Unialltag – ein Update

Dienstag, Januar 17, 2017




In letzter Zeit komme ich nicht so regelmäßig zum Schreiben wie ich es gerne würde, denn es gibt immer viel zu tun und die Tage sind ziemlich vollgepackt. 

Der Verlust meiner Mama hat mich komplett aus der Bahn geworfen, und auch noch heute, keine drei Monate danach, bin ich immer noch sehr traurig und es kommt mir bisweilen surreal vor, dass sie nicht mehr da ist. 

Nach ihrem Tod habe ich jedoch weiter die Vorlesungen und Seminare besucht, mich zu beschäftigen hat mich abgelenkt von meinen trüben Gedanken und ich hatte nicht viel Zeit mich dem Schmerz hinzugeben. Gegen den Rat meines Mannes, habe ich weitergemacht als ob nichts wäre, habe mir keine Pause gegönnt und das hat sich, wie sollte es auch anders sein, erst einmal gerächt. Ich war über die Weihnachtsferien ziemlich krank und ausgelaugt, hatte Magen-Darm und eine böse Blasenentzündung, die hartnäckig allen Antibiotika getrotzt hat. Nun habe ich zum Glück alles wieder im Griff und habe für mich beschlossen, alles etwas mit mehr Ruhe anzugehen. 

Das heißt, dass ich alle Veranstaltungen, bei denen keine Anwesenheitspflicht besteht, nicht besuche und mich auf die Seminare konzentriere. Die Vorlesungen bereite ich zuhause nach, aufgrund der online gestellten Folien und der von den Dozenten angegebenen prüfungsrelevanten Literatur ist das für mich sehr gut in Eigenregie zu managen. Indes habe ich bereits letzte Woche ein Referat gehalten, dessen Vorbereitung mir überhaupt nicht schwer gefallen ist. 


Ich merke, dass mir alles relativ leicht von der Hand geht, vielleicht weil im ersten Semester wirklich noch viele Grundlagen gelehrt werden, die ich ja schon lange kenne. Ich könnte mir aber vorstellen, dass das Lernen für die Prüfungen mir einiges mehr an Anstrengung und Kraft als meinen jüngeren Kommilitonen abverlangen wird, weil ich aus dem Lernen ins Kurzzeitgedächtnis bereits viele Jahre draußen bin. Es ist vor allem viel an Masse, das in mein etwas eingerostetes Gehirn eingetrichtert werden muss. Ich halte Euch aber auf jeden Fall auf dem Laufenden. :-) 



Überdies merke ich auch, dass man als Mutter nicht so einfach unbefangen vor sich hin studieren kann, es muss einiges an organisatorischen Hürden überwunden werden, damit alles reibungslos klappt. Mäusekind nehme ich morgens mit in die Uni und gebe sie in der Unikita ab, ab halb acht kann ich sie bringen, spätestens um 17 Uhr muss ich sie abholen. Die Uhrzeiten sind wirklich sehr flexibel und ein Segen, denn ich kann sie bringen und holen wie ich möchte, einzige Prämisse ist, dass die Kleinen zwischen 10 und 14 Uhr in der Kita sein müssen. 

Habe ich um 8 Uhr bereits eine Veranstaltung, dann stehen wir um 5.45 Uhr auf, denn die Kita befindet sich zwar auf dem Campus, aber die Veranstaltungen sind teilweise in mehreren Gebäuden quer durch die Stadt verteilt, sodass ich dann nach dem Abgeben noch eine Anfahrt zu einem Institut außerhalb des Unigeländes habe. Habe ich hingegen erst um 10 Vorlesung, dann starten wir ganz gemütlich um 8 in den Tag. Da nicht alle Seminare nahtlos aneinander anschließen, habe ich zwischendurch auch mal zwei Stunden frei, dann gehe ich in die Bibliothek und bereite einiges vor, denn zuhause bin ich abends dann einfach zu müde und mit Mäusekind, wäre Lernen auch eher ein Kraftakt.

Dieses Semester konnte ich mir die Stunden günstig legen, ich weiß aber, dass ich in den kommenden Semestern nicht drum herum kommen werde auch abends Seminare zu belegen. Dann ist wieder die Oma gefragt, ich hoffe, das klappt alles so wie ich es mir vorstelle. 

Donnerstag ist immer mein langer Tag, da habe ich bis 18 Uhr einen Pflichtkurs und da die Kita um 17 Uhr schließt, hole ich meine Kleine bereits um 15 Uhr ab, bringe sie zu ihrer Großtante und fahre wieder in die Uni, damit ich pünktlich um 16 Uhr vor Ort bin. Der Donnerstag ist immer unglaublich anstrengend, bis ich Mäusekind wieder abgeholt habe, vergeht viel Zeit und so kommen wir dann erst gegen 19 Uhr nachhause.

Zwei Vormittage die Woche arbeite ich, das klappt bis jetzt ganz gut und ich sehe das als Abwechslung. 

Ich habe sehr viel Freude an dem was ich tue, auch wenn ich merke, dass ein Studium mit Kind natürlich ganz eigene Herausforderungen hinsichtlich Zeitmanagement und Organisation mit sich bringt. Es ist ein himmelweiter Unterschied,  wenn man frei und ungebunden ist oder Verantwortung für ein Kind und für eine Familie trägt. Andererseits bin ich viel abgeklärter und ich sehe alles nicht so bitterernst wie ich es noch in jungen Jahren tat.  Früher war ich vor jedem Vortrag und jedem Referat unglaublich aufgeregt, das hat sich alles sehr relativiert. Dazu habe ich einfach schon zu viel gesehen und zu viel erlebt als dass mich das jetzt noch aus der Fassung bringen würde. 

Und unglaublich aber wahr, seit ich studiere, verbringe ich auch viel bewusster Zeit mit Mäusekinds Papa. Er arbeitet ja in der gleichen Stadt und ab und an treffen wir uns zum Mittagessen und dann ist es fast wie ein Date. Einfach schön.


Seid lieb gegrüßt!



Eure Anna

Kommentare:

  1. Klingt alles sehr anstrengend, aber auch wunderschön. Besonders das du und dein Mann euch immer mal datet, hihi.

    Bei mir startet der Tag immer 5:15 Uhr und ich kümmere mich um alles. Mich erstmal herrichten, Essen vorbereiten, Kaffee kochen für Freund, Katzen füttern, Katzenklo sauber machen, Taschen packen und dann muss ich 6 Uhr das Katzenkind wecken. Oft wacht sie aber mit mir auf und alles zieht sich in die Länge und wird stressig. 6:10 Uhr steht mein Freund auf und 6:30 verlassen wir das Haus und bringen Rini in die Kita, dann ab zur Arbeit wo ich ca. 7 Uhr eintrudel. 16 Uhr zurück, Kind abholen und 17 Uhr zuhause und dann Essen kochen und Haushalt schmeißen, dabei Kind unterhalten. Ins Bett bringen und dann Rest Haushalt machen ... Dann ein Kapitel in einem Buch lesen und dann ist es schon 22:30 Uhr und ich schlaf ein...

    Aktuell lebe ich somit wirklich nur um zu Arbeiten und eine Bespaßungsmaschine zu sein ._.

    Ich wünschte mir, dass ich wie du, etwas machen würde, was mir gefällt.

    LG
    Bammü

    PS.: Das du wenig bloggst, ist vollkommen verständlich und finde ich auch nicht schlimm. Ich freue mich umso mehr, wenn ich hier ein Eintrag entdecke!

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    1. Oh, dankeschön, liebe Bammy. Dein Tag klingt auch sehr, sehr anstrengend. Kannst du nicht mal am Wochenende etwas entspannen? Gibt es Omas oder kann nicht mal dein Freund dir mal ein paar Stunden freischaufeln, die du dann nur für dich nutzt? Ich weiß auch was es heißt, etwas zu tun, was einen gar keinen Spaß macht. Ich weiß auch, dass man nicht immer ausbrechen kann, aber man kann versuchen das beste draus zu machen und vielleicht öffnen sich auch für dich neue Wege. Ich drück dir ganz, ganz fest die Daumen. Alles Liebe, Anna

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  2. Hi, wie hast du es denn geschafft, einen Kitaplatz zu gekommen? Bei uns hat die Unikita eine total lange Warteliste und gerade als Erstsemester hat man eigentlich gar keine Chance. Oder studierst du im Zweitstudium und bist schon länger an der Uni? Weil du oben schreibst, dass du vieles schon kennst. Darf ich auch fragen, welche Fächer du belegt?
    Ich finde das übrigens echt toll, dass du das mit Kind und privaten Sorgen so wuppst. Ich habe selbst zwei Kinder und will dieses Jahr auch noch mal eine Weiterbildung machen. Bin mal gespannt, ob das dann auch so gut läuft- Familie habe ich nämlich leide keine vor Ort.

    Ich wünsche dir alles Liebe und viel Erfolg für deine Vorhaben!

    LG Franzi

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    1. Liebe Franzi, ganz lieben Dank für seinen Zuspruch! Ich hatte einfach wahnsinniges Glück mit dem Kita-Platz. Ich studiere in der Tat das zweite Mal, als ich die Zusage für den Studienplatz bekommen habe, dachte ich zuerst ich muss alles abblasen, weil die Betreuung unserer Tochter nicht gesichert war. Auf Anraten meiner Mama, habe ich in Erfahrung gebracht, dass es eine Unikita gibt,habe dort angerufen und sie hatten tatsächlich wieder einen Platz in der Mäusegruppe ab November frei. Da das Semester ja bereits im Oktober gestartet hat, mussten mein Mann und ich bis Ende Dezember viel improvisieren (die Eingewöhnung fand also auch erst im November statt), aber das haben wir gut hinbekommen und unsere Kleine hatte keine großen Schwierigkeiten, was auch ein sehr großes Glück ist. Insgesamt war die Zeit bis Dezember sehr stressig (Uni, Eingewöhnung und Tot meiner Mama), aber zusammen mit vereinten Kräften haben wir das ganz gut hinbekommen. Ich studiere katholische Religion und Bildungswissenschaften. Ich wünsche Dir ganz viel Erfolg für deine Weiterbildung und dass alles gut funktioniert. Ich glaube einfach als Mutter muss man akzeptieren,dass vieles mit viel mehr Aufwand verbunden ist, aber man ist irgendwie auch stressresistenter. :-) Einen ganz lieben Gruß, Anna

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