Mädchen-Rosa, Jungen-Blau: Warum die Gender-Frage bei Kindern überbewertet wird

Freitag, März 24, 2017


Darf man Klischees bei Kindern fördern? Die gängige Meinung im Netz tendiert da eher zu einem NEIN. Genderspezifische Kleidung und Spielzeug haben oft einen fahlen Beigeschmack. Man presse die Kinder in eine Rolle, ohne ihnen die Freiheit zu lassen, sich selbst zu entfalten.

Das kann man ja ersteinmalmal so stehen lassen. Ein Traum von rosa Einhörnern tut auch mir in der in den Augen und in der Seele weh - ganz unbahängig vom Geschlecht es Kindes (und von so manchem Erwachsenen).

Allerdings ist mir bei unserem Kind sehr früh aufgefallen, dass sie von sich aus das Mädchenspielzeug bevorzugte. Während gleichaltirge Jungen zum Bagger griffen, interessierte sie sich bereits sehr früh für Puppen und Stofftiere. So erfreute sie sich an allen weiblichen Attributen, die die Puppenwelt hergab: Die großen Augen, die langen Haare, die bunten Kleidchen.  Es ist also auch irgendwo in der Natur des jeweiligen Kindes begründet, ob es sich vermehrt eher für Mächen- oder Jungenspielzeug interessiert. 


Kinderkleidung - das leidige Thema

Ich muss mich outen, so wie viele Mamis mag auch ich bei unserer kleinen Maus gerne mädchenhafte Kleidung lieber als neutrale Farben, die auf beide Geschlechter passen. 
Aber ebenso finde ich auch bei Jungs Klamotten schön, die liebevoll charakteristisch gestaltet sind. 

Das liegt zum einen daran, dass neutrale Kleidung oftmals einfach lieblos und ziemlich langweilig daherkommt. Meist sind es Müllmann-orangenen Teile oder Gelb und Grün dominierende Textilien, die man nicht so recht zu kombinieren weiß.  

Als unsere Tochter ca. ein halbes Jahr alt war, wurde sie aufgrund einer gelben Hose und eines blauen Oberteils als Junge identifiziert, obwohl ich finde, dass ein Blick ins Gesicht schon gereicht hätte, um ihr Geschlecht zu erkennen. Aber es ist nun mal so, dass die Farben der Kleider als erstes Signal von der Außenwelt aufgenommen werden. (Unbeachtet dessen, dass das Verdeck ihres Buggies Rosa ist ;-)).

Was mich aber wirklich bedenklich stimmt, sind weniger die geschlechtsspezifischen Farben der Kinderkleidung als vielmehr die Schnittmuster. 

Warum finden sich schon bei Babyklamotten Skinnyjeans? Wieso werden Kinder in eine Erwachsenenrolle gepresst, damit sie schick und trendy sind? Ich finde es erschreckend, dass in der Kinderabteilung kaum noch normal weite Hosen für Mädchen zu finden sind, die meisten Jeans sind sind eng und schmal zulaufend. 
Bei erwachsenen Frauen hat das Schnittmuster mit der Betonung der sexuellen Reize zu tun: Die (in der Regel) langen und schlanken Beine, sollen zu Geltung gebracht werden. (Dies trifft übrigens bei den meisten Frauen nicht zu. Nur weil man sich reinpresst, sieht das noch lange nicht gut aus. Das ist aber ein anderes Thema). Was haben aber solche Konnotationen bei Kindern veroren? Das ist einfach unangemessen und empörend wie ich finde. 


Spielzeug soll Spaß machen

Aber nun zurück nach der Frage nach Klischees und genderspezifischem Spielzeug. Zu ihrem Geburtstag bekam Mäusekind von uns ein Putzset in Miniatur geschenkt, bestehend aus einem Wischmob nebst Eimer, einem Besen und weiteren Putzutensilien, die sich auf einem Wägelchen verstauen und gut von Zimmer zu Zimmer transportieren lassen. Eine kleine Putzkolonne eben. Femministinnen werden hier entsetzt aufschreien: Unmöglich, wie können die ihrer Tochter so etwas schenken? Klischehafter geht es doch kaum! Mädchen putzen und Männer handwerken: Willkommen in der Welt der Stereotypen.

Nun, warum haben wir ihr dieses Geschenk ausgewählt? Die Frage ist ganz leicht zu beantworten: Weil sie große Freude daran hat! Es geht nicht darum, sie in ein Rollenklischee hineinzupressen. Ich möchte sie nicht zur Putzfee erziehen, denn ich bin in dieser Hinsicht wahrlich kein gutes Vorbild. Sie selbst signalisierte immer wieder, dass ihr "Putzen" großen Spaß macht. Wenn der Papa saugt, ich kehre oder gar mit dem Wischmop über die Böden flizte, dann will sie aktiv mitwirken un reist mir letzteren aus der Hand, um selbst zu wischen. "Mäusekind auch", ruft sie dann und versucht mir dem Mob streitig zu machen. 


Wir haben also zu einem genderspezifischen, sehr klischeehaften Spielzeug gegriffen, aus dem einfachen Grund, weil unser Kind selbst daran große Freude hat. Und eben darum geht es ja in erster Linie: Man sollte die Interessen fördern. Wenn sie Spaß daran hat, dann ist es mir herzlich egal, dass solche Spielzeuge die Geschlechterrollen stigmatisieren. So einfach ist das. 

Wäre unser Mädchen ein Junge, der daran auch Spaß hat, dann hätte er das Putzset auch bekommen. Ich finde nichts verwerfliches daran, Hygiene und Sauberkeit zu fördern und das ganz geschlechterneutral. Hätte Mäsuekind Interesse an einer Werkbank bezeugt, dann wäre diese als potentielles Präsent ebenfalls von uns in Betracht gezogen worden.

Übrigens, von dem rosa Einhorn, das sie von ihrer Großtante erhalten hat, ist sie auch über alle Maßen angetan. Warum sollte ich mich daran stören, nur weil mich der ganze Einhornwahn nicht tangiert? Ich freue mich darüber, dass Mäusekind sich darüber freut. 

Und durch Mäusekinds neue Putzutensilien hat nun am Samstag (unser Putztag) die ganze Familie Spaß ;-).

Wie seht ihr das? Meidet ihr genderspezifisches Spielzeug? Oder kauft ihr auch eher geschlechterspezifisch? Und wie haltet es ihr mit der Kleidung?





Kommentare:

  1. Huhu :)

    Ich bin jemand der sogut wie immer schwarz trägt, dass liegt an meinem Musikstil und allem. Ich lebe schwarz *lach*
    Zumindest durfte ich mir erst blöde Sprüche anhören, ob ich mein Kind dann auch immer schwarz anziehe *Augenverdreh* Nur weil ich schwarz liebe, heißt das nicht, dass ich meine ganze Welt schwarz färbe.

    Egal, zumindest hat Rini am Anfang fast nur Jungensachen an, weil wir es geschenkt bekommen haben. Nach und nach kamen Mädchensachen dazu und mittlerweile sucht sie selbst aus, was sie tragen möchte.. und es ist meist pink! Es ist einfach so. (Ich schick dir mal ein Bild)
    Sie liebt auch ihre Puppe über alles, aber auch vieles anderes. Keine Ahnung, ich mache mir da keine Gedanken darüber.

    Kennst du den Blogpost von dem Jungen im Kleid?

    Und wegen Spielzeug noch: Zu Weihnachten gab es bei uns ein Mini-Wäscheständer, einfach weil sie so gern mitmacht. Und wir haben ein Learning Tower in der Küche, damit sie mitkochen kann... Oh Goooooott! :D

    LG
    Bammy

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    1. Hi :-). Nein, den Blogpost kenne ich nicht, magst du ihn hier verlinken? Ich denke, die Kleinen sollen selbst entscheiden, was sie gerne mögen, ganz unabhängig davon ob es irgendwelche Klischees fördert. Süß mit dem Wäscheständer, was es alles gibt :-) Wir hatten am Anfang übrigens auch viel neutrales an, weil wir vieles von Freunden und Bekannten bekommen haben.Ganz liebe Grüße , Anna

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    2. http://ringelmiez.de/2016/01/20/ein-kleid-fuer-den-kleinen-sohn-und-warum-alle-soehne-kleider-tragen-duerfen-sollten/

      :) Sehr schöner Eintrag!

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    3. Dankeschön :-) Dann lese ich gleich mal rein :-)

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  2. Ich habe auch beobachtet, dass meine Kinder von Anfang an oft sehr "typische" Interesse hatten. Der Sohn mochte Fahrzeuge und das war auch das vorherrschende Spielzeug für die Mädchen am Anfang. Sie spielen auch damit, aber als das Sirenchen das erste Mal eine Babypupe im Kaufhaus sah mit knapp 2 Jahren, ist sie schier ausgeflippt. Ich lebe hier auch kein "Prinzessinnen-Fable" vor, aber das Sirenchen liiiiebt Prinzessinnen. Es steckt irgendwie drin.

    Die Skinni Jeans etc für Kinder verstehe ich auch nicht. Die sind ja sogar mir unbequem. Da wollte ich als Kind nicht drin stecken. Man kann sich ja nicht richtig bewegen.:-D

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    1. Ja, ich war auch sehr erstaunt, wie schnell sich die unterschieldichen Interssen bemwekbar gemacht haben, ganz ohne unser Zutun. Von Anfang an fand sie Mädchensachen gut.
      Zu den Klamotten: Ich verstehe das nicht, unpratkisch, unbequem und absolut nicht kindgerecht. Trauriger Trend. :-(

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  3. Liebe Anna,

    ich bin deiner Meinung, was den Schnitt der Kleidung angeht. Hier wird häufig schon ein derart erwachsenes Bild vermittelt, dass es mich umhaut. Bezüglich der Farben und Geschlechterfrage denke ich auch, dass man Kinder nicht in eine Rolle hineinzwängen sollte, andererseits finde ich es aber nicht verwerflich Kinder "geschlechtertypisch" in Rosa oder Blau zu kleiden (wenn es einem gefällt), bis das Kind dies selbst entscheiden kann. Dann sollte man hier ganz freie Hand lassen. Gewisse Dinge regeln sich mit der Zeit ganz selbst, ob das Kind nun eher feminin oder maskulin ist. Deshalb finde ich, sollte man diesen Warnungen sein Kind in nichts hinein zu zwängen zwar erst nehmen, aber nicht übertreiben.

    Liebe Grüße,
    Monika

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    1. Liebe Monika, genauso sehe ich es auch, Kinder entwickeln einen ganz eigenen Geschmack und obwohl unsere Kleine erst 2 Jahr alt ist, gefällt ihr wirklich typische Mächenkleidung in Rosa und Rot mit Blumen und Herzchen und Einhörnern. Und das ohne mein Zutun. Sie greift im Geschäft selbst danach. Es würde mich auch nicht weiter stören, wenn sie lieber mit Baggern spielen würde. Und selbst wenn ein Kind eher geschlechterunspezifische Präferenzen hat, so what? Wir Eltern sollten versuchen, ihr Selbstvertrauen zu stärken. Alles Liebe, Anna

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