Nahkampf an der Fütterungsfront: Kräftemessen rund ums Abendbrot

Dienstag, Juli 05, 2016





Ich gebe zu, meine Freude war grenzenlos als Mäusekind endlich feste Mahlzeiten zu sich nahm. Ich freute mich so sehr, sie ans Essen heranzuführen und je größer sie wurde, desto mehr probierte sie aus und sie entwickelte sich von einer kleinen Skeptikerin zu einer kleinen Experimentierprinzessin.

Alles wurde probiert und mit Inbrunst verschlungen, so viel, dass ich mich oft fragte, wo denn das ganze Essen denn bei ihr bliebe, denn sie ist schlank und zierlich. Gemeinsame Mahlzeiten waren für mich regelrecht ein Fest, auch deshalb, weil wir ganz zu Anfang erhebliche Startschwierigkeiten hatten und sie jeglichen Brei zuerst verschmähte, so auf die Art: Was wollt ihr denn bitte mit dieser Pampe? Mich etwa vergiften? Wo bleibt denn bitteschön die MILCH?!?

Für Mäusekinds Papa und mich erleichterte die normale Nahrung vieles in unserm Alltag und man kann, so empfinde ich es zumindest, viel entspannter die Zeit am Tisch verbingen und Essen auch gemeinsam als Familie zelebrieren.

Nun, seit geraumer Zeit, ist unsere Tochter jedoch sehr penibel geworden. Gemüse??? Was soll ich denn damit? Brokkoli, Karottengemüse, jegliches Grünzeug wurde von heute auf morgen verschmäht. 


Aber die Mama ist ja clever und Italienerin obendrein. Also wie pimpt man Gemüse auf? Man schütte einfach den nahrhaften, leckeren und gesunden Parmesan drauf. Und zwar in rauen Mengen. Und siehe da, auch in Mäusekind erwachen die italienischen Geschmacksrezeptoren und das aufgemotzte Gemüse wird mit Begeisterung verschlungen.

Nun hat sie sich jedoch seit geraumer Zeit zur Gewohnheit gemacht, dass sie alles, was sie nicht essen möchte, unserem Familienhund Dante zuwirft. Am Anfang trug das ganze ja noch zur allgemeinen Erheiterung bei und sie ging zu dieser Handlung erst über, wenn sie satt war. 

Mittlerweile hingegen befördert sie alles, was ihr nicht schmeckt, von ihrem Teller auf den Boden. Unser Hund wartet schon hoffnungsvoll, denn er weiß, wenn Mäusekind isst, dann ist auch für ihn Fütterungszeit. 
Ich finde das Ganze nicht mehr spaßig, weil wirklich alles den Weg in den Abgrund findet, was ihrer Hoheit nicht mundet. Dann wird mal spontan die Wurst und der Käse vom Brot genommen und das Brot dem Hund untergeschoben. 
Ist der Belag dann auch verspeist, macht sie ihrem Unmut kund und verlangt Nachschub. 



Ich gebe zu, mich ärgert das. Erstens ist das eine ziemlich einseitige Ernährung, die sie an den Tag legt, zweitens kann  sie doch nicht einfach immer alles wegwerfen. Warum lässt sie es nicht einfach liegen? Schimpfen und motzen, ein sanftes Nein, das sich in einer Klimax immer schriller und lauter erst zu einem NEiHEIN und schließlich zu einem energischen fast gebrülltem NEIEIEIEIEN!!!! wandelt, das hilft alles nichts. Sie lächelt mich dann keck und provozierend an und schwubs - mit einer Handbewegung - landet die Nahrung wieder unter dem Tisch. 

Ist das etwa schon die erste Trotzphase? Das unerwünschte Verhalten verbal zu erklären, scheitert noch an ihrem sehr begrenzten Wortschatz, der meine Argumentationskette im Keim erstickt. Obwohl sie ja schon ganz genau weiß was NEIN bedeutet, denn sie benutzt dieses Wort ja selbst sehr gerne, um ihre Wünsche oder ihren Unmut zu äußern und ihre Grenzen aufzuzeigen. 

Im Falle ihrer ungeziemten Tischmanieren lässt sie hingegen mein NEIN vollkommen kalt. Ich bin mir sicher, dass auch das nur eine Phase ist, die sich wieder legen wird, im Moment macht es mir aber echt zu schaffen und treibt mich teilweise wirklich zur Weißglut.

Und die größte Ironie an der Geschichte ist nun auch, dass unser Dante, der früher dankbar jedes Krümelchen aufgelesen hat, mittlerweile nur noch Mäusekinds große Brocken verschlingt. Die Krümel sind mittlerweile unter seinem Niveau und er würdigt sie keines Blickes. Eines muss man den zweien ja lassen, sie haben sich wirklich zu einem eingeschworenen Team entwickelt. 

Und drei Mal dürft ihr raten, wer die Sauerei dann wegmachen darf? Genau, la Mamma!

So, ich geh mal wieder den Besen schwingen!

Kennt Ihr solche Situationen auch? Habt ihr Tricks und Tipps? Mir gehen nämlich langsam die Ideen aus.

Alles Liebe Eure 

Anna

Kommentare:

  1. Wie wäre es denn zum Beispiel den Hund während ds Essens zu entfernen? Vielleicht hat sich der Vorgang bereits ritualisiert und sie assoziiert mit dem Hund gleich das neue Spiel: wir werfen jetzt das Essen weg bzw. ich füttere nun den Hund? LG, Silke

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    1. Hallo Silke, ich bin mehr recht sicher, dass das gar nichts mit dem Hund zu tun hat, denn sie legt dieses Verhalten auch an den Tag, wenn unser Dante mal nicht mit von der Partie ist :-(. LG

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  2. Ach Anna, fühl dich umarmt und sei dir gewiss: Bei uns ist es momentan genauso. Sogar ohne Hund ;) Wenn Kiwi satt ist, schmeißt sie halt alles auf den Boden. Ich werd da auch echt sauer und mir fällt es wirklich schwer, ruhig zu bleiben.
    Was ein bisschen hilft, ist rechtzeitig zu erkennen, wann sie satt ist (oder nach dem ersten "Wurf") und ihr dann die offene Hand hinzuhalten und "Danke" zu sagen. Das kennt sie mittlerweile als Geste, bei der sie mir dann die Sachen gibt, die sie gerade hat. Das macht sie dann auch.
    Das große Problem ist allerdings: Oft sehe ich es ihr nicht an, wann sie satt ist und von einer Sekunde auf die andere fängt sie dann an, alles durch die Gegend zu pfeffern. So schnell kann man kaum reagieren. Zweites Problem: Manchmal wird auch nur zwischendurch mal kurz was runtergeworfen und dann weitergegessen. Das macht die Sache nicht einfacher ;)
    Ich kann dir leider keinen super-duper Tipp nennen, aber dir zumindest meine Solidaritätsbekundungen aussprechen! ;)

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    1. Hach, das ist ja mal beruhigend, dass das dieses Verhalten doch nicht so selten ist. Das mit dem Handaufhalten und Danke sagen haben wir früher auch gemacht (ich werde ganz nostalgisch), nun ist es leider so, dass sie alles wegwirft, was ihr nicht auf Anhieb schmeckt. Sie ist also noch gar nicht satt und selektiert schon im Vorhinein. Dann wird wieder gemault, weil sie Nachschub will (natürlich nur von dem guten Zeug ;-). AHHHH.... Aber deine Soidaritätsbekundungen bedeuten mir sehr viel, endlich jemand, der mich versteht :-). Fühl dich lieb umarmt!

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  3. Ich leide ebenfalls mit. Zunächst war das Fallenlassen ein klares Zeichen dafür, dass Kringel satt ist. Das war ja ganz praktisch irgendwie. Aber mittlerweile wird immer mal wieder was runtergeworfen, mit großer Freude und auch bevor er satt ist. Ich nehme ihm den Teller dann weg kurz weg und sage ihm, dass das Essen vorbei ist, wenn er es runterwirft. Meistens geht es danach gut. Und wenn er schon viel gegessen hat, kommt der Teller dann auch ganz weg, aber natürlich nicht, wenn er noch hungrig sein müsste, das bringe ich nicht übers Herz.

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    1. Ja, so wars bei uns auch! Früher wars ein Zeichen für : Ich bin satt. Das mit dem Teller ersteinmal wegnehmen ist eine gute Idee, darauf bin ich ersteinmal gar nicht gekommen. Klar, übers Herz bringen würde ich es auch nicht, das Essen abzubrechen, wenn sie noch nicht satt ist, aber zumindest versteht sie dann vielleicht, dass es nicht so sinnvoll ist, was sie da tut, weil es dann ersteinmal eine kleine Unterbrechnung gibt. Ganz lieben Dank für den super Tipp, ich werde ihn mal austesten, Gelgenheit dazu habe ich ja mehrmals täglich ;-). GLG, Anna

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  4. Das Bilderbuchmädchen pfefferte auch gern alles durch die Gegend was ihr nicht schmeckte. Bis heute darf auf keinen Fall etwas auf ihrem Teller bleiben, das sie nicht mag. Geht einfach nicht. Sehr lange landete auch alles auf dem Boden, und alle meine "Neins!" wurden nur frech grinsend quittiert. Seit einiger Zeit, versucht sie das unliebsame Essen immerhin Mama oder Papa unterzujubeln, sprich, sie schmeißt es auf unsere Teller. Oder hält uns die Gabel vor den Mund und gebietet: "Mama essen! Papa essen!" ;)
    Eine Verbesserung brachte auf jeden Fall die Tatsache, als sie mit anderthalb etwa selbst den Trip-Trap Hochstuhl herunter konnte. Wenn sie satt ist, klettert sie nun einfach vom Stuhl und verschwindet. Leider sorgt das oft für viel Unruhe am Tisch, da es ja langweilig ist zu spielen, wenn Mama und Papa noch essen. Also wird der Stuhl meist als Klettergerüst benutzt ;) Und obwohl sie jetzt nicht mehr alles extra auf den Boden wirft, landet dort noch viel und es geht mir tierisch auf die Nerven! Irgendwie klebt der Boden immer und ein Meer von Krümeln findet sich auch immer. Furchtbar!

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    1. Hihi, ja, das kenne ich auch mit den Krümeln, zum Glück betreibt ja unser Hund aktive Schadensbegrenzung :-). Bin mal gespannt, ob sich das mal bessert.Bei uns ist das Problem aber z. B. dass sie Brot zwar alleine mag, ist da aber auch Wurst auf dem Teller, pfeffert sie das Brot einfach weg.Dass sie uns füttern will, kenne ich auch, das ist einfach zu niedlich, nicht? Da könnte ich vergehen vor Mutterliebe :-)Ich bin ja echt guten Mutes, dass das mal alles besser wird, zumindest kenne ich keinen Erwachsenen, der das Essen auf den Boden pfeffert, wenn er satt ist oder ihm was nicht schmeckt :-). Das ist ja schonmal beruhigend ;-)

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