Metamorphosen

Dienstag, September 19, 2017

Sind wir die Summe unserer Gedanken? Unserer Gefühle? Unserer Taten?

Sind wir intellektuell oder bourgeois?

Dürfen wir nur lieben oder auch abgrundtief hassen?

Dürfen wir Fehler machen, anecken, mit dem Strom schwimmen, uns treiben lassen oder müssen wir kämpfen?

Sind wir nur gut, wenn andere uns das attestieren?

Müssen wir die Welt retten oder uns selbst?

Können wir fliegen oder wollen wir tanzen?

Ertränken wir den Kummer oder stärken wir unser Selbstbewusstsein?

Müssen wir Lächeln oder dürfen wir auch Weinen?

Vielleicht müssen wir einfach nur Sein.

Mit Aussicht auf Klarheit. Mit Hoffnung auf Erlösung. 

Das Jetzt lebt vom Sein.

Ich bin.



Throwback: Ein Tag in der Vergangenheit

Dienstag, September 12, 2017



2001: Ich, 21 Jahre alt. Drittes Semester Kunstgeschichte, Heidelberg, absolviere gerade ein sechswöchiges Praktikum am Deutschen Filmmuseum in Frankfurt. Das Praktikum ist nett, aber nicht sonderlich herausfordernd. Die laufende Ausstellung befasst sich mit Audrey Hepburns Kleidern und Schuhen. Alles ist vom Modezaren Ferragamo aus den 50ern gelabelt. Irgendwie ist das ganze nicht rund. Aber ich bin ja nur eine kleine Studentin. 
Manchmal darf ich auch Anfragen von Besuchern beantworten. Emailverkehr ist damals noch nicht so etabliert. Das Publikum ist eher analog, schreiblustig und telefonfaul. Die Post trägt täglich tausende Briefe aus. Echte Briefe. Handgeschriebene, getippte. 

Mein Vorgesetzter ist super locker. Ein echt cooler Typ. Alternativ. Ich mag unkomplizierte Menschen.

Die Sache mit dem Schicksal

Dienstag, September 05, 2017


© Gemälde und Foto Roberto Pagnani

Wir alle denken, das passiert uns nicht, das trifft nur die anderen. Wenn wir dann von traurigen Schicksalschlägen und ergreifenden Geschichten hören, dann fühlen wir uns betroffen und vielleicht auch etwas erleichtert, dass wir nicht diejenigen sind, die... 
Schicksalsschläge können ganz schön hart sein. Sie können uns ins Wanken bringen, uns straucheln lassen, uns in die Knie zwingen oder uns gar zu Boden werfen. 

Ich habe in den letzten Jahren viel nachgedacht, warum uns einige Dinge widerfahren sind, auch so manches, was hier auf dem Blog keine Bühne geboten werden soll. 
Gahadert habe ich mit unserem Schicksal. Die schwere Krankheit meiner Mutter, die komplizierte Geburt unserer Tochter, der plötzliche Tod meiner Mama: Mit einem Schlag hatte ich keine Mutter mehr und meine Tochter keine Oma. Das sitzt tief, das verändert die Sicht auf die Dinge. Die Floskel: Anderen geht es viel schlechter als uns oder dir, war mir nie ein Trost. Warum sollte es denn auch sein, ich wünsche niemanden Schlechtes. Ich habe lange getrauert und immer wieder kommt der Schmerz hoch. Manchmal ganz suptil, wie ein Stich einer dünnen Klinge, manchmal taub und dumpf. 

Doch in den letzten Wochen da hat sich in mir irgendwie ein Schalter umgelegt. So als hätte ich plötzlich wieder klare Sicht, den Blick frei für das was ist. Mir wurde klar, dass ich eigentlich kein Recht habe mich hinter der Trauer zu verschanzen. Natürlich ist das alles nicht schön, natürlich werde ich meine Mama immer vermissen und im Herzen tragen und ja, die Krankheit, der Tod, das war alles kein Spaziergang und hinterlässt Bitterkeit. 
Aber mir ist bewusst geworden, dass dieser Teil meiner Geschichte nicht die Überhand über mein Leben gewinnen darf.