Trauer - und das Leben danach

Samstag, Dezember 10, 2016





Seit gestern vor genau vier Wochen habe ich keine Mama mehr. Ich wandle durch meinen Alltag, bin in meinem Herzen zwar immer noch Tochter, aber fühle mich nicht vollständig, bin nicht ganz, treibe im luftleeren Raum. 

Es war ein schwarzer Tag, der 9. November, ein Tag, der mich niemals wieder mehr loslassen wird. Ein Tag, der so dunkel war, so voller Schmerz, so voller Trauer, so voller Unfassbarkeit. 

Ich war da, als du gingst. Der Anruf aus dem Krankenhaus kam um 6 Uhr in der Früh. Als ob mein Unterbewusstsein es geahnt hätte, war ich bereits seit 5 Uhr wach. 

Ich fuhr gleich los, setzte mich an dein Bett, hielt deine Hand, weinte, betete für dich. Ich streichelte deinen Kopf und umarmte dich, konnte und wollte mir niemals vorstellen, dass dies die letzten Stunden sein würden, die mir mit dir gewährt sein sollten. Ich habe viele Tränen geweint. Als du gingst und all die Wochen danach. Ich glaube, du hast gespürt, dass du nicht alleine warst, Mama, dass ich bei dir war, in deiner und auch in meiner schwersten Stunde. 


Manchmal da denke ich, es ist niemals passiert. Manchmal da möchte ich dir unbedingt etwas erzählen, ja und dann fällt es mir wieder ein; dass ich das physisch gar nicht mehr kann.  Und dennoch rede ich noch jeden Tag mit dir und das werde ich tun bis an mein Lebensende, denn ich weiß, dass du da bist und mir zuhörst, dass du uns beschützt, dass du über deine Enkelin und über meine Familie wachst.

Das Leben geht weiter, es muss weiter gehen. Deine Enkelin wird dich niemals vergessen, denn ich werde ihr von Dir erzählen. Oft schauen wir Bilder von Dir an und jeden Abend beim Zubettgehen wirft sie einen Kuss in die Luft, für ihre Nonna da oben im Himmel. 

Ihre Patentante hat ihr ein Leporello geschenkt, darin werde ich Bilder von dir für sie einkleben. Es soll ihr ganz persönliches Erinnerungsbuch an ihre Nonna werden. 
Es tut mir weh, wenn sie oft nach dir fragt, aber ich bin dennoch froh, dass du noch so präsent in ihrem Leben bist, dass sie sich noch erinnert. Das spendet mir Trost. 

Am Tag vor deinem Tod, bevor du das Bewusstsein verloren hast, habe ich dir noch von ihr erzählt und du meintest, sie wäre dein kleiner Engel. Doch der Engel, der bist du für uns, Mama. Das bist du wirklich. 

Der Alltag geht weiter, meine Tage sind voll, ich habe kaum Rast und auch wenn ich am Ende des Tages vor Müdigkeit in mein Bett falle, dann bin ich froh, dass ich Beschäftigung habe. Ich wüsste nichts mit mir anzufangen, meine Gedanken, die Trauer, sie sind immer da. Hätte ich nichts zu tun, würden sie mich um den Verstand bringen.

Unsere Maus hat in der Zwischenzeit die Eingewöhnung im Kindergarten wunderbar hinter sich gebracht, es gab keinerlei Dramen, kein Weinen, kein Klammern. Ein Segen. 

Die Weihnachtszeit steht vor der Tür, das erste Fest ohne dich, Mama, ich komme nicht so recht in Stimmung, aber dennoch möchte ich unserer Tochter schöne Erinnerungen an ihre Kindheit  bescheren, denn sie sind es doch von denen wir als Erwachsene ein Leben lang zehren. Also haben wir heute einen Baum gekauft. Die Wohnung werde ich schmücken, alles so herrichten, damit es schön ist. 

Ich bin dankbar für all die Menschen, die mir nahe gestanden haben und die es immer noch tun. Von einigen hätte ich es nicht erwartet und ihre aufrichtige Anteilnahme hat mich sehr gerührt: Die stille Verbundenheit, die leisen Gesten, die tröstenden Worte, die herzlichen Umarmungen und all die tiefen Gespräche. Jeder einzelne hat einen bedeutsamen Beitrag geleistet, meinen Schmerz zu verarbeiten, dafür möchte ich mich bedanken. 

Enden möchte ich mit einem Gespräch, das ich mit meiner besseren Hälfte hatte. Wir sprachen über den Tod, die Vergänglichkeit und ich sagte: "Was ist unser Leben angesichts des Todes eigentlich wert?" Und er antwortete: "Wir sind das wert, was wir anderen Menschen geben und das, was wir anderen Menschen bedeuten." 

Ist das nicht tröstlich und einfach wunderschön? Danke, du Liebe meines Lebens.

Meine Mama war uns allen sehr wichtig, mir als Tochter, meinem Papa als Gefährtin, ihren Geschwistern als Vertraute, meiner Tochter als Oma, meinem Mann als Schwiegermutter. Sie hat so vieles für uns getan und wird immer in unseren Herzen bleiben. 

Diesen Eindruck möchte ich bei meinem Kind auch hinterlassen und deshalb muss es weitergehen, trotz Trauer, trotz Tiefschlägen, trotz Tränen. So wie man immer Kind bleiben wird, so bleibt man auch eine Mutter ein Leben lang und das über den Tod hinaus. 

Ich möchte meiner Tochter ein warmes und behütetes Nest geben. Das möchte ich wirklich.

Eine Umarmung.

Eure Anna
 




Kommentare:

  1. Mein tiefes Beileid für Dich und Deine Familie! Ich sende Dir Kraft und gute Gedanken, um diesen Verlust zu verarbeiten. Ich umarme Dich.
    Alles alles Liebe!

    AntwortenLöschen
  2. Das tut mir sehr Leid. 😓 Ich wünsche Dir ganz viel Kraft!

    AntwortenLöschen
  3. Liebe Anna, mein herzliches Beileid. Behalte deine Mama im Herzen.
    LG Anke

    AntwortenLöschen
  4. Liebe Anke, ja, das werde ich, in meinem Herzen und durch ihre Enkelin lebt sie weiter. Ich danke dir von Herzen! Alles Liebe!

    AntwortenLöschen