gibt es den ein oder anderen, der "neidisch" ist, dass Rini nie ein Nuckel hatte, dass Rini selten eine Szene macht und bereits sehr zeitig anfing mit laufen und an unserem Tisch zu essen. Aber das ist halt nur eine Seite der Medaille, es gibt genauso was nicht gut läuft (einschlafen z.b. :D weißt du ja.)

    Don't worry, be happy :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Aber wieso, denn? Du schreibst doch ganz wunderbar! Und glaub mir, mein Blog ist nicht sehr viel interessanter als Deiner! Es kommt eben immer auf die Interessen an und die sind so vielfältig wie es eben Menschen gibt :-) Oh ja, das mit dem Einschlafen das kenne ich ja auch gut, da teilen wir das gleiche Schicksal. Aber kein Nuckel und ein ruhiges (meistens zumindest ;-) Kind ist ja auch nicht zu verachten. Und genau das sollten wir uns auch immer das Positive hervorheben, alles andere zieht einen ja nur runter. Und ich möchte nur noch positives von Dir über Dich hören, versprochen? :-)

      Löschen
    2. Aber mir fehlen halt die Themen o.o Oft fällt mir was ein, aber bis ich es mal an den PC schaffe oder so... fehlt mir die Lust... Oder ich find es nicht mehr interessant.

      Löschen
    3. Da geht es mir manchmal ganz genau so. Wenn ich eine gute Idee habe, dann schreibe ich sie mir auf, manchmal entstehen die Beiträge aber auch ganz spontan und impulsiv. Ich glaube, es gibt kein Patentrezept. Einfach dran bleiben :-)

      Löschen