Im Biergarten

Montag, Mai 22, 2017


Es ist ein sommerlicher Sonntagabend, draußen scheint wunderbar die Sonne, es ist nicht zu heiß, aber warm genug um sich im Freien aufzuhalten. Der Mann und ich entschließen uns einen ausgibigen Sparziergang mit unserem Hund zu machen und dann bei dem neuen griechischen Lokal einzukehren, das seit wenigen Tagen eröffnet hat und das einen herrlichen Blick auf den See bietet.
Wir sind gut gelaunt, die Sonne strahlt angenehm, eine leichte Briese weht. Nachdem unser Hund ausgepowert ist, steuern wir das Restaurant an und nehmen draußen an einem der Tische Platz, fast alle sind besetzt, nur wenige noch frei.

Mir fällt sofort auf, dass die Kellner überlastet sind, sie eilen hin und her, manchmal wirken sie überfordert. Sie verwechseln die Tische, lassen ein Getränk fallen, sie sind sichtlich gestresst.
Auch die Aufnahme unserer Bestellung dauert einige Zeit, dennoch ist die Bedienung stets höflich und freundlich. Als das Essen kommt, sind wir begeistert, es schmeckt hervorragend.
Während wir also unsere Speißen verköstigen und uns über das herrliche Wetter und die schöne Aussicht freuen, ereignet sich folgende Szene:


Die Gäste des Nachbartisches sind anscheinend unzufrieden mit dem Service und ihrem Essen. Lautstark zitiert der Wortführer den Kellner wie einen kleinen Schuljungen an den Tisch und erkundigt sich, ob er der Chef sei. Als sei es selbstverständlich wird der Kellner gedutzt, mangelnder Respekt von Anbeginn an. Dieser verneint und er wird aufgefordert seinen Vorgesetzten zu holen. Der kommt dann schließlich auch und fragt, womit er behilflich sein könnte, ob denn alles in Ordnung sei. "Nein", schnautzt der Rudelführer sehr unfreundlich und von oben herab: Der Beilagensalat sei ein Witz, zu viele Gurken und Tomaten, zu wenig grüner Salat. Eine Zumutung sei auch die Portionsgröße. Und überhaupt sei es unverantwortbar, dass das Zaziki schon leer sei. Auch würde es viel zu lange dauern.

Der Lokalinhaber entschuldigt sich: Aufgrund des schönen Wetters hätten sie heute eine unerwartete Gästeflut verköstigen müssen. Vieles sei nicht mehr vorrätig. Er untschuldige sich vielmals für die Unannehmlichkeiten. "Das geht ja gar nicht, ihr müsst da jetzt echt mal Gas geben, bei deinem Vorgänger wäre das nicht passiert", fährt der erzürnte Gast fort. Der Ton wird immer rabiater.

Als alle Entschuldigungen und Erklärungsversuche nicht fruchten, antwortet der Inhaber schließlich, er sei gerne bereit ihm die neue Lokaladresse des Vorbesitzers aufzuschreiben und dann verlässt er seine unhöflichen Gäste, die lauthals weitergrölen.

Ja, dem habe er es gezeigt, brüstet sich der unhöfliche Gast gegenüber seinen Tischkameraden, die ihm lautstark beipflichten. Er habe ja schon so manchen Kellner runtergeputzt, tönt er mit stolzgeschwellter Brust.

Mein Mann und ich sind verlegen und peinlich berührt über soviel Unhöflichkeit und Unfreundlichkeit. Wir sind sprachlos und die Szene hat uns die Laune verdorben.

Da macht es jemanden anscheind große Freude, andere niederzumachen und sie von oben herab zu behandeln. Der Servicemitarbeiter wird einfach mal geduzt, man lässt ihn nicht ausreden, bei jedem Erklärungsversuch steigert der Gast seine Angriffe und man kann aus seinem Gesichtsausdruck deutlich erkennen, dass ihm das eine gewisse Befriedigung verschafft.
Jegliches Personal wird herablassend behandelt. Es schlägt mir irgendwie auf den Magen.

Als wir zahlen, bedanken wir uns für das gute Essen. Auch bei uns versucht sich der Kellner wegen der langen Wartezeit zu entschuldigen, wir winken aber gleich ab, es sei alles in Ordnung.
Plötzlich strahlt Mäusekind die Bedienung an und ruft energisch winkend: "Danke für lecker Essen. Tschüüüüüss, bis zum nächsten Mal".

Der Mann lacht nun plötzlich sichtlich ergriffen. Seine Augen leuchten. Es ist diese ehrliche Freude, die von Herzen kommt und das ganze Gesicht zum Strahlen bringt. Mein Herz geht in diesem Augenblick auf und ich bin sehr stolz auf mein kleines Mädchen, die mit ihrer kindlichen Unschuld alles wieder wett gemacht hat.
Bisher scheinen wir alles richtig gemacht zu haben. Ich hoffe, es bleibt so.


 

Kommentare:

  1. Auch schon so ähnlich erlebt. Es gibt doch die Redewendung, dass man das Wesen eines Menschen daran erkennt, wie er mit der Bedienung umgeht.
    LG, Anja

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    1. Stimmt, den Spruch habe ich auch schon mal gehört. Scheint was wahres dran zu sein :-(
      Liebste Grüße, Anna

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  2. So was ist echt ein Zeichen mangelnden Respekts für die Arbeit anderer, und leider habe ich solche Szenarien auch schon erlebt. Was manch einer meint sich rausnehmen zu dürfen geht wirklich manchmal auf keine Kuhhaut. Schön aber, dass Ihr Euren Teil dazu beitragen konntet, das Gemüt der Bewirtung wieder aufzuheitern! Viele Grüße!

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    1. Ich finde so eine herablassende Art ganz fürchterlich. Man kann natürlich konstruktive Kritik geben, wenn etwas nicht passt, damit gehandelt werden kann, allerdings hatte das damit gar nichts mehr zu tun. Es kann immer mal was daneben gehen oder es können unvorhergesehene Situationen eintreten. Man muss sich doch auch mal in die Lage des anderen versetzen können...Ich fand es wirklich ganz schrecklich. Wir haben eigentlich gar nix dazubeigetragen, das war ganz alleine unsere kleine Maus :-) Ich drücke dich fest aus der Ferne! :-*

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  3. Ich finde so ein Verhalten auch grauenvoll. Klar kann man unzufrieden sein, wenn es etwas länger dauert, aber das kann man ja auch auf andere Weise mitteilen. Ich hab früher selbst gekellnert und kann mich da gut in die Bedienung hineinversetzen. Oft jab ich dadurch mehr Verständnis als andere. Aber super süß das Verhalten deiner Tochter!!!! Da geht einem ja direkt das Herz auf :)

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    1. Liebe Nätty, ich denke einfach, dass jeder mal gestresst und überfordert sein kann, manchmal liegt es auch gar nicht an den Servicekräften, sondern viele organisatorische Dinge laufen einfach mal daneben. Und selbst wenn man einen schlechten Tag hat, so muss man doch denjenigen nicht bloßstellen. Das sehe ich genauso wie Du. Kinder können mit ihrer Unbefangenheit und ihrer Ehrlichkeit einfach nur entwaffnen und einen daran erinnern, sich darauf besinnen, was wirklich von Bedeutung ist. Eine feste Umarmung!

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