Ein Jahr ohne dich

Dienstag, November 07, 2017


Ein Jahr, seitdem du von uns gegangen bist. Ein Jahr, das unendlich schnell verflogen ist. Du fehlst. Immer noch sehr. Jeden Tag. Der November ist hart für mich, all die Erinnerungen kommen wieder hoch. Noch immer kann ich es nicht fassen, dass du weg bist. Dass ich am 9. November vor einem Jahr die letzten Stunden mit dir verbringen durfte. Stunden, die qualvoll waren, die tief eingebrannt sind in meiner Seele, in meinem Herzen. Und während ich darüber nachdenke, rinnen mir die Tränen über die Wangen. 

Es war ein langer Todeskampf, über sechs Stunden, in denen ich kaum von deiner Seite gewichen bin, ich habe dich umarmt, geküsst, deine Hand gehalten, dein Haar getreichelt und geweint. So viele Tränen, ich wusste nicht, dass meine Augen so viele hergeben können. Gegen Ende, habe ich gebetet, der Schöpfer möge dich erlösen und er tat es in genau jenem Moment. Ich dachte an meine Großeltern und alle jene, die den Weg schon gegangen waren, in der Hoffnung sie würden dich auf der anderen Seite in ihre Arme schließen. Als du gestorben bist, Mama, da ist irgendwie auch ein Teil von mir gestorben. Ich stand unter Schock, ganz neben mir, konnte nicht begreifen, was gerade geschehen war. 

Doch der Alltag ging weiter, es musste weiter gehen, für uns als Familie und für unser kleines Mäusekind. Sie begriff nicht und das ist gut so. Auf deiner Beerdingung sah sie dein Bildnis und sie rief herzzereißend nach dir, ich dachte, ich überlebe das nicht, ich dachte, ich würde tausend Tode sterben.  

Es war ein grauer Tag, der 9. November des vergangenen Jahres und ein schwarzer Tag für mich. Mein Körper hat das nicht gut wegesteckt, ich wurde krank, ein Leiden jagte das nächste, ich hatte keine Kraft mehr.  

Doch dann im Sommer diesen Jahres, fing ich an wieder zu leben, ganz langsam schien die Freude wieder in mir aufzukeimen, wie ein zartes Pflänzchen, das man gießen, hegen und pfelgen muss. Ich sehe mein Kind und sie entschädigt für so vieles. Ihr Lachen ist mein größtes Glück. Man muss dankbar sein, für das was man hat und ich bin es zutiefst. 
Schon lange vergleiche ich mich nicht mit anderen. Weil nun alles relativ ist. Wichtig sind wir. Wir als Familie, denn es gibt kein wertvolleres Gut.  

Es waren dunkle Jahre, die deiner Krankheit, und dennoch war nicht alles schlecht. Wir haben viel zusammen durchgestanden, aber wir waren uns in dieser schweren Zeit so nah, wie nie zuvor. Trotz alledem haben wir viel gelacht und ich habe dich erst in jenen Tagen wirklich verstanden. Ich weiß, dass es keinen Menschen auf der Welt geben wird, der mich so sehr geliebt hat, wie du es getan hast, Mama. 

Die Mutterliebe ist die stärkste Kraft, die ich kenne und ich spreche nun aus eigener Erfahrung. Du bist immer in meinem Herzen. Und auch wenn es immer wieder dunkle Stunden geben wird, ich weiß, dass das Leben auch Schönes bereit hält. Ein Blick auf mein Kind genügt, um mir das zu vergegenwärtigen. 

Das Schicksal anzunehmen ist nicht leicht. Doch ich habe gelernt, dass keine andere Wahl bleibt, wenn man ein gutes Leben leben will. 

Sich aufgeben bedeutet sterben. Ich will leben.

Ich liebe dich, Mama. 


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