Studieren mit Kind - Tipps und Tricks

Montag, November 20, 2017


Studieren mit Kind ist kein einfaches Unterfangen und schon gar kein Spaziergang. Es bedarf viel Organisation, einige Kompromisse und vor allem Geduld, starke Nerven und Ausdauer.
Wenn Du bisher mit dem Gedanken gespielt hast, trotz Familie, ein Studium zu beginnen, hoffe ich dennoch, dass Dich meine einleitenden Worte nicht abgeschreckt haben. Kein Weg ist einfach und man bekommt nichts geschenkt, aber dennoch lohnt es sich dranzubleiben und durchzuhalten, denn es ist möglich, wenn man denn nur will.
Im Folgenden möchte ich Dir ein paar Ratschläge mit auf dem Weg geben, wie du einige Hürden meistern kannst und so erfolgreich dein Ziel erreichst. Denn die gute Nachricht ist: Mit Kind studieren ist machbar!


1.) Prioritäten setzen - Noten sind nicht alles

Sei Dir bewusst, dass man mit Familie nicht das gleiche Zeitkontingent zur Verfügung hat wie die meisten Studenten, die ungebunden sind und in ihre erste Selbständigkeit starten. Als Mutter trägt man Verantwortung, man ist unspontan und recht eingeschränkt. Mir war bewusst, dass ich nicht das typische Studentenleben leben würde, es war auch gar nicht meine Absicht, ich möchte straight mein Ziel erreichen, in der Hoffnung eines Tages alles erfolgreich absolvieren zu können. 

Meine Zensuren sind mir zwar wichtig, aber ich habe andere Prioritäten, oberstes Ziel ist es, die Klausuren zu bestehen, nochmal antreten zu müssen hält auf und kostet Zeit, die ja eh schon sehr knapp bemessen ist. Während ich früher bis tief in dei Nacht gelernt habe, kann ich dies heute einfach nicht mehr leisten. Am Ende des Tages bin ich müde und wenn mein Kind schläft, brauche auch ich Erholung. 

Lernen, wenn das Kind schläft, das klappt nur in den seltesten Fällen. Also versuche ich zu lernen, wenn die Kleine in der Kita ist. Zwischen den einzelnen Veranstaltungen habe ich manchmal Freistunden und Leerlauf, in dieser Zeit recherchiere ich für Hausartbeiten, lese Texte und bereite meine Referate vor. Gerade im Semester sind diese Stunden sehr wichtig, abends und am Wochenende ist es mir nicht möglich neben Familie und Haushalt solche Dinge zu erledigen.

Lernen - wenn das Kind betreut wird, nicht wenn es zuhause ist. 

2.) Klare Aufgabenverteilung

Solltet Ihr nicht alleinerziehend studieren, sondern einen Partner an Eurer Seite haben, dann ist es hilfreich, den Tagesablauf abzusprechen. Wer bringt heute das Kind in die Kita, wer holt es ab? An manchen Tagen übernimmt das der Mann für mich, einen Nachmittag die Woche ist die Kleine bei der Oma. Ansonsten sprechen wir uns jeden Abend ab. Wer geht wann wie einkaufen?

Wir haben für uns beschlossen dies gemeinsam am Wochende zu tun, den Großeinkauf würde ich alleine mit Kind nicht stämmen können. Kleinigkeiten besorgen wir auch unabhängig voneinander unter der Woche, wie gesagt, klare Absprachen und Zeitpläne sind wichtig.

3.) Auf seine Rechte setzen

Manche Seminare sind wahllos überlaufen, man bekommt nur einen Listenplatz und kann im besten Falle darauf hoffen, nachzurücken. Einige Veranstaltungen kann ich aufgrund der Uhrzeit nicht besuchen, weil die Kinderbetreuung nicht gesichert ist, deshalb muss ich auf jene ausweichen, die während der Kita-Öffungszeiten angeboten werden. 

Manchmal wartet man aber auch ein Semester bis man zugelassen wird, das verzögert in solchen Fällen die Studienzeit und im darauffolgenden Semester hätte man ein doppeltes Pensum, das nicht gerade förderlich für den eigenen Stresspegel ist. 

Sollte man in manche Seminare also keinen Platz erhalten, dem Dozenten die Sachlage schildern und ihn bitten aufgrund der Betreung und Erziehung von Kindern dennoch zugelassen zu werden. Bisher waren alle Dozenten sehr nett und verständnisvoll, keiner hat mir einen Platz verweigert.

4.) Sich vernetzen

Es ist unglaublich wichtig, sich mit anderen Studenten zu vernetzen, nicht selten, kann man eine Veranstaltung nicht besuchen, weil das Kind krank ist oder etwas dazwischen kommt, dann ist es von Vorteil, wenn man Kommilitonen ansprechen kann.

Ich besuche alle Veranstaltungen mit Anwesenheitspflicht, Vorlesungen wähle ich lapidar einfach nach der Möglichkeit der Kinderbetreuung aus. Fällt die Vorlesung zwischen 08 und 16 Uhr, besuche ich die Veranstaltung, ist sie erst ab 16 Uhr, muss ich ihr fern bleiben, weil die Kita um 17 Uhr schließt. 

Es ist somit von Vorteil, einen Ansprechpartner zu haben, der einem die Zugangsdaten zu den Lernplattformen gibt oder gegebenenfalls einem die Unterlagen zum Kopieren bereit stellt. Denkt daran, eine Hand wäscht die andere, vielleicht könnt ihr ja auch dem einen oder anderen behilflich sein. (Ihr seid doch Organisationstalente, vielleicht könnt Ihr ja Tipps zum Selbstmanagment weitergeben ;-).


5.) Kleinschrittig denken steigert die Motivation

"Ich spring von Level, zu Level, zu Level...", kennt Ihr den Songtext noch? Genau das ist meine Devise, ich plane Semester zu Semester, Prüfung zu Prüfung, alles was ich geschafft habe, das kann ich abhaken. Ein neues Level ist geschafft! 
Bis am Ende schließlich der Endgegner kommt: Die BA oder die MA-Arbeit. Aber bis dahin ist Zeit. 

Seht nicht das große weit entfernte Ziel, sondern führt euch die kleinen Ziele vor Augen und die kleinen Erfolge. Sie sind so wichtig für Eure Motivation und für eure Ausdauer.

6.) Last but not least: Setzt euch nicht unter Druck

Wenn Ihr zum Studieren länger braucht, dann ist es kein Weltuntergang. Im Moment befinde ich mich im 3. Semester und bin (noch) in der Regelstudienzeit. Obwohl ich durchaus hätte auch zurückstellen müssen, wie vielleicht einige wissen, die den Blog verfolgen, ist meine Mutter im ersten Semester verstorben, die Eingewöhnung in der Kita fiel genau in diesen Zeitraum. Ich habe dennoch weitergemacht. Das war aber MEINE PERSÖNLICHE Beweltigungsstrategie. Zudem hatte ich bisher das Glück, dass unsere Tochter nicht oft krank war, bedenkt bitte, dass Krankheit, persönliche Tiefschläge Euch vielleicht Kraft rauben und Euren Zeitplan ins Wanken bringen. 

Das ist überhaupt nicht schlimm. Selbst normale Studenten schaffen es manchmal nicht in der Regelstudienzeit ihr Studium abzuschließen, warum solltet ihr euch dann so unter Druck setzten?


Kinder im Studium großzuziehen erfordert Kraft. Es wird immer Tief- und Rückschläge geben, aber denkt daran, nicht zu hart mit euch ins Gericht zu gehen, ihr habt es verdient, auch mal fünf gerade sein zu lassen! Mit Kindern studieren ist ein Wagnis, aber ein machbares!

Alles Liebe

Eure Anna


PS: Im Anschluss findet Ihr noch ein paar hilfreiche Artikel mit weiterführenden Links.






1 Kommentar:

  1. Hallo Anna, danke für den Einblick in deinen Alltag, der aber auch verdeutlicht, dass es als Mutter nicht leicht ist, Familie und Studium unter einen Hut zu bringen. Man hat ja immer das Bild vom lockeren Studium. Während man als Arbeitnehmer nach Büroschluss, die Arbeit Arbeit sein lassen kann, so ist man doch im Studium auch außerhalb der Uni gefordert. Wenn dann auch keine Großeltern da sind, die einem unter die Arme greifen können,ist man doch sehr auf sich alleingestellt. Aus deinem Text lese ich heraus, dass ihr auch größtenteils alleine klar kommen müsst? Respekt, dass Du es noch einmal wagst. Liebe Grüße aus Bayern, Annika

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