Abschied tut weh: Familienmoment Nr. 16

Mittwoch, Januar 25, 2017



Unser Familienmoment diese Woche ist eigentlich sehr traurig. Nachdem meine Mama, Mäusekinds Nonna, so plötzlich und unerwartet von uns gegangen ist, hat sie in unseren Herzen eine sehr große Lücke hinterlassen. 
Ihr Zimmer habe ich ersteinmal so gelassen wie es war, auf ihrem Nachtisch liegt noch alles genau so wie sie es hinterlassen hat, ihre Kleidung hängt noch im Schrank, ihre Bücher, alles ist unberührt. Ich habe einfach noch nicht das Herz, ihre persönlichen Dinge wegzugeben oder sie zu entsorgen. Ihre Pullis riechen noch nach ihrem Parfum...es ist einfach schwer. 

Nach ihrem Tod habe ich das Sanitätshaus angerufen, damit sie den Rollstuhl und das Pflegebett wieder abholen. Sie haben sich lange Zeit gelassen, aber Anfang dieser Woche kündigte sich der Mann von Sanitätshaus an, sie würden die Sachen nun gerne wieder mitnehmen. 

Als meine Mama noch am Leben war, hat sich unsere kleine Maus gerne hinter ihren Rollstuhl gestellt, sie hob dabei ihre kurzen Ärmchen an die Griffe und versuchte ihre Nonna zu schieben; das heißt natürlich konnte sie das nicht wirklich, sie hat nur immer so getan als ob, wenn meine Mutter sich damit fortbewegt hat. Jedenfalls hatten dann alle einen Rießenspaß und wir mussten dann immer gemeinsam lachen, während Mäusekind immer wieder rief: "Nonna brumbrum".


Ja, diese Woche kam also der Mann vom Sanitätshaus. Er baute das Bett ab und packte den Rollstuhl zusammen. "Nonna Brumbrum, weg!", rief Mäusekind ganz entrüstet. "Nonna Brumbrum weg!". 
Mir zog sich der Magen zusammen. 
Ich nahm sie fest in die Arme und sagte: "Aber die Nonna ist da nun oben im Himmel und braucht den Brumbrum nicht mehr!". 
"Nonna oben" wiederholte Mäsuekind und deutete zur Decke. 

Die abgeholten Möbel haben eine große Lücke hinterlassen, in unserem Räumen, in unseren Herzen und in unserem Bewusstsein. 
Mit noch keinen zwei Jahren ist dieses Bewusstsein in Mäusekinds Wesen bereits verankert. 

Leider oder zum Glück - je nachdem aus welcher Warte man es betrachtet.  Leider, weil sie viel zu früh mit einem Verlust in Berührung kam, zum Glück, weil ihre Nonna noch so präsent für sie ist und sie von sich aus ganz oft Nonna-Fotos anschauen will. 

Denn so schmerzhaft das für mich auch ist, so tröstlich ist es aber auch, dass Mäusekind sich (noch) erinnert. Das Leben ist eben vielschichtig. Nicht nur Schwarz. Nicht nur Weis.


Alle Liebe 

Eure Anna


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Kommentare:

  1. Oh, das ist so rührend. Ich musste glatt ein Tränchen verdrücken.
    Unter Umständen erinnert sich das Mäusekind aber sein Leben lang. Nicht nur weil ihr von der Nonna erzählt. Ich hatte einen Großonkel den ich sehr mochte. Meine Großtante und er wohnten direkt neben an. Wir sahen uns also oft und gern. Und das letzte Foto von ihm und mir...da bin ich definitiv noch nicht im Kindergarten gewesen. Er verschwand sehr schnell aus meinem Leben. Er hatte, wie ich heute weiß, Krebs und starb daran. Mir sagte man damals, er wäre zur Kur gefahren. Eine lange Kur...
    Sie wollten mich damals nicht erschrecken und haben sich diese Notlüge ausgedacht, weil ich noch so klein war. Ich habe lange nach dem Großonkel gefragt und vor allem lange gewartet. Es ist definitiv besser die Wahrheit zu sagen. Das er einfach nicht wieder kam, habe ich nicht verstanden.
    Ich glaube aber eine kurze innige Zeit miteinander hinterlässt auf jeden Fall Spuren. Schöne Spuren. :-)

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    1. Liebe Beatrice, ganz lieben Dank für deine tröstenden Worte. Ich hoffe inständig, dass sie sich erinnern wird und seien es nur kleine Erinnerungsfetzten an ihre gemeinsame Zeit mit ihrer Nonna. Ich werde nie vergessen als wir aus Italien wieder kamen (2 Wochen vor ihrem Tod) und Mäusekind ihr in die Arme gerannt ist und vor Freude geschrien und gelacht hat. Damals ist unser aller Herz aufgegangen... Sie weiß natürlich nicht was der Tod ist, darüber rede ich nicht, ich sage nur die Nonna ist im Himmel und beschützt uns von da oben. Mäusekind winkt dann ganz oft nach oben und sagt "Nonna!" Sie begreift zum Glück nicht was genau passiert ist, aber sie versteht, dass die Nonna nicht mehr hier ist. Ich umarme dich!

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  2. Das ist so traurig, aber es ist auch schön, dass eure Tochter soviel von ihrer Nonna weiß und das sie Bilder anschauen möchte.
    Meine Tochter hat leider nichts von ihrem Opa gehabt. Er kam einmal zu Besuch, da war es schon sehr grenzwertig, kurz darauf ist er gestorben.
    Mir wurde nur alles abgenommen, was seine Sachen anging, da ich das Erbe abgelehnt habe und somit sein Haus nie wieder betreten durfte.

    Es macht mich traurig, dass eure Nonna weg ist :(

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    1. Danke, liebe Bammy. Ja, es ist traurug, wenn unsere gelibeten Menschen nicht mehr da sind und es ist auch so traurig, dass unsere Kinder von ihnen so wenig mitbekommen haben. Aber wenn wir ihnen von unseren Eltern erzählen, dann wachsen sie vielleicht auch ein Stück mit Ihnen auf. Das Vergessen ist der endgültige Tod. Und ich tue alles, damit das nicht passiert. Eine feste Umarmung.

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  3. Das ist so traurig :-(. Fühle dich gedrückt!

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  4. Ach, liebe Anna, ich fühle mit Euch und musste direkt weinen, als ich das gelesen habe! Guckt ganz viele Fotos und erinnert Euch an die guten Zeiten - Eure Nonna wird immer in Eurem Herzen sein <3

    Alles Liebe
    Küstenmami

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    1. Danke, liebe Küstenmami. Du hast recht, sie wird immer in unseren Herzen sein. Liebe Grüße!

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  5. Das ist wirklich ein sehr rührender Text! So ein Verlust ist einfach schrecklich hart :( Ich mag gar nicht darüber nachdenken. Aber manchmal gibt es einem ja wirklich Kraft wie die Kleinen damit umgehen. Fühl dich geherzt und gedrückt!

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    1. Oh, ja, liebe Nätty, das denke ich manchmal auch, dass ihre Art damit umzugehen, mir auch viel Kraft gibt. Da sie die Tragweite des Geschehenen (zum Glück) nicht begreift, ist ihre unbefangene Art damit umzugehen ein großer Trost für mich. Ich drück dich zurück :-)

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