oi, oi, oi...Euphemismus!

Donnerstag, September 01, 2016



Wir Eltern neigen ja bekanntlich dazu, unseren lieben Kleinen mit blumigen Worten, nicht so attraktive Begebenheiten schmackhaft zu machen.  Schönzureden. Ist doch nicht verwerflich, oder? Schließlich findet man das anzupreisende als Eltern ja selbst total gut. Für das Kind in erster Linie und für uns ja dann irgendwie auch. Warum nur divergieren dann die Vorstellungen von Spiel und Spaß bei Kind und Mama/Papa so weit auseinander? 

Ganz klar, was für den einen Spaß bedeutet, ist für den anderen eine Einschränkung seiner Persönlichkeit. Egal von welcher Seite man das betrachtet. Eine liebe Freundin lieferte mir die Vorlage für diesen Artikel. Sie nennt den wirklich riiiiiesigen Laufstall ihres Kindes: "SPIELEPARADIES". Ihr kennt diese Teile bestimmt, die baut man auf dem Boden auf, sind variabel verstellbar und haben die Größe eines Fußballfeldes. Zumindest gefühlt. Also wirklich viel Platz für bewegungsaktive Kinder. Nicht diese kleinen Zellen, wo man sich kaum um die eigene Achse drehen kann. 

„Kommt, Kinder, wir gehen ins Spieleparadies“, flötet meine Freundin und wir beide müssen lachen. Unsere Kleinen protestieren lauthals -euphemistisch ausgedrückt- in Wahrheit weinen sie zuerst jämmerlich, sobald wir sie dort hineinsetzen, aber dann entdecken sie die Vielfalt an Vergnügungen und Spielzeug und alles ist wieder gut. 
Und in der Zwischenzeit, kann die Mama auch kurz Dinge erledigen, wie Kochen, Bügeln oder schnell in den Keller rennen ohne befürchten zu müssen, dass das Kind sich in seinem Entdeckerdrang Verletzungen zufügt oder Dinge zerstört. Oder wir können uns einfach mal eine Viertelstunde zurücklehnen, zusammen einen Kaffee trinken und gemütlich erzählen, während die Kleinen spielen.

Ich benutze ja auch gerne Beschönigungen, um Mäusekind meine Bemühungen positiv näher zubringen: „Heute gibt’s lecker Brokkoli“ wird ja von unserer Tochter meistens nur mit einem verächtlichen „NÖÖÖ!!!“ kommentiert. Da muss man sich als Mami schon etwas einfallen lassen. So in etwa wie „Heute gibt’s Mamas Gemüsetraum mit gaaanz viel Parmesan, mmmmhhhhh, was für eine Geschmacksexplosion“. 
Sie schaut kritisch. Probiert, schüttelt den Kopf und tönt erneut „NÖÖÖÖ!!!“. 
„Mhmmm, so lecker“ zwitschere ich und esse noch eine Gabel. „Willst du nicht nochmal probieren?“ Widerwillig wird das gesunde Mahl schließlich eingenommen. Hauptsache es wird gegessen, nicht wahr?


Wickeln ist ja hier auch sehr beliebt! "PIPI" ruft, sie lautstark, wenn es dann soweit ist. "Ohhh, super mein Schatz, jetzt machen wir dich WINDELFRISCH!", beschönige ich den kommenden Wickelvorgang freudestrahlend. Sie lacht und siehe da, Wickeln ist plötzlich gar kein Problem mehr!
 

Wenns ans Zubettgehen geht, muss ich mir auch immer schöne Worte einfallen lassen. Zähneputzen  mag sie ja total gerne. „Sooo, jetzt werden Zähnchen geputzt“, sie lacht vergnüglich „und dann geht’s ab in die Heia“. Sobald sie ihr Kinderbett erblickt, ist die gute Laune dann um. 
Meist kuscheln wir dann noch im großen Elternbett, weil es für mich einfach bequemer ist. Sobald das Licht ausgeht, wird wieder gequängelt, denn sie weiß, was ihr blüht: Ganze 9 Stunden Schlaf. Jawohl! Das ist echt anstrengend, liebe Mama, so 9 Stunden durchzuschlafen. Tue ich nur dir zuliebe! Ganz ehrlich! Das weiß ich auch sehr zu schätzen mein Kind, tagsüber schläfst du ja dafür überhaupt nicht mehr und sparst die alle Energie für die Mama auf! Hach! Schön, nicht? 

Naja, zurück zum Zubettgehen. Licht aus, Sirene an. Aber dann sage ich: "Schau, da oben sind die Sterne! Und deute im Dunkeln auf unseren Leuchtwecker, der die Uhrzeit an die Decke in roten Ziffern projitziert. Stimmung gerettet. Sie gluckst, zeigt nach oben und wiederholt: „STÄÄÄNE!“ „Ja, die Sterne“, lüge ich weiter und erzähle ein wenig von den kosmischen Anomalien da an unserer Schlafzimmerdecke, während sie sich an mich kuschelt und irgendwann zufrieden einschläft.

Während sie selig schlummert, trage sie rüber in ihr Bett und freue mich, dass meine kleinen Lügen gute Stimmung erzeugt haben. Bei Mutter und nach etwas Widerstand auch bei der Tochter. Zum Glück gezwungen sozusagen ;-)

Die Zukunft als Astronomphysikerin habe ich ihr womöglich gründlich verbaut ;-). Mea culpa!

Alles Liebe

Eure Anna


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